#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr3 

katholisch

Kirche in WDR 3 | 09.01.2021 | 07:50 Uhr

Der wahre Reichtum

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer,

ich kann mich nicht davon freisprechen, dass es auch mir immer wieder passiert, dass ich mich im Netzwerk der sozialen Medien verheddere.

Als ich vor kurzem auf den Wochenbericht meines Handys geschaut habe, da habe ich mich schon ziemlich erschreckt, wie viele Stunden ich am Handy verbracht habe. Die Instrumente, mit denen soziale Medien arbeiten sind eigentlich jedem bekannt – auch mir. Der Pington des Messangers löst Belohnungsreize in unserem Gehirn aus.

Dies wird zunehmend zum Problem. In unserer Pfarrei erlebe ich es genauso wie die Sportvereine oder andere gesellschaftliche Gruppen: Für kontinuierliches Engagement sind immer weniger Menschen zu gewinnen. Das Argument liegt schnell auf der Hand. Die Menschen habe immer weniger Zeit.

Wenn ich dann aber meinen 84-jährigen Vater erzählen höre, wie umfangreich seine Arbeitswoche in der Zeit seiner Lehre war, dann kommen mir daran Zweifel. Geht es wirklich darum, dass wir weniger Zeit haben? Oder doch eher darum, wie wir sie verwenden?

Heute ist in der christlich-jüdischen Tradition der letzte Tag der Woche, der Shabbat. Ein Tag, der auf seine Art aus der Zeit fällt.

In dieser Woche habe ich hin und wieder von meinen Zeit bei den Jesiden im Shingal-Gebirge erzählt, im Nordirak und in Nordsyrien. Da gibt es kein Internetempfang, kein WLAN und die Zeit ist von etwas anderem erfüllt. Neben der Arbeit in den humanitären Projekten nämlich ist es vor allen Dingen Zeit mit anderen Menschen und Zeit einer besonderen Qualität. Da sitze ich abends mit den Freunden zusammen bei einem Tee und bei einem Fladenbrot auf einem Teppich. Wir reden stundenlang und ich verspüre nicht einmal den Anreiz auf mein Handy zu schauen. Neuigkeiten und Nachrichten reizen mich nicht.

Und dafür gewinnt etwas anderes Raum, nämlich wirkliche Begegnung und eine Gemeinschaft, die das Herz berührt- die mir wirklich reich macht. Mir geht es nicht darum soziale Medien zu verteufeln, aber mir ist es wichtig, doch von Zeit zu Zeit inne zu halten, und darauf zu schauen, dass in dieser so durch getakteten und auf Effizienz getrimmten Welt der Takt meines Lebens langsamer wird - dass ich Raum dafür gewinne, was mich im Letzten reicher macht. Der wahre Reichtum meines Lebens sind die Freundschaften und die Menschen, denen ich in Liebe verbunden bin. Gerade in den Corona-Zeiten mit ihren Beschränkungen wird mir das schmerzhaft deutlich.

Heute ist Samstag. Und in der jüdisch-christlichen Tradition ist es der Tag, an dem die Arbeit ruht – der siebte Tag der Schöpfung. Heute sollte es nicht ums Arbeiten gehen, um Reichtümer, die auf Konten darstellbar sind. Heute könnte der Tag sein, an denen Ihre Beziehungen reicher werden – auch wenn es manchmal Arbeit kostet, sie zu pflegen. Jedenfalls wünsche ich Ihnen den großen Reichtum, der daraus erwächst, dass Sie Menschen haben und wahrnehmen, die Sie lieben und die an Ihrer Seite sind.

Aus Steinfurt grüßt Sie herzlich

Pfarrer Jochen Reidegeld

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen