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Kirche in WDR 3 | 03.03.2022 | 07:50 Uhr

Brot gegen den Tod

Liebe Hörerinnen und Hörer.

Der Oscarpreisträger Volker Schlöndorff erzählt diese wahre Geschichte in seinem ergreifenden Film „Der 9. Tag“. Sie beginnt in der Hölle des KZs Dachau. Der Lagerkommandant befiehlt den Gefangenen Henri Kremer zu sich. „Du bist Priester aus Luxemburg, richtig?“ fragt der gefürchtete SS-Mann. „Jawoll Herr Kommandant“, antwortet die ausgemergelte Gestalt. „Nun, dann habe ich ein Angebot für Dich: ich entlasse Dich für neun Tage in die Freiheit. Du hast drei Möglichkeiten diese Zeit zu nutzen. Du kannst versuchen zu fliehen. Dann wird jeder Zehnte aus Deinem Block erschossen. Oder Du kehrst mit einem Brief Deines Bischofs zurück, in dem Dieser versichert, mit der nationalsozialistischen Besatzung zu kooperieren. In diesem Fall werden wir Dir und Deinen Kameraden die Gnade erweisen eure Essensrationen zu verdoppeln. Du kannst natürlich auch mit leeren Händen zurückkehren, was allerdings eine Verminderung eurer Nahrung zur Folge haben wird. Überlege klug was Du tust.“ Grinsend entlässt der SS-Scherge den Gefangenen in das diabolische Experiment. Henri Kermer kehrt tatsächlich nach neun Tagen zurück, und in seinen Händen hält er – Nichts.

Schnitt. Die nächste Szene des Films zeigt das Innere der Gefangenenbaracke. Im diffusen Licht der Mondnacht sieht man die Insassen, wie sie in einer Ecke den Zurückgekehrten umringen. Wollen sie Rache nehmen, dafür, dass sie nun noch weniger Essen bekommen? Verdenken könnte man es ihnen nicht. Die Kamera fährt näher und tatsächlich; in der Mitte der Elenden hockt, dicht umdrängt Henri Kremer. Allerdings sind seine Hände jetzt nicht leer, sondern sie umfassen ein Stück jenes verschimmelten Brotes was man den Gefangenen, wie Schweinen, täglich in die Baracke kippt. Und dann hört man den Priester flüstern: „Hoc est enim corpus meum.“ „Das ist mein Leib.“ – Henri Kremer, der gefangene Priester feiert mit seinen Gefährten die heilige Messe.

Und selbst dem atheistischsten Zuschauer wird klar, dass diese Feier für die kleine Schar der Verdammten kein kindlich-naives Zauberritual ist, sondern Trost, Halt, Hoffnung wider alle Hoffnungslosigkeit. Es ist so, als ob sich in diesem Augenblick trotz rasendem körperlichen Hungers, mitten in der Hölle von Dachau, ein Stück Himmel öffnet. Ich glaube, dies ist das innerste Wesen von Religion und Kirche. Dass wir spüren, dass die Dunkelheiten, die Grausamkeiten und Abgründe dieser Welt nicht das letzte Wort haben. Und ich bin überzeugt: In solchen Augenblicken sind wir frei.

Ein Nachtrag sei mir erlaubt. Wenn das Amt des Priesters nicht auf Männer beschränkt wäre, könnte diese wahre Geschichte auch im KZ der Frauen stattgefunden haben. Durch das Festhalten der Kirche an der bisherigen Ordnung aber eben nicht. Und das finde ich schlimm. Denn wenn die heilige Messe so überaus wichtig ist, dann müsste die Kirche auch den Weg frei machen, dass sie auch zukünftig noch in unserem Land gefeiert werden kann.

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