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Kirche in WDR 3 | 22.11.2021 | 07:50 Uhr

Ausgleichende Gerechtigkeit

Ich stehe vor dem Löwengehege im Wuppertaler Zoo. Eine sehr große Anlage. Ich muss eine Weile über die Besucherbrücke gehen, bis ich das Rudel Löwen entdecke. Auch wenn die Löwen schlafen: Ich habe großen Respekt vor ihnen.

An diesen Besuch im Zoo von Wuppertal muss ich denken, als ich kürzlich das Buch Daniel in der Bibel gelesen habe. Ich frage mich: Wie ist das dem Daniel gelungen? Ich meine: Er wird in eine Löwengrube geworfen. Die Geschichte ist ja ziemlich spektakulär: Daniel lebt in Verbannung in einem fremden Land. Weil er dort zum Gott Israels betet, wird er beim König angeschwärzt und zu Löwen in eine Grube geworfen. Männer wälzen einen Stein vor die Öffnung. Doch als der König am nächsten Morgen zur Grube kommt, findet er Daniel lebend vor und sogar: unverletzt (vgl. Dan 6,2-29).

Unter dem Eindruck der Wuppertaler Zoolöwen habe ich die Geschichte erst einmal wörtlich genommen. Und ich fragte mich: Diesem Daniel soll wirklich kein Haar gekrümmt worden sein? Und ich dachte mir: Vielleicht hat sich Daniel ganz ruhig verhalten oder ist in der Grube einfach auf einen hohen Baum geflüchtet und hat solange oben in der Baumkrone gehockt, bis der König ihn wieder aus der Grube herauslässt. Vielleicht. Die Bibel begründet Daniels Rettung mit einem Engel: Gott habe sein Gebet erhört und ihm, Daniel, einen Engel geschickt.

Ob wahr oder nicht – die Frage wird bei der Daniel-Erzählung keiner klären können. Aber worum geht es? Für mich ist die Löwengrube ein Bild für die Rettung aus der Todesgefahr. Daniel und sein Volk leben in einer Krisenzeit. In der Verbannung. Und die Situation wird von Herrscher zur Herrscher dramatischer. Die Untertanen sehen in Daniel und seinen Leuten aus dem fremden Volk eine Bedrohung, weil sie Gott mehr verehren als den Herrscher. Und diese Herrscher richten Menschen auf brutalste Art und Weise hin. Ohne mit der Wimper zu zucken. Die Menschen fühlen sich ständig bedroht. Daniel und seine Glaubensfreunde haben große Schwierigkeiten, ihren Glauben an den Gott Israels zu leben. Doch Daniel bleibt seinem Gott treu. Er betet in der Todesgefahr zu ihm und wird durch einen Engel gerettet.

Das Buch Daniel entsteht in einer Zeit, da die Juden massiv bedroht sind. Es ist eine Zeit von Krisen und Katastrophen. Die Menschen fragen sich: Wird Gott uns retten? Wie lange dauert es noch? Gibt es überhaupt einen Gott? Und gibt es eine Hoffnung für die Menschen, die zu kurz gekommen sind, die getötet wurden? Gibt es für sie Gerechtigkeit?

All das sind Fragen, die viele von uns heute auch stellen angesichts von rund 95.000 Corona-Toten, angesichts von Kindern, die vor Hunger sterben, von Politikern, die skrupellos die grünen Lungen unserer Erde vernichten. Viele Menschen werden mutlos. Für manch einen ist das Grund genug, den Kopf in den Sand zu stecken, so als ob wir allem hilflos ausgeliefert wären und nichts tun könnten.

Das Buch Daniel beschreibt schonungslos die Krise der damaligen Zeit. Aber die Autoren stellen Konflikte und Katastrophen in den größeren Kontext der Geschichte hinein. Sie räumen ein: Ja, es gibt Leid, Bedrohung und Ungerechtigkeit in der Welt. Es gibt Menschen, die getötet werden. Aber: das Buch Daniel zieht daraus die folgende Konsequenz: Deshalb muss es eine größere Gerechtigkeit geben. Die Menschen, die in der Vergangenheit umgebracht wurden, sie müssen nach ihrem Tod eine ausgleichende Gerechtigkeit erfahren. Es muss also eine Auferstehung der Toten geben. Die kann es aber nur geben, wenn jemand da ist, der Macht über Leben und Tod hat: Und das ist für sie Gott.

Was mir am Buch Daniel so gefällt, ist, dass es bei allen Katastrophen keine Weltuntergangsstimmung verbreitet. Das Buch ist voll von Hoffnung. Die Botschaft des Buches macht auch heute Mut: Niemand ist auf Dauer verloren. Es wird eine größere Gerechtigkeit geben, auch jenseits der Lebensgrenze.

Einen hoffnungsfrohen Start in die Woche, das wünsche ich Ihnen! Ihre Eva-Maria Will aus Köln.

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