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Kirche in WDR 3 | 26.11.2021 | 07:50 Uhr

Adventsreise nach innen

Weihnachtsmärkte im Lichterglanz: Diese Zeitungsanzeige eines Reiseunternehmens wirbt für Adventsreisen zu Weihnachtsmärkten in Städte innerhalb Deutschlands. Die Bilder wirken einladend. Aber es fällt mir schwer mir vorzustellen, von einem Weihnachtsmarkt zum anderen zu reisen.

Eigentlich finde ich es schön, mich im Advent auf den Weg zu machen und einen besonderen Ort aufzusuchen. Und da liegt das Gute oft so nah. Ich lebe beispielsweise in Köln. Dort gibt es einen besonders schönen Weihnachtsmarkt, der am Fuße des Kölner Domes gelegen ist. Die einzelnen Hütten reihen sich im Schatten der Domkirche aneinander. Vom großen Tannenbaum in der Mitte des Marktes gehen Lichterketten sternförmig auseinander und breiten sich über den Hütten aus. Damit steht der ganze Markt unter einem Stern. Vielleicht ist es etwas weit hergeholt, jetzt an den Stern von Betlehem zu denken, dem die Sterndeuter gefolgt sind, um den neu geborenen Königssohn zu suchen (vgl. Mt 2,1-12). Diese sternförmige Lichterkette schafft jedenfalls eine Verbindung zum Kölner Dom. Denn hier steht ja der goldene Schrein mit den Gebeinen der Sterndeuter. Also mit deren sterblichen Überresten. Die werden seit vielen Jahrhunderten als die der Heiligen Drei Könige verehrt. Und seither kommen Menschen aus der ganzen Welt, um den Dom und diesen goldenen Reliquienschrein mit den Gebeinen zu sehen.

Warum also nicht einmal ein paar Schritte weiter in diesen Dom hineingehen? Wenn ich auf dem Weihnachtsmarkt an den Hütten und den Auslagen vorbeigebummelt bin und meine Currywurst gegessen habe.

Also gehe ich an dem Mann vom Sicherheitsdienst und der Domschweizerin vorbei. Ich gehe durch die Glastür am Hauptportal und – betrete eine andere Welt. Meine Augen gleiten an den Pfeilern hinauf bis unter das Gewölbe. Mir fällt die Kinnlade herunter und ich staune: Wie konnten Menschen im Mittelalter diese „Säulen der Erde“ errichten, eine so gewaltige Kathedrale bauen? Ohne die ganze Technik, die wir heute zur Verfügung haben? Und was hat sie angetrieben, eine so große Kirche zu bauen – die Stadt und Land überragt?

Mir gehen Fragen durch den Kopf, und ich suche mir einen Platz im Dom. Ich sitze schweigend da. Weitere Fragen beschäftigen mich: An was haben die Menschen damals geglaubt? Der Dom wird schließlich auch Gotteshaus genannt. Nicht, weil Gott darin wohnt, sondern weil Menschen, die sich Christen nennen, sich in der Kirche versammeln, um gemeinsam Gott zu danken und zu loben. Oder ihm ihr Herz auszuschütten und ihn um Hilfe zu bitten. Ich schaue mich um. Es gehen einige Menschen bedächtig an mir vorüber. Andere zünden eine Kerze an und stellen sie zu dem Lichtermeer auf dem Kerzenständer vor der Marienfigur. Wieder Andere sitzen wie ich in den Bänken. Was glauben diese Menschen heute? Worauf hoffen sie? Was erwarten sie von Gott? Oder erwarten sie gar nichts mehr?

Je länger ich in der Bank sitze, desto mehr versinke ich in mir selber. Die Reise nach innen beginnt. Was glaube ich eigentlich? Wenn ich im Dom sitze, dann merke ich, wie klein ich bin im Vergleich zum Kölner Dom. Ich bin eben ein Mensch, ein Wesen, das sich nicht selbst gemacht hat. Ich verdanke mich vielmehr einer größeren Macht, die in den Religionen dieser Welt meist Gott genannt wird. Und dieser Gott hat mir den Lebensatem eingehaucht. Von Gott habe ich Gaben und Talente erhalten, mit denen ich arbeiten kann. Kein Grund also, um sich klein zu fühlen oder den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: Mit meinem Kopf und mit meinen Händen kann ich arbeiten und etwas bewirken. Ich kann viel erreichen, für mich selbst, aber auch für andere. Ich kann meinem Leben einen Sinn geben.

Nach einer Weile beende ich meine kurze Adventsreise nach innen. Wenn ich jetzt aus dem Dom komme, freue ich mich, den Weihnachtsmarkt zu sehen – mit seiner Lichterkette, die strahlt wie ein Stern.

Kommen Sie gut durch den Advent, Ihre Eva-Maria Will aus Köln!

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