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Kirche in WDR 3 | 29.03.2022 | 07:50 Uhr

Gott trägt das Volk

Eine Freundin, die über das „Tragen“ nachdachte schrieb mir neulich:

Sprecherin: „Wieviele Stunden habe ich meine Kinder getragen. Zusammengenommen werden es Tage, vielleicht Wochen meiner Lebenszeit sein! Tröstend, beruhigend, fröhlich auf Ausflügen, vielleicht manchmal überdrüssig und missmutig. Und dann gehört andererseits das Loslassen dazu, wenn die Kinder auf eigenen Beinen stehen wollen“

. Wie lange müssen Kinder getragen werden, bis sie auf eigenen Beinen stehen können. Für die ganz Kleinen ist es das Selbstverständlichste der Welt, sich von Mutter oder Vater herumtragen zu lassen. Welche Intimität kommt da zum Ausdruck, wenn das Kind ins Tragetuch vor den Bauch kommt! Und wie mühsam ist es manchmal auch, immer das Kind dabeizuhaben, das Kindergewicht im Kreuz zu spüren und nicht mal eben von hier nach da zu laufen, oder sich schnell umzudrehen…da ist ja immer noch das getragene Kind. ,

Und was mich an diesem Wortfeld des „Tragens“ und der Verbindung zum Großwerden von Kindern so fasziniert: Es
gibt in der Bibel Stellen, wo Gott genau so von sich selbst spricht. Mitten in der vierzigjährigen Wüstenwanderung ruft Gott seinem Volk zu: „Ihr habt gesehen, was ich mit Ägypten getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln und euch zu mir gebracht habe“ (Ex
19,4). Auch hier wird, jetzt aus der Naturbeobachtung, ein Bild von der liebevollen Aufzucht des Nachwuchses verwendet. In der Antike dachte man, dass der Adler seine Jungen auf seinen Flügeln trägt. Gott lädt sich sein Volk auf. Bemerkenswert ist auch die gewissermaßen doppelte Anwesenheit Gottes. So steht im Buch Exodus: „Ich habe euch getragen – und ich habe euch zu mir gebracht“. Das heißt: Gott ist der, der trägt und begleitet, und zugleich ist er das Ziel. Gott trägt Israel zur Begegnung mit sich – und damit beginnt für Israel ein neues Leben (C. Dohmen). Das ist ein tröstliches Gottesbild für Zeiten des Suchens und des Unterwegsseins. Vielleicht trägt Gott – und ich weiß es gar nicht. Oder ich merke es erst, wenn ich an ein Ziel gelangt bin.

Wie auch immer: Wenn man sich einmal so abgeschleppt hat wie Gott mit seinem Volk, dann bleibt eine Beziehung, die nicht einfach aufgekündigt werden kann. Zumindest Gott sieht das so. Im Buch Jesaja ruft er seinem Volk zu:


Sprecherin: „Hört auf mich, Haus Jakob, und der ganze Überrest des Hauses Israel, die ihr mir aufgeladen seid vom Mutterschoß an; die ihr von mir getragen seid vom Mutterleib an. Und bis zum Greisenalter und bis zum grauen Haar: Ich bin es, ich trage euch. Ich, ich habe es getan, und ich, ich hebe euch, ich, ich schleppe euch, und ich, ich rette euch“. (Jes 46,3-4).


Noch stärker kann sich Gott gar nicht einbringen. Mit ungeheurer Eindringlichkeit, dem ständig wiederholten „Ich“, zeigt Gott sein Innerstes. So redet kein Souverän, so redet ein verletzliches Individuum, das um keinen Preis das Risiko eingehen will, dass es überhört wird. Dazu passt auch die Rolle, in der Gott sich vorstellt. Gott als Mutter. Man kann das Sprachbild so deuten, dass Gott ab der Geburt seines Volkes die „Trägerschaft“ übernimmt. Aber im Grunde sieht Gott sich auch schon als Mutter, die das Volk geboren hat. Und ihre Mutterschaft hat keine Grenze, selbst bis zum Alter ihrer Kinder hört sie nicht auf. Wir kennen es aus unserer Erfahrung: Eine Mutter bleibt immer eine Mutter, auch wenn ihre Kinder schon alt und grau geworden sind. Gott steigert das: eine alt gewordene Mutter kann ihre Kinder weiterhin begleiten, aber nicht mehr (physisch) tragen. Gott tut es; sie bleibt stark und unveränderlich sich treu, selbst wenn ihre Kinder alt und gebrechlich geworden sein werden. Was für eine tröstliche Aussicht: Gott schleppt ihr Volk wie eine Mutter!

Lassen Sie sich heute tragen! Ihr Egbert Ballhorn aus Dortmund.

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