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Kirche in WDR 3 | 08.06.2022 | 07:50 Uhr

Die Gnade der Scham

Guten Morgen!

Die Worte klingen lange in mir nach: „Lügenmärchen. Schönrederei“. Ein Journalist hatte mit diesen Worten die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche beschrieben. Ein vernichtendes Urteil.

Keine Frage, die aufgedeckten Fälle sexuellen und geistlichen Missbrauchs und alle Vertuschungsbemühungen, um die Institution zu schützen, sind zutiefst beschämend. Es ist erschütternd, dass Männer und Frauen der Kirche ihre geistliche Stellung missbraucht und den ihnen anvertrauten Schutzbefohlenen Gewalt angetan haben.

Ich frage mich: Warum wurde das Leid der Betroffenen geflissentlich übersehen? Wie kann man vom barmherzigen Gott sprechen und an anderen Menschen so entwürdigend schuldig werden? – Da wirkt jedes Schuldeingeständnis unangemessen. Und jeder Versuch, ernsthaft und ehrlich das Versagen des Systems aufzuarbeiten, erscheint leicht als Ablenkungsmanöver.

In einer wütenden Mail schrieb mir ein anderer Journalist:

Wirkliche Buße würde den vermeintlichen ‚Dienern Gottes‘ jetzt guttun. Stattdessen haben Sie noch eine große Fresse […] Leider nichts dazugelernt! Pfui, pfui, pfui“.

Es fällt mir schwer, all die Unmutsäußerungen anzunehmen und auszuhalten, und es macht mich traurig, dass viele mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollen, unabhängig von ihrem persönlichen Glauben. Es sind zu viele, die unter lautem Protest der Kirche den Rücken kehren oder einfach leise auf dem Amtsgericht ihren Austritt einreichen. Mich erinnert das an das alte Klagegebet des Asarja in der Bibel, der wegen seines Glaubens verfolgt wurde:

Sprecher:

Ach, HERR, wir sind geringer geworden als alle Völker. In aller Welt sind wir heute wegen unserer Sünden erniedrigt. Wir kommen mit zerknirschtem Herzen und demütigem Sinn. Überlass uns nicht der Schande, sondern handle an uns nach deiner Milde, nach deinem überreichen Erbarmen!“ (Dan 3,37.42)

Mich hat in diesem Zusammenhang ein Wort beschäftigt, das Papst Franziskus seinem Amtsbruder, dem Münchener Kardinal Marx, geschrieben hat: „Als Kirche müssen wir um die Gnade der Scham bitten.“[1]

Was für ein Wort: „die Gnade der Scham“! Das ist keine billige Rhetorik. Papst Franziskus geht es um das redliche und ernste Sich-Schämen. Denn, so der Papst in einer Predigt: „Um in das Geheimnis der Vergebung einzutreten, müssen wir uns schämen“.[2]

Denn die Reue über das Versagen der Kirche, das Eingeständnis der Schuld ist Voraussetzung für eine Ent-Schuldigung. Es ist der Weg, um Vergebung zu erlangen, die man sich nicht selbst geben, sondern nur von Gott erbitten kann. Vergleichbar dem Asarja in der Bibel und allen Frommen, die sich in ihrer Not immer wieder vertrauensvoll an Gott gewandt und ihm ihr Herz ausgeschüttet haben.

Davon spricht auch der Klagepsalm, den der Limburger Altbischof, Franz Kamphaus, aktuell veröffentlich hat. Es ist das Gebet, mit dem wir Christen uns vertrauensvoll an den wenden, der unbeschadet all der Skandale und Untergangsszenarien auch weiterhin der Herr der Kirche ist. Da heißt es in dem letzten Abschnitt:

Sprecher:

Ach Herr -

lieber Vater:

Schenke uns und

der ganzen Kirche,

dass wir diese Stunde 2022

nicht verjammern,

auch nicht verharmlosen,

nicht vertrödeln, nicht

business as usual machen. […]

Herr,

die Kirche ist vorläufig – und sündig.

Du bist ewig – und heilig.

Lass uns besonnen sein

und wieder glaubwürdig werden.

Denn alles, was der Heilung dient,

ist da - muss nur genutzt

und gelebt werden.

„Wir gehen nicht unter, wir gehen auf -



In Dir.“[3]

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

[1] https://www.sueddeutsche.de/politik/papst-brief-marx-wortlaut-1.5317834.

[2] https://www.vatican.va/content/francesco/de/cotidie/2017/documents/papa-francesco-cotidie_20170321_die-gnade-der-scham.html

[3] https://www.lokalmatador.de/epaper/ausgabe/gosheimer-nachrichten-amtsblatt-der-gemeinde-gosheim-06-2022/?seite=7

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