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Kirche in WDR 3 | 16.06.2022 | 07:50 Uhr

Das Trennende, was verbindet

Seit Jahrhunderten markiert das heutige Fronleichnamsfest die konfessionellen Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Feiern die Katholiken am heutigen Tag die bleibende Gegenwart Gottes in der Gestalt des Brotes, hielt bereits Martin Luther das Fest für das „allerschädlichste Jahresfest“[1]. Und seine Begründung fiel nicht weniger harsch aus:


Sprecher:

„Ich bin keinem Fest mehr feind als diesem. Denn da tut man alle Schmach dem heiligen Sakrament, dass man's nur zum Schauspiel umträgt und eitel Abgötterei damit treibet.“[2]


Zugegeben, Luther stand unter dem Eindruck des Fronleichnamsfestes im frühen 16. Jahrhundert. Da wurde es mit viel Prunk gefeiert, denn die Menschen erfreuten sich an aufwendigen Inszenierungen. Sie wollten das Brot nicht nur essen, sondern es auch sehen. Und weil es eben nicht ein einfaches Brot war, sondern der Leib des Herrn – mittelhochdeutsch „Fronleichnam“–, war das Kostbarste gerade gut genug. So boten die Katholiken dann zum Fest und zur Prozession das Beste auf: goldene Schaugefäße, prächtige, golddurchwirkte Gewänder, einen Baldachin, der wie ein schützendes Zeltdach über dem Priester getragen wurde, der das Schaugefäß mit dem Brot trug, mit verhüllten Händen versteht sich. Kein Wunder, dass Luther das zu pompös erschien und als vom Wesentlichen ablenkend, denn für ihn war Christus im Brot gegenwärtig ausschließlich beim Abendmahl und dann nicht mehr.

Noch heute spielen diese unterschiedlichen Vorstellungen zwischen den Konfessionen eine Rolle. Dabei liegen die Ursprünge des Fronleichnamsfestes und der Prozession lange vor Luther und der Konfessionsspaltung. So wurde bereits vor etwa 750 Jahren in Köln erstmals in der Gemeinde St. Gereon eine Fronleichnamsprozession abgehalten. Darüber gibt es noch Urkunden. Wohl im Jahr 1264 trug bereits ein Priester von St. Gereon das heilige Brot an der Spitze einer Prozession zur nahegelegenen Kirche St. Christophorus. Laut der Urkunden bestand die Idee dieser Prozession darin, zum einen an das Brot und damit an das Abendmahl Jesu zu erinnern, es zu loben, zu verehren und dafür zu danken. Zum anderen wurde Gottes Hilfe und Schutz vor allem Bösen bei der Prozession erbeten.[3] Und indem die Menschen hinter dem Brot her zogen, zeigten sie einfach, wie wichtig ihnen beides war: Verehrung und Schutz.

Wie gesagt, das ist alles lange her. Und gerade die konfessionellen Gegensätze führten dazu, dass evangelische Christen am Fronleichnamsfest ihre Teppiche ausklopften und Autos wuschen, um die Katholiken zu ärgern. Diese „revanchierten“ sich dann am Karfreitag und machten es ebenso. Alles sehr unschön! Eigentlich ist das auch ziemlicher Kinderkram und letztlich unchristlich! Ich finde dagegen eine ganz andere Entwicklung sehr erfreulich: In vielen katholischen Gemeinden ist es inzwischen üblich, dass zur größeren Feierlichkeit bei der Prozession am Fronleichnamstag Bläsergruppen mitgehen. Und das sind oft evangelische Posaunenchöre. Von denen gibt es allein in Deutschland etwa 6000.[4] Ich weiß leider nicht, wie viele von denen heute wieder dabei sind, wenn die Katholiken durch die Straßen ziehen. Aber das ist doch schon ganz schön verrückt: Fronleichnam, das Fest vom Leib Christi mit der Prozession, das früher die Konfessionen trennte, bringt sie heute zusammen. Und ich sage herzlichen Dank allen Posaunenchören, die heute bei einer Fronleichnamsprozession mitgehen. Denn sie helfen mit, die Fronleichnamsidee in ihrem ganz ursprünglichen Sinne mitzugestalten, ja, heraus zu posaunen: nämlich Gott zu loben und ihn um seinen Schutz zu bitten. Beides ist nach wie vor wichtig, auch heute noch – ganz gleichgültig, welcher Konfession man selbst angehört.

Allen einen gesegneten Feiertag!

Pater Philipp Reichling aus Duisburg


[1] Zitiert nach Susanne Hermanns, Was mochte Luther an Fronleichnam nicht?, https://www.kirche-koeln.de/was-mochte-luther-an-fronleichnam-nicht/

[2] Zitiert nach ebd.

[3] Vgl. Theodor Schnitzler, Die erste Fronleichnamsprozession, https://mthz.ub.uni-muenchen.de/MThZ/article/view/1973H4S352-362/2601

[4] Vgl.: https://www.epid.de/

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