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Kirche in WDR 3 | 28.10.2021 | 07:50 Uhr

Die "liebe Gott's" und die Muskeln

Manchmal wundert man sich, woher Kinder das haben. Das wird sich mein Vater sicher gedacht haben, als er mit meinem Sohnemann, 5 Jahre jung, vor einigen Monaten über den Friedhof ging. „Komm Opa, ich muss dir was zeigen!“ zog mein Sohn seinen Opa über auf den Ascheweg, der zu den Grabfeldern führte. An einigen Gräbern blieb er stehen. „Hier…. und hier…. Und hier auch… und da hinten! Merkst du was?“, fragte er und dann sprudelte die Antwort schon aus ihm heraus: „Die liebe Gott´s haben alle Muskeln!“. Jetzt wurde auch meinem Vater deutlich, was sein Enkel meinte. Der war zielstrebig zu jenen Grabmählern gelaufen, bei denen eine Kreuzigungsszene abgebildet war, eine mit einem Korpus. Und in der Tat: Ich habe mir das in der letzten Zeit mal angesehen. Auf den meisten Kreuzen prangt ein Jesus, dessen Bizeps den besten Bodybuilder neidisch werden lässt.

„Was so Kindern alles auffällt!“, wunderte sich mein Vater. Und es ist wirklich so: Manchmal wird man von dieser kindlichen Sichtweise erfrischend inspiriert. Ich finde das eigentlich auf den Punkt gebracht wundervoll, dass er mir und uns diese Sehhilfe geschenkt hat. Logisch, denke ich bei mir! Das macht voll Sinn. Wenn Jesus stark ist, dann erweist sich diese Stärke besonders an den Gräbern jener Menschen, die uns lieb und teuer waren. Dort stehen diese Kreuze mit den „lieben Gott´s“ daran… also mit Jesus, den das Kreuz eben nicht auf Kreuz legte und den das Grab nicht totstellte.

Aber auch über all unsere Lebenswirklichkeiten spannt sich dieser besondere „Muskel-Mann“ aus, auf den ich in meinem Leben setze. In vielen Kindergärten und Schulen, in denen es darum geht, einen guten Weg in das Leben zu nehmen. In unseren Krankenhäusern in denen Menschen darauf hoffen gesund zu werden. In unseren Hospizen, in denen Menschen oftmals schwer lernen müssen, das Leben auch loszulassen.

„Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht!“, so ist das Motto eines alten Ordens, dem Karthäuserorden. Was für ein toller Spruch. Dieses Kreuz, an dem ein geschundener und getöteter Körper prangt, ist nicht schön zu reden. Es ist das Bildnis des Scheiterns, der Niederlage, des absoluten Nullpunktes. „Nichts geht mehr“, so könnte jeder meinen, der auf diese Darstellung schaut.

Ich selber muss zugeben, hatte nie eine sonderliche Beziehung zu diesen Kreuzbildnissen. Vielmehr mag ich Osterbilder, auf denen Jesus bereits triumphiert. In strahlenden gelb-orangen Farbtönen präsentiert sich ein Erlöser, der seinen Namen auch verdient. Die Siegesfahne in der Hand, stellt er in Siegerpose sein Bein fast spöttisch auf die Grabplatte. Das tut gut und macht Mut… mir zumindest.

Vielleicht musste erst mein Sohn kommen, um mir mit seinem kindlichen Blick diese Perspektive auf Jesus zu schenken. Dass unser Gott auch im Scheitern nicht kraft-los daherkommt, das finde ich jetzt einmal mehr tröstlicher.

Ich habe übrigens später noch das ein oder andere Mal mit meinem Sohn über diese Beobachtung gesprochen. Er sagte mir dann, dass doch alle Helden Muskeln haben. Und wer Muskeln hat, der kann „ungeheuerliches“. Auch das, so denke ich, ist sowas von richtig und ich bin ihm, dem 5-jährigen Dreikäsehoch, sehr dankbar, dass er in dieser Sache sowas wie mein Glaubenspate war. Als er mir das an einem Abend mal erklärte sagte er: „Ja… der liebe Gott hat Muskeln. Ich mag den lieben Gott! Netter Kerl!“ und summte sich in den Schlaf.

Hoffentlich werde ich nicht schlauer. Das wäre was!

Aus Kevelaer grüßt Sie Bastian Rütten.

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