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Kirche in WDR 3 | 23.07.2022 | 07:50 Uhr

Liborius - ein europäischer Heiliger

Heilige sind nicht unbedingt Menschen, die immer alles richtig gemacht haben. Aber sie haben in einer bestimmten Situation Überragendes geleistet oder sind zu einem Vorbild geworden, das heute noch wegweisend sein kann. Nicht selten sind sie in der katholischen Kirche dann auch Schutzheilige für bestimmte Personengruppen, Institutionen oder Situationen, in denen sie um Hilfe angerufen werden. Und da hat sich über die Jahrhunderte eine stattliche Anzahl angesammelt. Lange, bevor es das „Zeitzeichen“ im WDR gab, hat die Kirche mit ihrem Heiligenkalender einen besonderen Gedächtnisraum geschaffen. Heute zum Beispiel: Da feiert die Kirche die heilige Birgitta von Schweden. Sie zählt zu den Schutzpatronen Europas. Doch im Rheinland wird heute an einigen Orten ganz anderer Heiliger gedacht. In Düsseldorf feiert man heute den heiligen Apollinaris, der einst Bischof von Ravenna war und heute Patron unserer Landeshauptstadt ist. In Köln hingegen feiert man den Jahrestag der Ankunft der Gebeine der heiligen drei Könige, die seit dem Jahr 1164 im Dom aufbewahrt werden. Wer also heute einen Gottesdienst im Kölner Dom besucht, wird sich vermutlich wundern, wenn mitten im Hochsommer Weihnachtslieder gesungen werden.

Ich möchte aber heute Morgen auf einen Heiligen schauen, der vor allem in der süd- und ostwestfälischen Provinz verehrt wird. Es ist der heilige Liborius. Er war im vierten Jahrhundert Bischof von Le Mans in Frankreich und ein Weggefährte des heiligen Martin von Tours. Die Kirche in Frankreich war damals noch sehr jung, und so haben Martinus und Liborius damals seelsorgerische Pionierarbeit geleistet. Als die Kirche 500 Jahre später in Sachsen, dem heutigen Westfalen, in einer ganz ähnlichen Situation war, erbat man sich etwas „Entwicklungshilfe“ in der Mission der wohl etwas dickköpfigen Westfalen. So erhielt Paderborn, damals noch ein sehr junges Bistum, im Jahr 836 die Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans und beide Städte schlossen einen „Liebesbund ewiger Bruderschaft“, die wohl älteste Städtepartnerschaft Europas.

Jetzt kann man gewiss die Frage stellen, was denn dieser Heiligenkult soll, warum man Knochen in der Gegend herumschleppt, sie in kostbare goldene Behälter steckt und in Kirchen ausstellt. Sicherlich gab es im Verlauf der Kirchengeschichte einige Auswüchse der Reliquienverehrung, die aus heutiger Sicht mehr als befremden. Aber wie bei Apollinaris und den heiligen drei Königen geht es beim heiligen Liborius um das, was dahintersteckt. Heilige genügen nicht sich selbst. Sie weisen auf etwas Größeres hin und bewirken dadurch, dass dieses Größere stärker zur Geltung kommt.

In Paderborn ist es eine Städtepartnerschaft, die nun fast 1200 Jahre andauert, die Kriege und Ideologien wie die Erbfeindlehre überstanden hat und das Band von Menschen in Städten zweier unterschiedlicher Länder fest zusammenhält. Als Paderborn nach dem Dreißigjährigen Krieg wirtschaftlich wie auch kirchlich am Abgrund stand, soll es der Hilfe aus Le Mans zu verdanken gewesen sein, dass Bistum und Region wieder auf die Beine kamen. 150 Jahre später suchten Katholiken aus Le Mans in Paderborn Zuflucht vor der Gewalt einer aus dem Ruder gelaufenen Revolution. Es war ein Priester des Erzbistums Paderborn, Franz Stock, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem von ihm gegründeten „Stacheldrahtseminar“ für Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen einsetzte. Sie alle haben aus einem Geist gehandelt, der auf der Verehrung eines Heiligen fußt, über dessen Biografie wir in der Tat nicht viel wissen. Aber das ist bei anderen Heiligen wie Nikolaus von Myra auch nicht anders. Sie alle stehen für menschliches Handeln und haben uns seit vielen Jahrhunderten immer wieder angespornt, Grenzen in unseren Köpfen zu überwinden.

Was aus der Verehrung des heiligen Liborius heute geworden ist, das kann man ab heute eine ganze Woche lang in Paderborn erleben, wenn diese ostwestfälische Provinzstadt einmal im Jahr über sich hinauswächst und zur internationalen Gastgeberin wird.

Für mich ist der heilige Liborius daher auch so ein Schutzpatron Europas, der Völker und Nationen in guten wie in schlechten Zeiten zusammenstehen lässt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Ausklang der Woche. Ihr Jan Hendrik Stens aus Köln!

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