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Kirche in WDR 3 | 04.08.2022 | 07:50 Uhr

Heimat

Es gibt Gespräche, die bleiben einem für immer in Erinnerung – manche, weil sie dem eigenen Lebensweg eine ganz neue Richtung gegeben haben, andere, weil sie so tief berührten, wiederum andere, weil sie eine ganz grundlegende Erkenntnis vermittelt haben, die keine noch so kluge wissenschaftliche Abhandlung so auf den Punkt bringen kann.

Genauso ein Gespräch habe ich vor einigen Jahren mit einem Ehepaar führen dürfen. Ich habe die Eheleute über ein ehrenamtliches Engagement in einer kirchlichen Jugendhilfeeinrichtung kennengelernt. Irgendwann sind beide auf eine monatelange Kreuzfahrt gegangen. Zwischendurch bekam ich immer wieder Fotos per Messenger zugeschickt – aus Australien, Neuseeland und vielen anderen faszinierenden Orten. Und obwohl die Bilder wunderschön waren und ich Freude hatte, mit ihnen die Welt zu sehen, hatte mich zugleich eine Frage bewegt. Und die habe ich der Ehefrau dann auch nach ihrer Rückkehr gestellt. Ich sagte zu ihr: „Ich habe mich riesig mit Ihnen gefreut über die wunderschönen Erlebnisse. Und doch hab ich mich – so wie ich Sie kenne – zwischendurch gefragt, ob Sie auf einer so langen Reise nicht auch heftiges Heimweh geplagt hat.“ Da hat die Frau mich völlig verständnislos angeschaut und aus voller Überzeugung gefragt: „Wieso soll ich Heimweh gehabt haben? Mein Mann war doch bei mir.“

Dieser Satz hat es nicht nur in viele meiner Hochzeitspredigten geschafft – denn er beschreibt auf wunderbare Weise das Geschenk, das Eheleute einander durch Ihre Liebe und das Ehesakrament machen. Dieser Satz hat für mich auch ins Wort gebracht, was für mich ganz persönlich das Herzstück der Botschaft Jesu und meines Glaubens ist. Die Liebe ist der göttliche Funken, den jeder von uns in sich trägt. Und diese Liebe hat die Kraft, dass etwas herauswächst, das viel größer ist als wir selbst. Diese Liebe und diese Zuwendung besitzen die Kraft, einen Raum der Heimat, der Heilung und der Hoffnung für die Menschen zu schaffen, die uns auf unserem Weg begegnen oder mit denen wir leben.

Bei Jesus spüre ich das in jeder Begegnung, die das Evangelium schildert – ganz bis zum Schluss. Selbst noch am Kreuz wagt er diese Zuwendung gegenüber dem Verbrecher, der mit ihm gekreuzigt wird. – Und er schafft ihm Raum zum Leben und zur Heilung: „Noch heute wirst Du mit mir im Paradies sein!“ Eine der wunderbarsten und tröstlichen Stellen der Heiligen Schrift. Damit diese wunderbare und trostreiche Botschaft erfahrbar wird, braucht es keine Kathedralen, keinen riesigen bürokratischen Apparat und auch keine in Purpur gehüllte Hierarchie. Diese wunderbare und berührende Botschaft wird auch eine Kirche überleben, die sich selbst genug ist und deshalb nicht wirklich zu Veränderungen bereit.

Liebe und Zuwendung: Der Seele Heimat geben. Darum geht es. Das Ehepaar von dem ich sprach, hat das in der Jugendhilfeeinrichtung gelebt, wo ich sie kennen gelernt habe. Mit ganz einfachen Mitteln haben sie für die Jugendlichen dort eine Heimat geschaffen, in der diese sich angenommen gefühlt haben. Diese Jugendhilfeeinrichtung – die Kirche mit den eingeschmissenen Fenstern genauso wie das Begegnungscafé - sind mir ganz persönlich heiligere Orte als jede Kathedrale dieser Welt.

Und die Erfahrung solcher Orte wünsche ich auch jedem von Ihnen – in Ihrem ganzen Leben und an diesem Tag. Als etwas, das ihnen geschenkt wird und als etwas, das Sie für andere schaffen!


Aus Steinfurt grüßt sie herzlich

Ihr

Jochen Reidegeld

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