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Choralandacht | 09.04.2022 | 07:50 Uhr

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"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" eg 01

Musik 1: Chor und Bläser

Titel: „Macht hoch die Tür“; Text: Georg Weissel; Melodie: unbekannt; Interpreten: Calmus Ensemble Leipzig und die Leipziger Blechbläsersolisten; Leitung: Rudolf Mauersberger; Album: Weihnacht | Calmus Ensemble und Leipziger Blechbläsersolisten; Label: Querstand; LC: 03722.

 

1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;

es kommt der Herr der Herrlichkeit,

ein König aller Königreich,

ein Heiland aller Welt zugleich,

der Heil und Leben mit sich bringt;

derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott,

mein Schöpfer reich von Rat.

 

Autor (overvoice): Das wohl bekannteste deutsche Adventslied jetzt, zur Passionszeit? Ja. Zunächst, weil wir in unseren Kirchen morgen den Palmsonntag feiern. Dabei geht es um die Ankunft Jesu in Jerusalem. Die Hauptstadt Israels ist das Ziel und steht am Ende seines Weges. Davon berichten alle vier Evangelien. Und vor allem der Evangelist Matthäus erzählt, dass es eine sehr große Menschenmenge ist, die Jesus von Nazareth am Straßenrand erwartet. Für Viele ist er ein Hoffnungsträger, eine Lichtgestalt. Sogar die Befreiung von der Unterdrückung durch die Römer erwarten manche von ihm. Ob er der Messias ist, auf dessen Kommen Menschen im jüdischen Land seit Jahrhunderten warten? Mit Worten aus Psalm 24 haben sie von Generation zu Generation ausgedrückt, wie sie ihn erwarten wollen, den König, der endlich ein Reich aus Gerechtigkeit und Freiheit errichten wird:

 

Sprecherin: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig im Streit“.

 

Autor: Und nun soll er also kommen, dieser Rabbi, von dem erzählt wird, dass er Kranke heilt, dass er Hungrige satt und Arme reich macht. Sogar Tote soll er wieder ins Leben gerufen haben. Das muss er doch sein, der längst erwartete Messias! Um sich seine Ankunft nicht entgehen zu lassen, stehen die Menschen in Scharen vor den Toren Jerusalems. Viele halten Palmzweige in den Händen. Und als er endlich kommt, winken sie ihm zu, pflastern seinen Weg mit ihren Kleidern und jubeln: „Hosianna. Hosianna dem Sohn Davids“.

 

Musik 2: Instrumental Praeambel (Orgel)

Instrumentalensemble Rhein-Ruhr; Leitung: Frobeen, Martin; WDR-Eigenproduktion; LC: Z2323; Archiv-Nr. 6148906101.001.001

 

Autor: Szenenwechsel – hin in unsere Gegenwart und zu einem unfassbar brutalen Einzug. Vor wenigen Wochen erst, am 24. Februar, begann die Welt, den Atem anzuhalten. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte über seine Propagandamaschine behaupten lassen, als Befreier in die Ukraine einzumarschieren. Was folgte, war eine brutale militärische Invasion, die entsetzliches Leid brachte. Zuvor wundervolle Städte wurden in Schutt und Asche gelegt. Millionen Ukrainer, vor allem Frauen und Kinder, flüchteten in benachbarte Länder vor dem Bombenhagel. Und das Blut so vieler ziviler und militärischer Opfer schreit längst zum Himmel. Sollte Putin je erwartet haben, als Lichtgestalt von der Bevölkerung begeistert empfangen zu werden, wurde ihm der erbitterte Widerstand der ukrainischen Bevölkerung zu einer bitteren Lehre. Sie hat ihn und sein Land weltweit auf Dauer schwer beschädigt. Denn kein einziges Tor und keine Tür wurde freiwillig für ihn geöffnet. Im Gegenteil: Hinter jedem Eingang in der Ukraine lauerte der Tod - für die angreifenden Soldaten genauso wie für die bis zum letzten Atemzug entschlossenen Verteidiger.

 

Musik 2: Instrumental Praeambel (Orgel)

 

Sprecherin (overvoice): Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

 

Autor: Gegensätzlicher könnten die beiden Szenen im Abstand von 2.000 Jahren nicht sein, die ich heute gegenüberstelle: Der Einzug Jesu in Jerusalem, an den die christlichen Kirchen am Palmsonntag erinnern. Und der Sturm russischer Truppen auf Mariupol, Charkiv oder Butcha, der uns mit entsetzlichen Bildern ganz frisch vor Augen steht.

 

Und dann ist da noch der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj, mutig, entschlossen und kampfbereit. Es mag sein, dass sich vor rund 2.000 Jahren mancher jüdische Freiheitskämpfer das Auftreten Jesu ungefähr so gewünscht hätte. Schließlich wird der Messias als König erwartet, mächtig im Streit. Mit ein paar Pferden und Kampfwagen hätte man darum bei Jesus doch zumindest rechnen können. Und dann diese Absage an jede Form von Gewalt: Er kommt, ganz ohne Korso. Und er reitet auf einem Tier, das vor allem für Sanftmut steht. Nicht einmal einen Sattel trägt der Esel. Mit Kleidungsstücken auf dem Rücken des Tieres sorgen Freunde für ein Minimum an Komfort.

 

Ich bin überzeugt davon, dass Jesus seinerzeit zahlreiche Menschen und ihre Erwartung irritiert hat. Wie will denn dieser „König“, unterwegs mit weniger als einer Pferdestärke, den römischen Machthabern die Stirn bieten? Immerhin, ein paar Bibelkundige werden sich erinnert haben, dass von einem solchen Einzug schon beim Propheten Sacharja zu lesen war:

 

Sprecherin: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel“ (Sach 9,9)

 

Musik 3: Choral, Strophe 2

Titel: „Macht hoch die Tür“; Text: Georg Weissel; Melodie: unbekannt; Interpreten: Wilhelmshavener Vokalensemble; Leitung: Ralf Popken; Album: Es ist ein Ros entsprungen; Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus Hamburg; Label: Edition Chrismon; LC: 16005.

 

2. Er ist gerecht, ein Helfer wert;

Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,

sein Königskron ist Heiligkeit,

sein Zepter ist Barmherzigkeit;

all unsre Not zum End er bringt,

derhalben jauchzt, mit Freuden singt:

Gelobet sei mein Gott,

mein Heiland groß von Tat.

 

Autor: Der Text eines unserer bekanntesten Adventslieder verheißt nicht allein die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Er bezieht sich auch auf den Einzug Jesu in Jerusalem. Und der erwartete König kommt. Aber er führt kein Zeichen weltlicher Macht mit sich. Es gibt auch kein Geschwader, das ihn eskortiert. Dieser König ist sanftmütig, wie das Tier, das er reitet. Seine Botschaft zielt nicht auf militärische Erfolge, vielmehr soll das Reich Gottes wachsen, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen und es allen wohlergeht.

 

Musik 4: Bläser
Instrumentalensemble Rhein-Ruhr; Leitung: Frobeen, Martin; WDR-Eigenproduktion; LC: Z2323; Archiv-Nr. 6148906101.001.001

 

Sprecherin (overvoice):

O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

 

Autor (overvoice): Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Es folgen die Tage, an denen sich die Christenheit an den Leidensweg und das Sterben Jesu erinnert; an den Eselsreiter, dem so Viele zujubeln, ehe sie sich von ihm abwenden. An den, der noch sanftmütig bleibt, als er verraten, verspottet und gefoltert wird, bis zu seinem Tod am Kreuz. Diesen Weg bis hin ans Kreuz verstehen Christen als Zeichen der äußersten Hingabe, als Ausdruck grenzenloser Liebe und Zuwendung.

 

Musik 4: Bläser


Autor (overvoive): Erschüttert vom Leid der Menschen in der Ukraine habe ich in dieser Andacht zwei Einzüge gegenübergestellt, die gegensätzlicher nicht sein können. In Momenten voller Verzweiflung über so viele unschuldige Opfer haben mich Worte Jesu gehalten, die ich oft wiederholt habe:

 

Sprecherin (overvoive):

Selig seid ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer.

Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr sollt satt werden.

Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. (Lukas 6, 20 b ff)

 

Autor (overvoive): Und in Augenblicken von Ohnmacht angesichts des Krieges haben mich verheißungsvolle Sätze von Mahatma Gandhi aufgerichtet, dem großen indischen Vorbild für gewaltlosen Widerstand.

 

Sprecherin (overvoive): Und wenn ich verzweifle, dann erinnere ich mich, dass durch alle Zeiten in der Geschichte der Menschheit die Wahrheit und die Liebe immer gewonnen haben. Es gab Tyrannen und Mörder und eine Zeit lang schienen sie unbesiegbar, doch am Ende scheiterten sie immer. Denke daran – immer.

 

Musik 4: Bläser (freistehend)

 


Quellen:

1. Sacharja 9,9, - Revidierte Lutherbibel, 2017

2. Lukas 6, 20b – Revidierte Lutherbibel, 2017

3. Mahatma Gandhi, https://www.deinemenschenrechte.de/voices-for-human-rights/mahatma-gandhi.html, (zuletzt abgerufen am: 06.04.22)

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

 

 

 

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