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Kirche in WDR 3 | 29.04.2022 | 07:50 Uhr

Ich nehme Dich an

Bald beginnt ja der Wonnemonat. Im Mai wurde und wird am meisten geheiratet. Morgen Nachmittag ist in meinem weiteren Familienkreis eine Hochzeit. Franzi und Jan-Philipp heiraten. Und beide haben mich als Priester gebeten, sie zu trauen. Ich habe zugesagt, obwohl ich gestehen muss: Ich taufe eigentlich lieber Kinder als dass ich Paare traue. Warum? Nun, das hängt damit zusammen, dass bei Hochzeiten fast immer sehr überschwänglich und schwärmerisch von Liebe gesprochen wird. Dabei ist es ja schon schwierig genug, überhaupt zu beschreiben, was Liebe eigentlich ist, bevor man sie über alles beschwört. Philosophen, Theologen und auch Naturwissenschaftler haben sich schon daran abgearbeitet, was mit Liebe gemeint ist, ohne letztlich eine eindeutige und umfassende Definition zu geben. Am ehesten können vielleicht Poeten etwas über die Liebe sagen, weswegen es wohl auch so viele Liebeslieder gibt. Dagegen hat für mich bei der Taufe eines Kindes in der Regel die Liebe schon Hand und Fuß angenommen – im wahrsten Sinne des Wortes. So ein Baby ist konkret, realistisch und wenig poetisch.

Dennoch zolle ich jedem Paar einen hohen Respekt, das heiratet und sich sogar kirchlich trauen lässt. Denn es geht ja letztlich um sehr, sehr viel. Und eine Garantie, dass eine Ehe gelingt, die gibt es nicht.

Ich habe Franziska und Jan-Philipp gefragt, wie ich das immer bei den Vorgesprächen zur kirchlichen Trauung tue: Warum wollt ihr denn heiraten und dann sogar kirchlich? Es geht ja auch ohne – auch ohne kirchliche Trauung, dafür leben wir – Gott sei Dank – in einer liberalen Gesellschaft. Wie oft mussten früher Ehen geschlossen werden, weil ein Kind unterwegs war oder man sonst keinen Anspruch auf eine gemeinsame Wohnung hatte. Eine Trauung – weder eine kirchliche noch eine zivilrechtliche – darf unter Zwang geschlossen werden. Die freie Entscheidung beider Partner ist eine wesentliche Voraussetzung für eine kirchliche Eheschließung. Andernfalls ist die Trauung ungültig.

Nicht nur Franziska und Jan-Philipp, sondern fast alle Paare werden etwas verlegen und nachdenklich, wenn sie erklären sollen, warum sie eigentlich kirchlich heiraten wollen. Oft geht es dann um einen göttlichen Beistand. Denn sie erahnen, dass es um mehr geht als nur um eine Gelegenheitsgeschichte. Es geht um eine gegenseitige Zusage, die das ganze Leben betrifft und beide Partner jeweils in ihrem ganzen Wesen angeht. Und da darf man auch schon mal ins Nachdenken und Zögern kommen. Ich versuche dann zu helfen und sage etwas zu der Zusage, die beide Partner bei der Eheschließung einander geben. Es heißt da ganz einfach: „Ich nehme dich an!“ Allerdings ist das eine wesentliche Zusage, denn wer sehnt sich nicht danach, angenommen zu werden, so wie man ist, ohne Bedingungen und Vorleistungen, ohne Wenn und Aber, mit allen Stärken und Schwächen, mit allem Lachen und Weinen, mit all den Liebenswürdigkeiten und den Schrulligkeiten, die jeder Mensch zeigt.

„Ich nehme dich an“ ist eine Antwort auf eine tiefe menschliche Sehnsucht, dass da ein anderer Mensch ist, der zu mir steht.

Und ganz wichtig: Diese Sehnsucht nach Annahme, die will immer wieder gestillt werden. Daher gilt die Zusage auch nicht bloß am Tag der Hochzeit, sondern will immer wieder neu gegeben werden, denn ich sehne mich ja auch immer wieder danach, angenommen zu werden.

Ich weiß natürlich, dass das nicht so einfach ist, immer wieder neu einander zuzusagen: „Ich nehme dich an!“ Immerhin werden sehr viele Ehen auch wieder geschieden. Aber mich stimmt eine Dimension zuversichtlich, die ich den Brautpaaren immer auch sage. Nach christlichem Verständnis ist es zunächst einmal Gott, der jedem Menschen genau diese Zusage macht: „Ich nehme dich an, so wie Du bist, ohne Vorleistungen!“ Und genau weil ich von Gott angenommen bin, darf und kann ich es wagen, auch andere Menschen anzunehmen. Davon bin ich überzeugt. Allen Paaren wünsche ich genau diese Zuversicht.

Ihr Pater Philipp Reichling aus Duisburg

 

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