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Kirche in WDR 3 | 03.11.2021 | 07:50 Uhr

Alles Liebe – alles?

Guten Morgen.

Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles, steht in der Bibel.

 

Ja, die Liebe erträgt, glaubt, hofft und duldet alle möglichen Lieblosigkeiten. Im Garten der Liebe duften nicht nur Maiglöcken, recken sich rote Rosen, läuten die Glockenblumen. Da stechen auch die Disteln, da müffeln Stinkmorcheln und da winden sich Kletten und Schlingpflanzen. Die Liebe hört im unwegsamen Gelände nicht auf, sie fängt dort erst wirklich an. Es ist ja ein großer Irrtum zu meinen, die Liebe sei am Ende, wenn der andere ärgert, langweilt, schweigt, schreit, lügt, betrügt... kurz gesagt, wenn er einfach unerträglich ist. Die Liebe erträgt so viel, dass die anderen bisweilen fragen: Warum machst du das mit? So viel, dass man manchmal glaubt, sich dafür schämen zu müssen, was man alles aushält, aus Liebe.

 

Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles.

Wirklich?

Darf sie das?

Muss sie nicht irgendwann sagen: Schluss. Nicht alles!

 

Da ist ein schöner Garten. Da ist eine Mutter, die überlässt ihren Sohn dort ihrem Lebensgefährten, damit der ihn mit anderen zusammen vergewaltigt. Weil sie Angst hat, den Mann zu verlieren. Sagt sie. Nur darum habe sie das alles geduldet. Sie ist eifersüchtig auf ihren Sohn gewesen. Warum? Sie sagt: Mein Sohn hat mehr Liebe von meinem Lebensgefährten bekommen als ich. Ja, sie nennt es Liebe, was der Mann mit ihrem Sohn macht. Und der Junge? Der ist traurig, dass sein Peiniger im Gefängnis ist. Er hängt an ihm. Trotz allem.

 

Mir wird schlecht, wenn ich das lese. Man möchte verrückt werden darüber, dass bei diesen entsetzlichen Verbrechen von Liebe die Rede ist.

Wie kann das sein?

 

Die Liebe packt uns bei unserer tiefsten Bedürftigkeit. Wer überhaupt nicht geliebt wird, wird nicht selten verrückt oder Verbrecher oder krank. Jedes Kind braucht Zuwendung, Berührung, Aufmerksamkeit... Liebe eben. Lebensnotwendig. Und darum ist jeder Mensch von Geburt an so anfällig, wenn es um Liebe geht. Anfällig auch für Liebe, die in Wirklichkeit gar keine Liebe ist, sondern ihr trügerisches Bild, ihre Perversion. Anfällig wie ein Verdurstender, der vergiftetes Wasser trinkt, wenn er keine andere Quelle findet. So ist es mit Menschen, die nach Liebe dürsten, auch manchmal. Sie verwechseln Missbrauch mit Gebrauchtwerden. Sie verwechseln Ausbeutung mit Anerkennung. Sie verwechseln brutale Gewalt mit wilder Leidenschaft.

 

Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles. Das Leben geht aber nicht auf in Alles oder Nichts. Alles-oder-nichts-Sätze sind darum trügerisch und gefährlich. Der großartige biblische Satz kann zum Gift werden. Die Liebe darf nicht alles ertragen. Das meint der Satz auch nicht.

Es gibt keinen Königsweg beim Lieben. Gefährlich wird es, wenn man so viel erträgt, dass man sich selbst nicht mehr recht lieben kann, wenn im Garten der Liebe kein Kraut mehr wächst, das die Selbstachtung nährt. Und eines weiß ich ganz gewiss. Niemals ist Liebe dies: ein Kind benutzen, Sex erzwingen und Abhängigkeit missbrauchen. Niemals.

 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Silke Niemeyer aus Münster.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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