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Kirche in WDR 3 | 02.11.2021 | 07:50 Uhr

Heilig heilig heilig

Guten Morgen.

Gestern war Allerheiligen. Katholischer Feiertag. Ich bin evangelisch; ich hatte frei. Manche sagen ja, die Evangelischen haben keine Heiligen. Stimmt aber nicht. Überhaupt:

Was ist eigentlich heilig? Der Bimbam und der Strohsack, weiß Volkes Mund.

Und wenn man andere Wörter für „heilig“ googelt, findet man: ehrwürdig, sakral, über jede Kritik erhaben, sakrosankt, weihevoll, steif, ernst...

Das ist alles nicht unbedingt schmeichelhaft. Heilig genannt zu werden, das kann zur großen Ehre, aber auch zum großen Spott gereichen.

 

Völlig unverkrampft schreibt der Apostel Paulus dagegen seine Briefe „an alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen“. Heilig sind für ihn alle, die getauft sind, alle – die glaubensstarken, die unsicheren, die nervigen und auch die bisweilen scheinheiligen.

Was macht den Heiligen heilig? Paulus sagt es so: „In Christus seid ihr ein neues Geschöpf. Also stellt euch nicht dieser Weltordnung gleich“. Seid keine stromlinienförmigen Anpasser. Heilig heißt widerständig sein.

 

Wenn man sich ein paar der berühmten Heiligen anschaut, dann waren sie ziemlich von der Rolle, sprich: Sie sind aus der Rolle gefallen und haben ihren vermeintlichen Lebensauftrag verraten. Nehmen wir die Heilige Elisabeth von Thüringen. Sie war eine ungarische Prinzessin und deutsche Landgräfin. Und hat sich in den Augen ihres Gatten nicht standesgemäß verhalten. Sie geht immer von der Wartburg nach Eisenach runter und bringt den Armen Brot. Als ihr missbilligender Gatte den Korb kontrolliert, verwandelt sich das Brot im Korb von Elisabeth in Rosen.

Doch das ist nicht alles: Elisabeth nimmt einen Leprakranken mit nach Hause und legt ihn ins heimische Ehebett und pflegt ihn.

 

Oder nehmen wir Franz von Assisi. Ein Rebell. Einmal ist er in Rom von einem Kardinal zu einer erlesenen Gesellschaft und opulentem Festessen eingeladen. Franz verlässt die Tafel, geht mit seinem Bettelsack in das Armenquartier und startet eine Kollekte. Hier bekommt er einen Knust Brot, da einen Knochen mit Fleischresten und dort einen Strunk angefaultes Gemüse. Er packt alles in einen Sack, marschiert zurück an den Tisch des Kardinals, stellt die Gaben der Armen in die Mitte und verteilt sie unter den Prälaten und Fürsten. Er tischt ihnen buchstäblich die zum Himmel stinkende Armut draußen auf.

 

Das ist heilig!

Es gibt keine Menschen, die eine angeborene Heiligkeit haben, die sie abhebt von den mittelmäßigen, den ganz normalen Menschen. Franziskus, Elisabeth oder Tante Paula aus Posemuckel sind heilig, weil in ihnen göttliche Widerständigkeit aufblitzt, bei manchen vielleicht in einem einzigen Moment ihres Lebens. Das muss gar nichts Spektakuläres sein. Das kann für die meisten unsichtbar sein, und nur ein Mensch erfährt es: Das, was der Franz, die Lisa oder die Paula da gemacht hat, das war heilig. Es hat mich geheilt. Die Gemeinschaft der Heiligen ist kein elitärer Club der großen Namen. Sie ist Gemeinschaft der kleinen und großen Menschenliebhaber, die - auch wenn es anderen stinkt -, der Gleichgültigkeit widerstehen.

 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Silke Niemeyer aus Münster.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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