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Kirche in WDR 3 | 28.09.2021 | 07:50 Uhr

"Du kannst das"

Eine schwierige Situation: Ich werde als Polizeiseelsorger zu einem Trauergespräch ins Polizeipräsidium gerufen; ein Kollege in der Verwaltung ist plötzlich verstorben. Und das Team, mit dem er zusammengearbeitet hat, fragt jetzt nach Begleitung. Wie oft bei solchen schwierigen Situationen bin ich nervös, weil ich nicht weiß, was mich genau erwartet: Wer wird bei dem Gespräch dabei sein? In welcher Verfassung sind die Kolleginnen und Kollegen? Was erwarten die von mir? Was kann ich überhaupt sinnvolles tun? Hoffentlich geht mir die Geschichte nicht so nah, dass ich selbst weinen muss und mir die nötige Distanz fehlt.

Auf dem Parkdeck des Präsidiums begegne ich einem Kriminalkommissar, den ich flüchtig kenne. „Hallo!“, grüße ich. „Auf dem Weg zum Feierabend?“ – „Ja, ich muss Überstunden abbauen“, sagt er. „Und selbst?“ Ich erzähle kurz, warum ich da bin, und dass ich reichlich nervös und unsicher bin. Seine Antwort: „Du kannst das.“ Ich schlucke und bekomme feuchte Augen, weil ich gerührt bin von so viel Vertrauen. Wir verabschieden uns, ich gehe weiter und frage mich: Wieso traut er mir das zu? Woher will er wissen, dass ich der Situation gewachsen bin? So gut kennt er mich nicht. Okay, wir waren mal ein paar Tage zusammen bei Einkehrtagen, aber da ging es um ganz andere Themen.

Auf dem weiteren Weg merke ich: Dieses Vertrauen tut gut. Dieser eine kurze Satz: „Du kannst das.“ Mir wird ein bisschen leichter ums Herz, meine Gesichtszüge entspannen sich, und ich fühle mich etwas größer, wie wenn eine Last auf den Schultern leichter wird. Ich gehe zuversichtlich in das Gespräch, zunächst nur mit der Dienststellenleiterin. Und danach stelle ich fest, dass meine Sorgen und Fragen unbegründet waren. Der Kommissar hatte Recht: Ich kann das.

Wenn ich heute darüber nachdenke, dann gab es schon zahlreiche ähnliche Situationen in meinem Leben: Ich stehe vor einer Aufgabe und zweifle daran, sie lösen zu können. Meist gab es dann liebevolle Menschen, die mir Mut gemacht haben: „Du schaffst das.“ Und sie hatten Recht. Sie trauten mir mehr zu als ich mir selbst. – Und umgekehrt: Wem habe ich schon alles Mut zugesprochen: Ich denke weit zurück an die Zeit, als meine Kinder ganz klein waren. Laufen konnten sie noch nicht, aber auf dem Spielplatz die Leiter hochklettern, das musste sein. Ein fragender Blick zu Papa. Und meine Reaktion: „Na los, du schaffst das!“ Und los ging‘s.

Ich glaube ja, dass das Zutrauen von Eltern den Kindern Mut und Selbstvertrauen geben kann. – Und auch heute, wenn ich Beratungsgespräche führe, ist meine Überzeugung: Diejenigen, die bei mir Rat suchen, sind selbst in der Lage, ihre Fragen zu beantworten und ihren Weg zu gehen. Sie brauchen dazu nur etwas Unterstützung.

Es kommt darauf an, einem anderen etwas zuzutrauen gegen alle Ängstlichkeit. So wie beim Propheten Jeremia. Der wird in der Bibel von Gott beauftragt, sein Wort zu verkünden. Jeremia traut sich das nicht zu: „Ach, Herr und Gott, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung.“ (Jer 1,6) Doch Gott lässt den Einwand nicht gelten und stärkt den Propheten mit den Worten: „…ich bin mit dir!“ (Jer 1,8). Das ist es: Gott traut dem Jeremia mehr zu als dieser sich selbst.

Aber das gilt nicht nur für diesen Jeremia. Ich bin überzeugt: Gott traut jedem Menschen eine Menge zu. Und vielleicht oft mehr als wir uns selbst. Wenn ich mir dieses Zutrauen Gottes klar mache, fällt es mir leichter, schwierige Aufgaben anzugehen. Und seine Zusage: „Ich bin mit dir“, macht mich außerdem mutiger und gelassener.

Wenn mir jemand sagt: „Du kannst das“, werde ich innerlich ein bisschen größer; so ein Zuspruch, der richtet mich tatsächlich auf. Übrigens, das deckt sich mit dem hebräischen Namen „Jeremia“. Der bedeutet, ins Deutsche übersetzt: Gott möge aufrichten. Ich find das genial.

Den Propheten Jeremia hat Gott aufgerichtet, so dass er selbstbewusst seinen Auftrag ausführen konnte. Und ich bin überzeugt: Jeden und jede von uns möchte Gott ebenso aufrichten, indem er sagt: „Du kannst das.“

Herzlich grüßt Pastoralreferent Martin Dautzenberg aus Hattingen.

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