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Choralandacht | 19.11.2022 | 07:50 Uhr

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„Such, wer da will, ein ander Ziel“ eg 346

Musik (Choral, Strophe 1):Titel: Such, wer da will, ein ander Ziel; Text: Georg Weissel; Musik: Johann Stobäus; Interpret: Bachchor Gütersloh; Leitung: Sigmund Bothmann; WDR-Eigenproduktion 2017; WDR-Archivnr.: 6999814744101.


Sprecherin (Overvoice):Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden;
mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen.
Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu überwinden.


Autor:Der Choral „Such, wer da will, ein ander Ziel“ gehört zu den Klassikern im Evangelischen Gesangbuch, in unseren Kirchen wird er oft und gern gesungen. Es geht darum, sich im Glauben zu vergewissern.

Die Geschichte des Liedes beginnt mit einer Hochzeit. Der Königsberger Domkantor Johann Stobäus vertonte 1613 ein Gedicht für ein Brautpaar. In Königsberg blühte die sogenannte Kasualdichtung. Bei jedem erdenklichen Anlass wurden Gedichte vorgetragen. Man kondolierte zum Trauerfall oder gratulierte zur Hochzeit mit ein paar Versen. Zehn Jahre später schrieb der Theologe Georg Weissel ein ganz anderes Festgedicht zu dieser Musik – nämlich eines zu seiner eigenen Einführung als Pfarrer an der Altroßgärtner Kirche. Das

Evangelium des Sonntags war die Frage Johannes des Täufers, wer dieser Jesus von Nazareth sei.


Sprecher:Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?


Autor:
So ließ Johannes seine Jünger fragen.


Sprecher:Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt. (Mt 11,3-5)


Autor:
Ist dieser Jesus der Messias, der Retter? Soll man ihm folgen? „Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen“ – für Georg Weissel ist die Sache klar. Er verbindet seine Amtseinführung als Pfarrer mit diesem Evangelium und formuliert ein Bekenntnis: Christus allein ist der Maßstab. Kein ander Ziel, das noch zu suchen, und kein anderer Retter, der noch zu finden wäre.


Musik (Choral, Strophe 2):


Sprecherin (overvoice):Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.


Autor:
Einen inneren Kompass zu haben, ist gut. An bestimmten Werten festzuhalten, kann eine Art Navigationshilfe sein. Welche Werte versuche ich, in meiner Familie vorzuleben? Gelingt das? Wonach entscheide ich, welchen politischen Angeboten ich traue? Bewährt es sich? „Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben“, dichtet Georg Weissel. Es gibt viele Angebote. Und oft steckt nichts dahinter. Zurzeit sind rechtpopulistische Kreise in Europa wieder stark. In Italien regiert mit Giorgia Meloni zum ersten Mal eine Ministerpräsidentin mit neofaschistischen Wurzeln. In Deutschland wählen wieder mehr Menschen AfD, eine Partei, die in weiten Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, weil sie offen rechtsextreme Positionen vertritt. Am rechten Rand wird es oft seltsam religiös: „Save Amerika“ war Donald Trumps Wahlkampfmotto bei den Kongresswahlen im November. „Rettet Amerika“? Nein, für Rettung ist jemand ganz anderes zuständig.

Andere Zeiten, andere Fragen: Unser Textdichter hatte vor 400 Jahren wahrscheinlich die Heiligen vor Augen, die in der römisch-katholischen Kirche angerufen werden. Der Lutheraner denkt allein an Christus. Der kann helfen, keiner sonst. Bei ihm, bei Jesus Christus, ist das Heil zu finden. Da wird das Leben ganz. Alles andere: ein Irrweg.


Musik (Choral, Strophe 3):


Sprecherin (Strophe 3, overvoice):Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.


Autor:
Ich stelle mir vor, wie diese Liedstrophe im November 1934 gesungen wurde. Wie klang das in einer Kirche, die mit den Hakenkreuzfahnen der Nazis ausgekleidet war, und wo der Pfarrer die Predigt mit „Heil Hitler!“ beendete? Wie klangen dieselben Worte in einer Gemeinde der Bekennenden Kirche, in der Widerstand organisiert wurde? Jesus Christus ist Herr, keiner sonst kann euch Heil versprechen. Fromme Worte entfalteten plötzlich politische Kraft. Die bekennende Kirche formulierte damals auf ihrer Synode in Barmen:


Sprecher:Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.


Autor:
Das alles wirkt plötzlich aktuell. Die Mitte der Gesellschaft, die heute Mitte 50jährigen – angekommen in Beruf und Familie, die persönlichen Ziele längst erreicht – viele ziehen sich zurück ins Private. Da sind so viele Krisen: der Krieg in der Ukraine, die Energieversorgung, die Inflation, das Klima. Was ist noch sicher? Da bleiben wir lieber unter uns, in den eigenen vier Wänden, in der eigenen Familie, im eigenen Freundeskreis. Facebook teilt mit, Jan sei gestern Abend zwölf Kilometer gelaufen oder Birgitt habe erfolgreich am Basiskurs Achtsamkeit teilgenommen. Gemeinsame Aufreger sind vielleicht noch die Fußball-WM in Katar oder ob man den Gasanbieter gewechselt hat. Man verabredet sich zum Essen. Da geht es eigentlich nur noch um die Frage, wer den Salat mitbringt und wer den Nachtisch.

Das wird in Zukunft nicht reichen. Denn es treten weiterhin Akteure auf, die Heil versprechen, einfache Lösungen. Die plötzlich ganz allein bestimmen wollen, was wahr ist oder falsch, wer dazugehört und wer nicht, welche Religion genehm ist und welche Hautfarbe.


Georg Weissel konnte nicht ahnen, welche Wirkung seine Verse zu anderen Zeiten entfalten. In der letzten Strophe wird er persönlich. Wenn die Zeiten rau sind, wenn sich um mich herum so viel verändert, dann muss ich mich ja auf Gottes Nähe verlassen können. „Wend von dir nicht dein Angesicht, lass mich im Kreuz nicht zagen“, dichtet er und bittet Gott: „weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen“. Georg Weissel hat erlebt: Wenn ich Gott so an meiner Seite weiß, dann fühle ich mich gestärkt und getragen, ganz gleich, was kommt. Dann kann ich leben und entscheiden.


Musik (Choral, Strophe 5):


5. Wend von mir nicht dein Angesicht, lass mich im Kreuz nicht zagen;

weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen.

Hilf mir zur Freud nach diesem Leid; hilf, dass ich mag nach dieser Klag

dort ewig dir Lob sagen.


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