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Kirche in WDR 3 | 11.04.2022 | 07:50 Uhr

Schlag ins Gesicht

  

Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Ein furchtbarer Schlag ins Gesicht, mitten hinein. Ich ducke mich weg, sinke ein bisschen tiefer in den Sessel. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob da nicht auch ein Zahn aus dem Kiefer brach. Die Szene übergroß vor mir. Kinoleinwandgröße. Alles nur 2D, aber eben doch erschreckend real.

18 Jahre ist es schon her, dass ich die „Passion Christi“ von Mel Gibson im Kino gesehen habe. Und, nein, ich mag diesen Film nicht – wie auch? Zu viel Gewaltdarstellung für mich, willkürliche Bibelauslegung, Inszenierung von Judenhass – ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen und aufhören soll. Aber der Film hat sich trotzdem in meine Erinnerung eingegraben, insbesondere der Schlag ins Gesicht.

In der biblischen Passionsgeschichte wird das so berichtet: Jesus spricht da vor dem Hohepriester, sicher etwas provokant oder trotzig, sagt aber nichts Falsches. Daraufhin der Schlag ins Gesicht durch eine Tempelwache. „Wie kannst du dem Hohenpriester so antworten?“ Daraufhin Jesus: „Wenn ich etwas Unrechtes gesagt habe, dann weise mir nach, dass es Unrecht ist. Wenn ich aber im Recht bin – warum schlägst du mich?“

Diese Szene ist typisch für Macht gegen Recht. Die eine Seite hat Recht, die andere die Macht, dieses Recht niederzuschreien, zu unterdrücken, ins Gesicht zu schlagen. Als Kinozuschauer wünsche ich mir jetzt tief im Innern eigentlich Folgendes: Jesus schüttelt sich nach dem Schlag, schaut dem Tempeldiener fest ins Gesicht und streckt ihn dann mit einem einzigen Fausthieb nieder. Und dann nimmt er sich den Hohepriester und die anderen vor…

Aber die Geschichte ist längst geschrieben. Es gibt keinen Fausthieb, nicht einmal ein Rütteln an den Fesseln. Jesus hat wohl gewusst, dass das keinen Sinn gehabt hätte. Niemals hätte ihn seine hasenfüßige Anhängerschaft da herausholen können. Und noch viel wichtiger: Für das, was ihm wichtig war, hätte sie ihn niemals mit Gewalt da herausholen dürfen. Denn dann hätten sie ja wie der brutale Soldat gehandelt. Macht und Gewalt dürfen aber nicht über der Wahrheit stehen. Jesus hat gewusst: Es hilft nur die Wahrheit zu sagen und allen Versuchen, die Wahrheit zu unterdrücken, zu widerstehen – ohne die Unwahrheit der anderen selbst mit Gewalt zu unterdrücken.

Und auch wenn diese Unterdrückung der Wahrheit schon grausam war: Viel schlimmer dürfte Jesus das getroffen haben, was als Nächstes passiert. Sein enger Vertrauter, Petrus, wird gefragt, ob er nicht einer von Jesu Jüngern sei. Die Antwort ist für den Freund Jesu ebenso peinlich wie heute weltbekannt: „Nein, ich doch nicht!“ Angesichts der Gefahr, in die sich Petrus mit der Wahrheit begeben hätte, sicher eine nachvollziehbare Lüge. Und natürlich lässt sich fragen: Hätte die Wahrheit überhaupt etwas verändert?

Falsche Frage, lässt sich da der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer vernehmen. Die Lüge – so Schopenhauer – sei letzten Endes auch nur eine Form der Gewalt, verletze die Seele der Betrogenen mindestens so sehr wie ein Schlag ins Gesicht. Also der nächste Schlag ins Gesicht. Und dieses Mal von einem Freund.

Petrus hat nicht lange überlegt und seinen Freund, seinen Mentor, seinen Heiland verraten. Den Menschen, der ihm am Wichtigsten im Leben war.

Doch Jesus hat ihm verziehen. Er hat diesem Lügner Petrus verziehen und sich auch gegen seine Gegner nicht mit Gewalt gewehrt. Ich finde das fast unmenschlich, weil es doch zutiefst menschlich ist, sich wehren zu wollen, ja, wehren zu müssen. Gegen Angriffe auf das eigene Leben, gegen Angriffe auf die eigene Ehre. Im Angesicht von Unrecht und Gewalt selbst auf Gewalt zu verzichten ist für mich deshalb ein eigentlich unmöglicher Akt. Ich muss doch mein Land, meine Stadt, meine Familie, mein Leben verteidigen! Das ist doch gut und richtig! Und niemand wird das bestreiten.

Die Wahrheit ist aber auch: Mich zu wehren, mich der Gewalt mit Gewalt zu widersetzen wird die Welt nicht verändern.

Die Logik von Gewalt und Lüge zerbricht erst da, wo ihr jemand mit Gewaltverzicht und Verzeihung entgegentritt. Jesus hat das getan und – kein Wunder – wirkt da irgendwie wie ein Schaf, das eben alles mit sich machen lässt. Das hat man schon zu biblischen Zeiten so gesehen: „… wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde …“. Und gerade deswegen wurde er für Viele zum Erlöser, weil er die Logik der Gewalt außer Kraft setzt,

glaubt Ihr Christoph Buysch aus Krefeld.



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