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Kirche in WDR 3 | 18.01.2021 | 07:50 Uhr

Amadeus

Guten Morgen!

Ich kann es kaum glauben, dass mein liebster Kinofilm schon bald 40 Jahre alt ist. Es ist und bleibt der Film „Amadeus“ von Regisseur Milos Forman – für mich kommt keiner der Blockbuster der vergangenen Jahre an dieses Kunstwerk ran. Thema des Films ist – natürlich – Wolfgang Amadeus Mozart. Doch fast noch wichtiger im Film ist Antonio Salieri, sein Zeitgenosse und Rivale.

Dieser Antonio Salieri kommt aus einfachsten Verhältnissen, hat es aber bis zum Wiener Hofkomponisten gebracht. Er ist ein strenger, frommer Mann, und weil er sein Talent und seinen Aufstieg vor allem Gottes Gnade zuschreibt, gelobt er ihm, zum Dank ein keusches Leben zu führen. Soweit – so gut. Bis Mozart auftaucht.

Im Film ist dieser Mozart das genaue Gegenteil von Salieri. Ein frivoler Kindskopf, ein Frauenheld, ein Clown. Doch das ist eben nicht alles. Mozart ist auch ein Jahrhundertgenie, das Musik von solcher Vollkommenheit erschafft, dass Salieri der Atem stockt. Mozarts Können stellt alles in den Schatten, was er selbst je zustande gebracht hat. Das junge Genie hat unzählige Werke einfach fertig im Kopf und muss sie nur noch niederschreiben. Auf den Notenblättern, auf denen er seine Werke notiert, ist keine einzige Korrektur zu entdecken. Ganze Sonaten, Konzerte, ja sogar Opern sind einfach da – als wäre es die leichteste Sache der Welt.

Salieri sieht sein eigenes Können auf bloßes Mittelmaß zusammenschrumpfen – und zerbricht an Mozarts Genialität. Eine der ergreifendsten Szenen im Film ist jene: Er erkennt in der Musik Mozarts die Stimme Gottes – etwas, was er doch für seine Musik erhofft hatte. Salieri kann es nicht verwinden, dass Gott ein solches Talent einem frivolen Kindskopf schenkt, einem disziplinlosen Lümmel, der seine göttlichen Gaben bei Trinkgelagen verschleudert. Das macht ihn zuerst zu Mozarts Feind – und dann auch zu Gottes Feind.

Während er ein Kruzifix ins Feuer wirft, schwört er Gott, Mozart zu vernichten. Tatsächlich plant er, ihn zu töten, seinen Ruhm einzuheimsen und so auch Gott zu besiegen. Doch er scheitert mit seinen Plänen. Mozart stirbt zwar früh, doch während dessen Musik immer berühmter wird, muss Salieri erleben, wie er selbst noch zu Lebzeiten in Vergessenheit gerät.

Ich kann mit Salieri mitfühlen. Es ist ja auch schwer anzuerkennen, dass ein Talent oder eine Gabe, die man selbst gern hätte, einer anderen Person in den Schoß gefallen ist. Und diese Person ist einem dann vielleicht noch nicht einmal sonderlich sympathisch…

Und wenn dann noch der Glaube ins Spiel kommt und man vermuten muss, dass Gottes besondere Gunst nicht auf einem selbst ruht, sondern auf einem anderen – dann wird es noch schwieriger.

Neid und Missgunst sind nichts Neues. Eine der ersten Geschichten im Alten Testament zum Beispiel ist die von Kain und Abel, den beiden Söhnen von Adam und Eva (Gen 4,1-16). Kain erlebt, wie Gott wohlwollend auf das Opfer seines Bruders Abel schaut und ihn selbst ignoriert. Voller Neid tötet er deshalb seinen Bruder Abel – der erste Mord aus Eifersucht.

Auch wenn unklar bleibt, warum Gott das eine Opfer einem andern vorzieht, warum einer mehr Talente hat als ein anderer. Mir scheint eine Erkenntnis wichtig: Es bringt nichts, sich an anderen zu orientieren - ob am Bruder oder am Gegenspieler, egal, was bei den anderen vermeintlich oder tatsächlich besser ist.

Vielmehr glaube ich der Zusage, dass alle Menschen von Gott geliebt sind. Niemand muss ein Jahrhundertgenie sein, um diese Liebe zu erfahren. Um dies wirklich zu glauben und zu erfahren genügt es, die Person zu sein, die man ist. Dann fällt es auch leichter, anderen ihre Gaben zu gönnen – auch wenn man sie nicht unbedingt mögen muss.

Einen guten, gelassenen Einstieg in die Woche wünscht Ihnen Claudia Nieser aus Paderborn.

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