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Kirche in WDR 3 | 02.01.2023 | 07:50 Uhr

Papst Benedikt und die Schönheit des Glaubens

Papst Benedikt XVI. ist tot. Und wie jeder Mensch hat er Licht und Schatten ins Leben geworfen. Ich will allerdings nicht vom Schatten sprechen, sondern nach dem alten Prinzip handeln: „De mortuis nil nisi bene.“ „Über die Toten soll man nur gut sprechen.“

Mit Papst Benedikt starb ein großer Theologe des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Ich sehe ihn noch, wie er 2005 nach einem kurzen Konklave als neuer Papst auf der Loggia des Petersdomes erschien. Er wirkte etwas unbeholfen. Mit ausgestreckten Armen und nach vorne geöffneten Händen winkte er den Menschen zu, die ihn jubelnd begrüßten.

Plötzlich stand dieser offensichtlich schüchterne Mann im Zentrum der katholischen Öffentlichkeit. All die Jahre zuvor, so scheint mir, arbeitete er sich als Leiter der Glaubenskongregation an den theologischen Rändern ab: Was gehört noch zum katholischen Glauben, was nicht? Er hatte sich einen Ruf als „Hüter des Katholischen“ erworben. Nun aber agierte er nicht mehr am Rand, sondern aus der Mitte des katholischen Glaubens heraus. Und er machte dies fast an jedem Mittwoch bei seinen Audienzen. Ich habe mich mit den Audienzen beschäftigt. Sie sind eine Auseinandersetzung mit dem Reichtum der katholischen Glaubenstradition.

Was stand dabei im Zentrum? Papst Benedikt wollte mit einfacher Sprache die „Schönheit des Glaubens“ vermitteln, wie er es nannte. So sagte er bei einer dieser vielen Audienzen auf dem Petersplatz:

„Der Weg der Schönheit (ist) ein bevorzugter und faszinierender Weg …, um sich dem Glauben zu nähern. Was ist die Schönheit, … wenn nicht der Widerschein des Glanzes des ewigen Wortes, das Fleisch geworden ist?“[1]

Für Benedikt war alles Schöne ein Verweis auf Gott, der in Jesus Mensch geworden ist. Diese Fleischwerdung Gottes ist für ihn die alles verändernde Bewegung: Gott kommt auf die Menschen zu und das verändert den Menschen.

Dann dreht Benedikt quasi die Perspektive um und fragt: Wohin gelangt aber der Mensch letztendlich? Bei einer anderen Generalaudienz gibt er darauf eine Antwort:

„Am Ende werden wir für immer beim Herrn sein. Das ist jenseits aller Bilder die wesentliche Botschaft: Unsere Zukunft ist das Beim-Herrn-Sein.“ [2]

Und er fügte mit Blick auf seine Zuhörer hinzu:

„Als Gläubige sind wir bereits in unserem Leben beim Herrn; unsere Zukunft, das ewige Leben, hat schon begonnen.“[3]

Wenn man so will, ist das Papst Benedikts „theologische Relativitätstheorie“: Denn Raum und Zeit werden relativ für den, der an Gott glaubt. Und was das bedeutet, das beschrieb der Papst bei einer Audienz am Gedenktag Allerseelen, an dem die katholische Kirche der Toten gedenkt:

„Der Mensch braucht Ewigkeit, und jede andere Hoffnung ist für ihn zu kurz, zu begrenzt. Der Mensch lässt sich nur erklären, wenn es eine Liebe gibt, die jede Isolierung überwindet, auch die des Todes, in einer Ganzheit, die auch Raum und Zeit übersteigt.“


Für Benedikt ist die Liebe das, was die Grenzen von Leben und Tod, Raum und Zeit überwindet.

Natürlich wusste er von der Angst vor dem Tod, der den Menschen bedrückt wie die Finsternis der Nacht. Aber genau hier scheint seine tiefste Hoffnung und Glaubensüberzeugung auf. So sagt er bei derselben Audienz:

„Christus trägt uns durch die Nacht des Todes, durch die er selbst hindurchgegangen ist; er ist der gute Hirt, dessen Führung man sich ohne jegliche Angst anvertrauen kann, denn er kennt den Weg gut, auch durch die Finsternis hindurch.“[4]

Papst Benedikt wollte damit den Menschen Mut machen, nicht an ihrem Schicksal zu verzweifeln. Bei seiner letzten Generalaudienz formulierte er dann eine Bitte, die wie ein Vermächtnis klingt:

„Möge in unserem Herzen, im Herzen eines jeden von uns immer die frohe Gewissheit herrschen, dass der Herr uns zur Seite steht, uns nicht verlässt, uns nahe ist und uns mit seiner Liebe umfängt.“[5]

Ich wünsche Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, dass er jetzt von der Liebe und Schönheit Gottes umfangen ist, die er im Leben ersehnt und verkündet hat.

Möge er leben in Frieden. Pater Philipp Reichling, Hamborn


[1] Generalaudienz Mittwoch, 18.11.2009, http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2009/documents/hf_ben-xvi_aud_20091118.html.

[2] Generalaudienz Mittwoch, 12.11.2008, http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2008/documents/hf_ben-xvi_aud_20081112.html.

[3] Generalaudienz Mittwoch, 12.11.2008, http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2008/documents/hf_ben-xvi_aud_20081112.html.

[4] Generalaudienz Mittwoch, 2.11.2011, http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2011/documents/hf_ben-xvi_aud_20111102.html.

[5] Letzte Generalaudienz Mittwoch,27.02.2013, http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2013/documents/hf_ben-xvi_aud_20130227.html.

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