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Kirche in WDR 3 | 10.06.2021 | 07:50 Uhr

Der Barbarossakopf von Cappenberg

Guten Morgen!

Ich möchte ihnen von einem
kleinen Schatz erzählen, der
auf Kaiser Friedrich Barbarossa zurückgeht.
Und das passt heute, weil heute vor 831 Jahren der
sogenannte Kaiser Rotbart
starb, ertrunken auf dem Weg nach Jerusalem. Das war auf seinem zweiten Kreuzzug – aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls: Kaiser Barbarossa ist bist heute legendär und daher auch dieser Schatz, zu dem ich ganz persönlich einen Bezug habe.
Der Schatz
ist eine kleine Büste
aus Bronze, vergoldet
und zeigt den Kopf eines jungen Mannes mit
Bart und lockigen Haaren,
der von Engeln getragen wird.

Die Büste ist ein Geschenk gewesen von
Kaiser
Barbarossa an seinen
Patenonkel.
Und der war niemand anderes als
Otto von
Cappenberg.
Jetzt werden Sie vielleicht fragen: Otto – wer? Aber Otto von Cappenberg war nicht nur ein entfernter Verwandter des
späteren Kaisers, er war seinerzeit
eine kleine Berühmtheit.
Otto
hatte zusammen mit seinem Bruder Gottfried seine Stammburg
im westfälischen
Cappenberg in ein Kloster verwandelt. Das war
das erste Kloster der Prämonstratenser im deutschsprachigen Raum. Das ist nächstes Jahr genau 900 Jahre her. Damals wurde Friedrich Barbarossa gerade geboren. Und weil man in der eigenen Familie eben einen Klosterstifter hatte,
der selbst
auch Klostermitglied wurde,
fragte manOtto, ob er nicht Patenonkel werden wolle
bei der Taufe.
Denn einen
Taufpaten
im Kloster
zu haben, ist ja nichts Schlechtes, denn der kann ja für den Täufling beten
– ein Leben lang.
Und da hilft dann vielleicht eine kleine „Erinnerungsgabe“.
So denke ich mir das jedenfalls. Der Kopf konnte gut an denjenigen
erinnern, für
den gebetet werden soll:
nämlich den Kaiser. Kein Wunder, dass der Kopf lange auch als
„Cappenberger
Barbarossakopf“
bezeichnet wurde.

Bis heute ist der Kopf
übrigens
im Besitz der Kirchengemeinde Cappenberg und wird in der ehemaligen Klosterkirche gezeigt.
Und da
komme ich ins Spiel. Denn ich war dort
sechs
Jahre als Pfarrer tätig.
Und daher
liegt mir dieser
„Cappenberger
Kopf“
besonders am Herzen. Denn er
erzählt spannende Geschichten und
ist ein echter Schatz.
Den ein paar Mal
in
Händen zu halten
und genau zu betrachten – das hatte
etwas. Immerhin:
In einer Urkunde heißt es, die Büste sei nach dem Abbild des Kaisers gestaltet, so dass vermutet wird,
hier ein
echtes
Bildnis Barbarossas zu haben.

Die Geschichte mit dem Kopf geht aber noch weiter. Otto, der Taufpate,
benutzte die
hohle
Büste als Behälter für Reliquien, also für Knochen und Überreste von Heiligen. So gelangte unter
anderem
eine Reliquie
vom heiligen Johannes dem Evangelisten in den Kopf. Und das ließ Otto sogar auf der
Büste eingravieren. Da heißt es in der deutschen Übersetzung: „Was hier bewahrt wird, ist vom Haar des Johannes. Erhöre, o hl. Johannes, die dich durch Gebet bedrängen.“
Ob das tatsächlich ein Haar des Johannes war,
sei einmal dahingestellt. Aber damit ging schon bald die Vorstellung einher, das Kopfbild zeige eigentlich Johannes den Evangelisten, zumal der bis heute auch der Patron der
Cappenberger
Kirche ist.

Wer auch immer
da jetzt abgebildet ist, Barbarossa oder Johannes: Fakt ist – irgendwann
geriet
der Kopf
in Vergessenheit und
wurde
lange Zeit
kaum beachtet.
Erst vor gut 150 Jahren
wurde er
wiederentdeckt und
Historiker begannen zu
forschen,
was es mit dem Kopf
wohl
auf sich hat. Bis heute wird immer noch darum gerätselt. Aber eines ist für mich
dabei
interessant.
Ob als Geschenk des Kaisers an
seinen
Taufpaten zur Erinnerung oder als Reliquiar des Johannes:
Bei dem Kopf
geht es
immer
ums
Beten, genauer,
um eine Erinnerung ans Gebet, ob für den Kaiser, an Johannes oder aus irgendeiner Bedrängnisheraus.

Auch wenn heute bei Besichtigungen der Barbarossabüste in der
Cappenberger
Kirche wohl kaum noch jemand auf den Gedanken kommt, ein Gebet zu sprechen, ich finde es
gut,
einen Schatz zu haben, der mich ans Beten erinnert – und das muss nicht
einmal ein historischer Schatz sein, da reicht eigentlich schon das kleine Geschenk: ein Lächeln, eine Aufmerksamkeit oder ein gutes Wort. Dafür
zum Beispiel
zu danken,
ist schon ein erstes Gebet.

Kommen
Sie gut durch den Tag!
Philipp Reichling
aus Duisburg

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