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Kirche in WDR 3 | 09.06.2022 | 07:50 Uhr

Schritt in die Luft

Guten Morgen!

Vor einiger Zeit fand ich unter meinen abgespeicherten E-Mails im Computer eine Einladung zu einer Priesterweihe, die mich vor Jahren schon bewegt hat. Sonst hätte ich die E-Mail wohl nicht so lange aufgehoben. Schon die Betreffzeile wirkte überraschend: „update upgrade“. Und was dann auf dem Bildschirm erschien, war ebenfalls höchst unkonventionell.

In einer Fotomontage kam mir da auf einer Rolltreppe – belustigend und verstörend zugleich – ein hochbetagter Priester entgegen: in vorkonziliarer Gewandung und mit ernstem und entschlossenem Blick. Begleitet war er von zwei kleinen Ministranten, die sich unbeholfen an ihn schmiegten. Das Ganze vor dem surrealen Hintergrund einer dunklen, leeren Lagerhalle. Darunter ein Schriftzug mit den provozierenden Worten, mit denen Jesus – wie es im Johannesevangelium heißt - seine Jünger vor die Wahl stellt (Joh 6,67): „Und ihr, wollt auch Ihr gehen?“

Und das als Einladung zu einer Priesterweihe?! Das ist bis heute schon sehr ungewöhnlich. Mich jedenfalls macht die Einladung nach wie vor ziemlich nachdenklich, denn die alten Worte Jesu bekommen hier unversehens einen bleibend aktuellen Klang: „Wollt auch ihr gehen?“

In einer Zeit, in der sich viele von der Kirche abwenden und sich der Glaube an Gott in weiten Bereichen verflüchtigt, hat da jemand für sich seine Entscheidung getroffen: nicht zu gehen, sondern zu bleiben; mehr noch: sich mit ganzer Hingabe und Entschiedenheit in den Dienst Gottes zu stellen – in eben dieser Kirche. Ohne Illusionen und ohne falsche Erwartungen.

Unter die provozierende Frage Jesu hatte der Priesterkandidat die Antwort des Petrus gesetzt, die ihm offensichtlich aus dem Herzen sprach: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6,68)

Mich beeindruckt bis heute das Glaubensbekenntnis dieses jungen Mannes von damals, der offensichtlich genau wusste, worauf er sich eingelassen hat. Denn bei allem Ungenügen und Versagen, auch in der Kirche, ist doch die Botschaft Jesu so aktuell wie eh und je: seine Worte, die dem Leben auch heute Richtung und Ziel geben wollen. Denn diese Frage treibt ja auch mich selber um: Wohin sollte ich denn gehen, wenn das Wort Gottes nicht mehr verkündet würde; wenn es keinen gibt, der von der Hoffnung spricht, dass Gott den Menschen nahe ist?

Eine Ahnung davon bekomme ich, wenn ich sehe, wohin es führt, wenn das Böse überhandnimmt. Die Bilder von Butcha und Mariupol stehen mir vor Augen, und ich bin erschüttert, mitansehen zu müssen, wie auch heute dem Reich Gottes Gewalt angetan wird: wenn Städte und Dörfer willkürlich in Schutt und Asche gelegt werden und Millionen Menschen wieder auf der Flucht sind. Wenn Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden und ihre Würde mit Füßen getreten wird. Wie tröstlich ist es da, erleben zu dürfen, dass sich hinter eben jene Worte Jesu und immer wieder Menschen versammeln, die daraus Kraft und Lebensmut schöpfen: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6,68)

Seit der Einladung von damals sind mittlerweile eine Reihe von Jahren vergangen. Jener Weihekandidat von einst ist heute ein gestandener Pastor und Schulseelsorger. Einer, der sehr bewusst unter den veränderten Rahmenbedingungen in und mit der Kirche seinen Weg gegangen ist – und ihn weiter geht.

Nachdem ich zunächst etwas gestutzt hatte, als ich diese Weiheanzeige las, bin ich dankbar, dass mich da jemand daran erinnert, woher mir Heil und Hilfe und Rettung kommt – und nicht nur mir. Und als ob da noch Zweifel bestünden, ob diese Lebensentscheidung für Gottes Weisung die richtige ist, hatte jener Weihekandidat seine eigene Erfahrung mit einem Wort Vers nach der Dichterin Hilde Domin zusammengefasst, Worte voll Mut und Zuversicht:

„Ich tat einen Schritt in die Luft und siehe, sie trägt!“[1]

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

[1] Hilde Domin: Sämtliche Gedichte. Hrsg. v. Nikola Herweg + Melanie Reinhold. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, S. 47: „Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug“.

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