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Kirche in WDR 3 | 06.08.2022 | 07:50 Uhr

Alles wird gut

Die Moderatorin Nina Ruge hat als Moderatorin von „Leute heute“ im ZDF damals jede Sendung mit dem Satz beendet „Alles wird gut“. Und als ich jünger war, da habe ich diese Hoffnung deutlich einfacher zu meiner Hoffnung machen können. In jungen Jahren ist man leichter geneigt zu glauben, dass irgendwie schon alles gut wird und das Leben letztendlich gelingt. Und man glaubt auch noch so einfach gestrickten Weisheiten wie „Der wahre Glaube kennt keine Angst“. Oder ich erinnere mich an eine Geschichte, die im Jugendgottesdienst meiner Heimatpfarrei vorgelesen wurde. Sie erzählt davon, dass sich ein Mann über sein schweres Leid beklagt und Gott ihm deshalb erlaubt, sich das Kreuz seines Lebens selbst auszusuchen. Und natürlich sucht er sich das Kreuz aus, das Gott für ihn vorgesehen hat. Die Quintessenz der Geschichte ist, dass niemand ein schwereres Kreuz erhält als das, welches er tragen kann.

Mich macht diese Geschichte inzwischen fast wütend, weil ich als Seelsorger aber auch in meinem humanitären Engagement die Erfahrung mache, dass Menschen Leid ertragen müssen, das ganz offensichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes „unerträglich“ – nicht zu tragen – ist. Da hilft auch keine fromme Soße.

Wenn ich die Leidensgeschichte mancher Familien erlebe, durchzogen von Unglücksfällen, langjährigen körperlichen oder psychischen Erkrankungen, dann bleibt mir das „Alles wird gut“ im Halse stecken und ich bin als Seelsorger nur noch demütig stumm. Wenn ich im Irak den Menschen begegne, die von einem Tag auf den anderen nicht nur ihre Heimat, sondern auch viele geliebte Menschen verloren haben und nun seit acht Jahren in Zelten ein trostloses Dasein fristen – kann ich dann noch sagen: Du trägst ein Kreuz, das genau für Dich gemacht und nicht zu schwer ist? Ich glaube, die Antwort kann sich jeder selbst geben. Ein „Alles wird gut“, würde hier reichlich zynisch klingen.

Und doch bleibt in meinen Augen mehr übrig als betroffenes oder hilfloses Schweigen. Das zeigt mir der Karfreitag, der christliche Tag des Leidens, an dem auch keiner der Anhängerinnen und Anhänger Jesu gesagt hat: „Alles wird gut“. Viele – gerade die Männer, darunter der Großteil der Apostel – haben das Leid nicht ausgehalten. Sie haben die Flucht ergriffen.
Jedoch hat es Menschen gegeben, die in meinen Augen die einzig angemessene Reaktion angesichts eines unerträglichen Leids gezeigt haben.

Es waren die Frauen und ein einziger Apostel, die am Kreuz ausgeharrt haben. Sie haben Jesus nicht allein gelassen, seine Verzweiflung ausgehalten, seinen Tod und damit auch das Ende aller ihrer Lebenshoffnungen.

Es wird bei weitem nicht alles gut. Aber es gibt einen Weg, in aller Not und aller Unerträglichkeit noch Menschlichkeit aufscheinen zu lassen und Not zu lindern. Nämlich dort, wo ich den Mut habe, den Schmerz, die Verzweiflung und auch die Wut eines leidenden Menschen zu ertragen. Dass ich an seiner oder ihrer Seite bleibe - auch dann, wenn ich die Not nicht beseitigen kann, dann vollbringe ich eines der größten Werke der Nächstenliebe. Ich bin unendlich dankbar, so vielen Menschen begegnet zu sein, die mir das vorgelebt haben – als humanitäre Helfer in allen Erdteilen, aber auch als treue Freundinnen und Freunde in Zeiten eigener Krankheit und Lebensfinsternis.

Alles wird gut? – Das konnten und können auch diese Begleiter nicht sagen. Aber sie zeigen mit ihren Taten: Egal wie es ausgeht, egal, was Du noch alles durchstehen und ertragen musst, Du gehst durch dieses Tal nicht allein. Und wo Du keine Hoffnung hast, versuchen wir, sie für Dich wachzuhalten.

Solche Menschen wünsche ich auch Ihnen – an diesem Tag und auf jedem Schritt Ihres Weges.

Aus Steinfurt grüßt Sie herzlich

Ihr

Jochen Reidegeld

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