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Kirche in WDR 3 | 04.03.2022 | 07:50 Uhr

Sich tragen lassen - statt kämpfen

Liebe Hörerinnen und Hörer.

Elke Heidenreich hat ihr Leben lang gekämpft. In ihrer Kindheit um die Liebe ihrer verbitterten Mutter. Zitat: „Weihnachten wird bei uns nicht gefeiert. Das ist christlicher Unsinn.“ Dann kämpfte sie mit dem Schicksal, um zu ertragen, dass der geliebte Vater die Familie verließ. Schließlich um Ihre Ehen, und das Ertragen, dass sie scheiterten. Unvergessen ihr letzter medialer Kampf mit Marcel Reich-Ranitzki. Und – ein Leben lang: Der Kampf mit den Dämonen der Schwermut und der Melancholie. In Ihrem autobiographisch gefärbten Büchlein: „Alles kein Zufall“[1] erzählt sie, wie sie, wieder einmal mit verschatteter Seele, allein nach Paris fuhr. Dort betrat sie die Kirche Saint Sulpice in der Rue Palatine und wurde sofort eingenommen von dem großen Bild von Eugen Delacroix: „Kampf des Engels mit Jakob am Jabbok“. Die dargestellte Erzählung gehört zu den faszinierendsten und rätselhaftesten Geschichten des sogenannten Alten Testaments (Gen 32,23-33): Jakob trifft am Fluss Jabbok auf ein Wesen. Er weiß zunächst nicht, wer es ist, der da mit ihm kämpft: Ist es ein Engel, ein Dämon oder gar Gott selbst? Dort ringt er mit ihm, die ganze Nacht und lässt ihn nicht los, obwohl er im Kampf schon schwer an der Hüfte verletzt wird. Schließlich ruft Jakob aus: „Ich lass Dich nicht, bis Du mich segnest!“ Und tatsächlich, Jakob, der verletzte Kämpfer bekommt den Segen. Seitdem heißt er Israel – das bedeutet: „Ringen mit Gott.“

Elke Heidenreich schreibt dann in ihrem Büchlein etwas sehr Bemerkenswertes. Zitat: „Ich bemerkte beim Betrachten des Meisterwerkes etwas Eigenartiges. Die rätselhafte Gestalt ringt zwar mit Jakob, aber eigentlich trägt sie ihn mehr, als dass sie mit ihm kämpft.“ Und dann spricht sie den Satz aus, der sie wie eine Erlösung im Innersten berührt: „Jetzt ist es gut Elke, – nicht mehr kämpfen, – nur noch tragen lassen!“

Ist das nicht ein großartiger Gedanke! Mir geht der Satz nicht mehr aus dem Kopf, gerade wenn ich die Lagerkämpfe in unserer Gesellschaft betrachte. Nicht, dass sie unnötig wären – im Gegenteil. Aber diese Verbissenheit! Diese spalterische Gewalt! Ich würde am liebsten fortwährend rufen. „Warum dieser apokalyptische Ton? Warum dieser oft verbitterte Ernst? Denkt an das Bild von Delacroix! Wir sind doch getragen!“ Oder, wie es Papst Johannes XXIII., Giuseppe Roncalli oft zu seinem Sekretär sagte: „Warum all die Gedanken und Ängste mein Freund? CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!“


[1] Alle Zitate aus: Elke Heidenreich, Alles kein Zufall, FISCHER Taschenbuch; 4. Edition (24. August 2017).

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