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Kirche in WDR 3 | 22.10.2021 | 07:50 Uhr

Menschenwürde

Guten Morgen!

Sie sind über tausend. Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos. In einer Lagerhalle werden sie untergebracht. Im Flüchtlingslager Pagani. Ausgelegt ist die Halle nur für 300 Personen. Unter katastrophalen Bedingungen zusammengepfercht auf engstem Raum sitzen die Menschen dort fest. 160 geflüchtete Jugendliche und Kinder werden in einem einzigen Raum mit einer einzigen Toilette festgehalten.

Das war 2009. Heute ist das genau zwölf Jahre her, dass der damals gerade neu ins Amt gekommene stellvertretende griechische Sicherheitsminister Spiros Vougias das Flüchtlingslager Pagani besucht. Er ist erschüttert und kann kaum glauben, was er in seinem eigenen Land sieht. Er vergleicht die Situation im Lager mit der Hölle wie der Philosoph Dante sie beschreibt. Doch der Minister ist nicht nur betroffen, sondern er handelt: Er lässt das Flüchtlingslager schließen und bittet die Flüchtlinge um Verzeihung. Das ist die einzig angemessene menschliche Reaktion auf diese unmenschlichen Zustände.

Ich wünschte mir, mehr Verantwortliche würden reagieren wie dieser griechische Minister vor zwölf Jahren. Doch leider hat sein Verhalten nicht Schule gemacht. Die Lage hat sich bis heute nicht sonderlich geändert oder gar verbessert. Die Lager heißen nur anders.

Da war das Lager Lipa in Bosnien: Viele haben die Bilder aus dem vergangen Winter noch in Erinnerung. Nach einem Brand lebten Flüchtlinge im Winter in Eiseskälte im Wald. Vielen hat man bis heute keine Unterkunft zugewiesen. Und auf Lesbos gibt es heute das Lager Kara Tepe. Wieder leben dort dreimal so viele Menschen, wie das Lager eigentlich fassen kann. Die hygienischen Umstände sind erneut katastrophal. Es gibt nur zwei Mahlzeiten am Tag. Oft bestehen die Mahlzeiten aus verdorbenen ungenießbaren Lebensmitteln.

Menschen fliehen aus Kriegsgebieten vor Verfolgung, Gefangennahme, Folter und Tod. Und anstatt in Europa Schutz zu erhalten, sind sie in Lagern weiterhin Angst, Enge, Kälte, sogar Hunger und Gewalt ausgesetzt. Und sie haben nichts von dem, was uns so selbstverständlich ist, wie funktionierende Toiletten, Waschmöglichkeiten, trockene und warme Unterkünfte, Strom oder warmes Essen. Immer wieder wird berichtet, dass Kinder sich selbst verletzen oder von Selbsttötung reden, um der Hölle zu entkommen.

Dieser Umgang mit Menschen auf der Flucht und Fremden tritt die Menschenwürde mit Füßen.

Die Bibel ist da sehr eindeutig: Fremden soll besonderer Schutz zukommen. Gott selbst, so wird es immer wieder erzählt, steht auf der Seite der Fremden und Flüchtlinge, hat ein Herz für sie. Kein biblisches Gebot wird so oft betont, wie das Gebot, Fremde nicht zu unterdrücken und sich ihrer anzunehmen. Da lese ich zum Beispiel: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrängen; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid.“ (1)

Das hängt auch mit den eigenen Fremdheitserfahrungen des Volkes Israel zusammen. Gott sagt: Ihr wisst doch, was es bedeutet, in der Fremde zu leben; ihr wisst wie es sich anfühlt. Ihr kennt die Sorgen und Ängste, die einen beschleichen, die Not, die das Fremdsein mit sich bringen kann. Das soll euer Handeln bestimmen. – Ich bin überzeugt: Geflüchtete brauchen auch heute unsere Solidarität und unser tätiges Mitgefühl.

 

Es grüßt Sie Ihr Dietmar Arends, Landessuperintendent aus Detmold.


Quellen:

(1) 2. Mose 23,9 Lutherbibel 2017.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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