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Kirche in WDR 3 | 22.07.2022 | 07:50 Uhr

Anne - die englische Rose

Kurz nachdem meine Frau und ich vor mittlerweile über zehn Jahren nach Köln gezogen sind, bekamen wir von meinen Schwiegereltern eine englische Zierrose geschenkt. Nun bin ich zwar kein großer Experte, aber ich schätze schon die Blütenpracht mancher Pflanzen und erfreue mich daran mindestens genauso wie die Bienen und anderen Insekten, die im Sommer durch unseren Garten summen.

Wie die meisten Pflanzen, so hat auch unsere Rose einen Namen, der immer noch auf dem Etikett am Stamm zu finden ist: Anne Boleyn – Als ich diesen Namen las, musste ich natürlich sehr schmunzeln, denn das war die zweite Ehefrau von König Heinrich dem Achten von England. Sie hatte keine Lust, einfach nur dessen Mätresse zu sein. Heinrich hatte ja bekanntermaßen viele Frauen und Affären. Doch Anne Boleyn muss ihm etwas bedeutet haben. Für sie ließ er sich von seiner Frau Katharina von Aragon scheiden und wollte Anne heiraten. Aber Rom weigerte sich, die erste Ehe zu annullieren. So kam es zur Trennung der Kirche Englands von Rom und der Entstehung der anglikanischen Kirche.

Eine Rose, die nach einer selbstbewussten Frau benannt ist, die Mitauslöserin einer Kirchenspaltung war, das lässt mich 500 Jahre nach diesen Ereignissen durchaus ab und an schmunzeln, zumal unsere Rose sich in den letzten Jahren durchaus prächtig entwickelt hat. Ich schneide sie immer vor dem Winter kräftig zurück, und sie schlägt im nächsten Frühjahr umso kräftiger wieder aus. Mindestens zweimal pro Saison treibt sie kräftige rosarote Blüten, die wunderbar duften.

Und dann blühte unsere Anne-Boleyn-Rose im vergangenen Jahr erstmals just zu einem für mich denkwürdigen Ereignis. George, ein aus England stammender begnadeter Organist, der hin und wieder auch bei uns in Sankt Aposteln spielt, hatte sich dazu entschieden, von der anglikanischen in die römisch-katholische Kirche überzutreten. Der Tag der Konversion war das Pfingstfest, an welchem er auch wieder im Hochamt die Orgel virtuos zum Klingen brachte. Und just am Samstag vor Pfingsten öffnete sich die erste Knospe unserer englischen Rose im Garten. Das hielt ich natürlich sofort mit meiner Smartphone-Kamera fest und zeigte George vor der Generalprobe dieses Bild. Als ich ihm den Namen Anne Boleyn nannte, musste auch er schmunzeln.

Wenn ich an das ganze Leid denke, was Kirchenspaltungen im Laufe der Jahrhunderte verursacht haben, dann finde ich das Aufgehen der Knospe einer Rose, die den Namen Anne Boleyn trägt, zu einem solchen Ereignis doch sehr bemerkenswert. Es schien mir, als könnte die Zeit die Wunden heilen, die wir uns gegenseitig zugefügt haben, und die verschiedenen Bekenntnisse wieder miteinander versöhnen. Es war jedenfalls ein sehr ergreifendes Pfingstfest im vergangenen Jahr.

Der echten Anne Boleyn erging es übrigens nicht so gut. Auch sie fiel beim englischen König Heinrich VIII. in Ungnade, weil sie ihm keinen männlichen Nachkommen zur Welt gebracht hatte. Sie wurde enthauptet. Ihr folgten noch vier weitere Ehefrauen an der Seite des Königs.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass auch bei uns Wunden, die in früheren Jahren gerissen wurden, mit der Zeit wieder heilen. Die aufgehende Knospe einer Rose kann ein Sinnbild dafür sein. Doch Vorsicht ist geboten: Rosen haben auch Dornen.

Kommen Sie gut in den Tag, wünscht Ihnen Ihr Jan Hendrik Stens aus Köln!

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