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Choralandacht | 12.02.2022 | 07:50 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

"Er weckt mich alle Morgen" (eg 452)

Musik 1: Choral, Strophe 1

Er weckt mich alle Morgen (eg 452), Interpret: Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes, Dirigent: Horst Krüger; Komponist: Rudolf Zöbeley, Text: Jochen Klepper; Verlag Singende Gemeinde; LC: 00064


Sprecherin (overvoice): Er weckt mich alle Morgen, Er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit Seinem Worte
begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist Er mir nah und spricht.


Autorin: Morgens flüstere ich ihnen gerne ins Ohr. An die kleinen Öhrchen komme ich ganz gut dran. Meine Kinder sind Seitenschläfer. Ein schöner Moment ist das, wenn ich mich über sie beuge und leise in ihr Ohr flüstere. Ein „Guten Morgen“, ein Kosewort, eine kleine Verheißung für den Tag. „Guten Morgen, mein kleiner Schlafbär, heute wird ein schöner Tag!“ - Und dann kommt Bewegung in das kleine Menschlein, Hände und Füße strecken sich dem Tag entgegen und manchmal breitet sich ein Lächeln über das Gesicht.


Musik 2 (Orgel): Er weckt mich alle Morgen, Orgelimprovisation

Komponist: Albert Behrends, Solist: Albert Behrends; Verlag: edition chrismon; LC: 16005


Autorin: Wie sind Sie wohl heute wachgeworden? Sind Sie von einem schönen Gedanken geweckt worden? Mit Musik? Hat es vielleicht schon nach Kaffee gerochen, als Sie die Augen aufgeschlagen haben? Ist der Tag Ihnen entgegengekommen wie ein Versprechen? Und könnte – die Frage ist vielleicht ein wenig aufdringlich – nicht Gott selbst zu finden sein in diesem neuen Morgen?


Manche sind heute vielleicht nur zögerlich wach geworden. Bedrückt von Sorge. Verfolgt von unruhigen Träumen. Dann wirft der Tag schon Schatten, bevor das Licht überhaupt zu sehen ist. Und manchmal ist schon der erste Schluck Kaffee einfach nur bitter.

Müsste Gott sich nicht gerade an einem solchen Morgen hören und sehen lassen? Jedenfalls gäbe es Grund genug, nach ihm zu fragen und ihn zu suchen.


Musik 1: Choral, Strophe 2


Sprecherin (overvoice):

Er spricht wie an dem Tage, da Er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als Sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.


Autorin: Jochen Klepper trifft im Anbruch des neuen Morgens auf Gott und traut sich, den neuen Morgen als Gotteserfahrung persönlich zu nehmen. Diese Erfahrung hat er in einem Gedicht festgehalten. Aufgeschrieben am 12. April 1938 erhält es den Titel „Morgenlied“ und wird noch im selben Jahr von Klepper in dem Gedichtband „Kyrie. Geistliche Lieder“(1)

veröffentlicht. Dem Gedicht vorangestellt sind Verse aus dem Buch des Propheten Jesaja:


Sprecherin: „Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre wie ein Jünger. Der Herr hat mir das Ohr geöffnet; und ich bin nicht ungehorsam und gehe nicht zurück. Denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht.“ (Jesaja 50,4ff. Lutherübersetzung)


Autorin: In seinen Tagebucheintragungen hält Klepper darüber hinaus fest:


Sprecher: „Weicher, glänzender Tag. Meine kleinen Osterbesorgungen für Mutter, Frau und Töchter. In unserem alten Garten in der Seestraße blühen die alten Kirschbäume so schön. […] Ich schrieb heute ein Morgenlied über Jesaja 50…, die Worte, die mir den ganzen Tag nicht aus dem Ohr gegangen waren.“


Musik 2 (Orgel): Er weckt mich alle Morgen, Orgelimprovisation


Autorin: Jochen Klepper ist ein Ohrenmensch. Als Schriftsteller und Radiomacher hat er einen Sinn für Worte. Als Pfarrerssohn und ehemaliger Student der evangelischen Theologie hat er einen besonderen Sinn für biblische Texte, das Wort Gottes.

Und sein offenes Ohr für die Sätze aus Jesaja 50 geben seinem Morgenlied, entstanden an einem glänzenden Frühlingstag im Jahr 1939 eine dunkle Tiefgründigkeit.

Jede Strophe unseres Liedes kreist um das von Gott gesprochene Wort.

Mit Gottes Wort „begrüßt“ der Dichter das neue Licht, hell will es strahlen, „wie dunkel auch der Tag“. Gottes Wort „der ewigen Treue“ hört der Dichter, „wie ein Jünger hört“, von Gottes Wort ist er „umhüllt“, nur in Gottes Wort findet er sein Glück.“

„Alles Schreiben soll in und zu der heiligen Schrift weisen.“(2) schreibt Jochen Klepper in sein Tagebuch am 27. Juli 1937.

Und es ist das Wort Gottes, die biblischen Texte, die Kleppers Tage und Nächte erhellen.

Denn wenn auch der 12. April 1938 ein „weicher, glänzender“ Frühlingstag gewesen sein mag; es sind dunkle Zeiten für Jochen Klepper und seine jüdische Ehefrau und deren Töchter aus erster Ehe.

Sie nicht zu gefährden und doch gleichzeitig seiner kritischen Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime eine Stimme zu geben, darauf kommt es ihm an.

Geweckt werden und Wachsein haben für ihn eine geistliche Dimension. Das Festhalten an Gottes Wort ist seine Kraftquelle. An guten Tagen, die weich und glänzend daher kommen. Aber auch an dunklen Tagen, die jeder Verheißung beraubt zu sein scheinen. Gerade dann entfaltet das Wort Gottes seine Kraft wie ein Licht in der Dunkelheit.


Musik 1: Choral, Strophe 5


Sprecherin (overvoice)

Er will mich früh umhüllen mit Seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen,
damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag.
Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.


Autorin: Ich glaube das. Gott gibt mir sein Wort. Verspricht: „Ich bin da.“ So wie jeden Morgen das Licht die Dunkelheit vertreibt. Im Winter bin ich meist schon aufgestanden, sitze schon am Frühstückstisch, wenn gegen halb neun die Sonne aufgeht. Manchmal trete ich dann kurz raus auf die Terrasse, den Kaffee noch in der Hand. Für einen Moment bin ich getaucht in das Licht eines neuen Morgens, umhüllt von Gottes Verheißung. Und dieser Moment ist mein Schutz, später, wenn der Tag seine Schatten wirft. Wenn die Ängste kommen, die Müdigkeit, die Sorge um die Zukunft, das Gefühl nicht zu genügen. Wenn der Tag seine Schatten wirft, dann stehe ich da und nehme das Licht des Morgens für mich in Anspruch und Gottes Zusage sehr persönlich. Gott gibt mir sein Wort. Er verspricht: „Ich bin da.“


Musik 2: (Orgel): Er weckt mich alle Morgen, Orgelimprovisation



Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth




Quellen:

(1) Jochen Klepper: Kyrie. Geistliche Lieder, Luther-Verlag Bielefeld 1950, Seite 9.

(2) Jochen Klepper: Unter dem Schatten deiner Flügel. Aus den Tagebüchern der Jahre 1932-1942, Brunnenverlag 2005, 3. Auflage.

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