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Choralandacht | 06.05.2023 | 07:50 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

„Gelobt sei deine Treu“ (eg 681)

Musik: Choral, Strophe 1

Gelobt sei deine Treu; Text: Gerhard Fritzsche, Melodie: Johannes Petzold, Album: Gottes Tag sei gelobt, Chor: Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes, Leitung: Horst Krüger, Verlag: Verlag Singende Gemeinde; LC 00064


Sprecherin (overvoice):

1. Gelobt sei deine Treu,

die jeden Morgen neu

uns in den Mantel deiner Liebe hüllt,

die jeden Abend wieder,

wenn schwer die Augenlider,

das schwache Herz mit Frieden füllt.


Musik: Choral, instrumental


Autor (overvoice): Ja, manchmal ist das Herz schwach. Dann braucht es am Abend wenigstens ein bisschen Trost. Weil das Leben schwer ist. Samuel Koch, der Autor und Schauspieler, hat das erlebt.


O-Ton 01: In den tiefsten, ekeligsten Momenten, wo ich überhaupt keine Perspektive gesehen habe, wie mein Leben jetzt weitergeht und ich kaum noch ein Hoffender war, bin ich auch rausgegangen und habe mich an den Erfinder des Rückenmarks gewandt und hab mich gefragt: Ja, wohin soll ich denn jetzt noch gehen? All meine Pläne, all meine Wunschvorstellungen sind zerstört.


Autor: Samuel Koch hat erlebt, wie das ist, wenn plötzlich alles anders ist. Nach seinem schweren Unfall bei der Fernsehshow „Wetten dass“ im Jahr 2010 folgen Intensivstation und Reha-Klinik für ein ganzes Jahr. Eigentlich ist er Turner, sportlich, trainiert. Seit kurzem auf der Schauspielschule. Und dann dieser Sturz, der alles verändert. Dass er viele Fragen hat, auch an Gott, kann ich mir sofort vorstellen. Gelobt sei deine Treu, die jeden Morgen neu uns in den Mantel deiner Liebe hüllt – ob er das hätte singen können? Das kann ich mir erst mal nicht vorstellen. Aber…


O-Ton 02: … da waren es dann so Momente, die ich eher mit einem altmodischen Wort wie selig oder eigentlich mit Gnade beschreiben würde, wo ich dann zum ersten Mal zum Beispiel rausgeschoben wurde mit meinem Rollstuhl, in den ich nie wollte. Gerade war der Luftröhrenschnitt zugemacht und wo ich dann zum ersten Mal wieder unklimatisierte Luft durch Mund und Nase und nicht durch die Öffnung im Hals eingeatmet habe. Und dann total begeistert war von der frischen Luft und die grüne Wiese gesehen hab und den See und die zum Teil schneebedeckten Berge. Nicht weit entfernt von der Rehaklinik, … und dann mich irgendwie so ein Gefühl der Dankbarkeit überkommen hat und ich gemerkt hab: Ach Mensch, da gibt es noch mehr, wofür es sich zu leben lohnt außer jetzt körperliche Unversehrtheit. Auch wenn mir das bis heute manchmal schwerfällt, zu sagen, glaube ich, dass es Wichtigeres gibt und Wichtigeres geben muss als auch Gesundheit.


Autor: Mich beeindruckt, wie es Samuel Koch gelungen ist, so umzudenken. Es gibt noch etwas anderes, wofür es sich zu leben lohnt. Zu dieser Haltung muss man ja erst mal kommen. Als ich mit ihm spreche, per Video-Anruf, ist sein Handy so am Rollstuhl festgeschnallt, dass er es mit der rechten Hand bedienen kann. Von ihm lasse ich mir gern erzählen, wie das geht – oder zumindest, wie er das erlebt: dankbar sein, mit Gott in Kontakt bleiben, diese Gnade erleben, wenn es schwer wird. Reha-Klinik, ein Jahr lang, und doch spüren: Ich bin jeden Morgen neu in Gottes Liebe eingehüllt.


Musik: Choral, Strophe 2


Sprecherin (overvoice):

2. Wir wolln dem Namen dein

im Herzen still und fein

lobsingen und auch laut vor aller Welt.

Nie hast du uns vergessen,

schenkst Gaben unermessen,

tagtäglich deine Hand uns hält.


Autor: Gott hat mich nie vergessen, auch in der Krise nicht, das hat der Schauspieler und Autor so erlebt. Immer wieder fühlt er sich gehalten.


O-Ton 3: Ich erinnere mich an so wenige Momente, die ich aber gar nicht machen kann oder provozieren kann, an denen ich einfach nur da liege. Im Grunde mich wie so oft nicht bewege, nichts tun kann. (…) Manche nennen es vielleicht Meditation, andere Gebet und wo ich auch draußen liege oder im Bett und wo ich so eine tiefe, tiefe Ruhe, Zufriedenheit, Beseeltheit empfinde und über beide Ohren grinsen könnte. Und kann dann gar nicht so beschreiben, warum. Es ist eine Freude, die von innen kommt, die also eher so ein Geschenk ist.


Autor: Kann man das lernen? Halt finden in der Meditation, im Gebet? Umdenken, so dass das Schwere leichter wird? Samuel Koch hat ein Buch geschrieben mit dem schönen Titel „Schwerelos“. In Krisenzeiten, wo sich das Leben für viele schwer anfühlt, beschäftigt ihn das…


O-Ton 4: Diese Frage, wie wir das Schwere, die Schwere, schwere Gedanken, schwere Gefühle, schwere Situationen loswerden und ob das überhaupt geht.


Autor: Ein paar Erfahrungen kann Samuel Koch nennen. Hinweise, was hilft, um auch in schweren Zeiten immer wieder froh und dankbar zu sein. Es gibt vielleicht nicht die eine Anleitung…


O-Ton 5: …aber es hat ein bisschen was zu tun, glaube ich… mit offenen Ohren, einem offenen Herz und offenen Auge für dann doch das Schöne im Leben. Eine Konzentration nicht auf die Dinge, die eklig und dämlich sind, die es auch zu Hauf gibt, sondern auf die, die schön und wertvoll sind, für die man dankbar sein kann. Das schafft auf jeden Fall schon mal eine bessere Grundlage, um einfach so aus einer Freude heraus, die von innen kommt, oder vielleicht auch aus der Freude, die von oben kommt, sich beseelt und glücklich fühlen zu dürfen.


Musik: Choral, Strophe 3


Sprecherin (overvoice):

3. Kleidung und Brot gibst du,

der Nächte Ruh dazu,

und stellst am Morgen über jedes Dach

das Taggestirn, das helle;

und mit der güldnen Welle

des Lichts nimmst du das Ungemach.


Autor: Gott nimmt das Ungemach, das schwere Schicksal? Da würde Samuel Koch vermutlich widersprechen. Ja, Gott gibt Kleidung, Brot und manchmal auch die Ruhe der Nacht. Aber für das Anziehen, Ausziehen, Essen, Trinken, sich Umdrehen in der Nacht, braucht der Schauspieler Assistenz, jedes Mal. Vieles bleibt schwer, auch für ihn. Dennoch sagt er, dass man sich für die Leichtigkeit durchaus entscheiden kann.


O-Ton 6: …dass man schon auch es selbst ein Stück weit in der Hand hat, wie man auf die Dinge reagiert, die sich einem in den Weg stellen … und wie man es schaffen kann, umzudenken. Es braucht immer ein Momentum des Umdenkens. Und den glaube ich, können wir mitgestalten und mit steuern. Das habe ich in meinem Leben immer wieder erfahren und muss ich auch immer wieder neu lernen. Aber ich merke auch, dass man es lernen kann. Man kann sich aufregen und ärgern, aber man kann sich auch dagegen entscheiden.


Autor: Wenn Samuel Koch zurückschaut, kann er bis heute nicht sagen…


O-Ton 7: Ja, super, dass ich den Unfall hatte. Der hatte echt Sinn oder so, das fällt mir schwer, aber ich versuche ihm auf jeden Fall an seinem Unsinn zu nehmen und zu schauen, wo ich denn sinnvoll sein kann.


Autor: Darum geht es ja am Ende. Ein Sinn zu finden. Für sich sagen zu können, warum und woraufhin lebe ich? Wenn Samuel Koch darüber nachdenkt, ist er gern allein. Mal ganz ohne Menschen um sich herum. Dann ist ihm wichtig…


O-Ton 8: … den Rückzug zu suchen, in die Stille zu gehen, mal alle Reize, wenn möglich auszuschalten. Und mit dem Erfinder des Rückenmarks, mich auszutauschen und dann verschiedene Fragen auch zu stellen. Nicht nur die Warum-Frage ist das alles passiert, sondern auch die Wozu-Frage oder auch nicht nur zu fragen was kann mir das Leben noch bieten? Sondern umzudrehen Was kann ich dem Leben bieten? Wozu bin ich jetzt noch hier? Was kann ich dienen für diese Welt, für meine Mitmenschen? Und da kommt der für mich sehr, sehr essentielle Austausch, Inspiration, Kraftquelle eben eher aus der aus der Stille.


Autor: Wofür lebe ich, was ist der Sinn? Wer die Frage beantworten kann, der kann leben, oder?


O-Ton 9: Das ist aber im Kleinen heute anders als morgen und gestern anders als vorgestern. Aber im Großen glaube ich schon, dass … der Sinn für mich jetzt gar nicht darin nur besteht, mich selbst glücklich zu machen, vielleicht zufrieden im Sinne von inneren Frieden zu erzielen. Aber das denke ich und merke Wechselwirkungen, dass ich viel mehr von meinem eigenen Glück darin finde, andere glücklich zu machen. Oder dass wir eigentlich füreinander da sind und nicht ausschließlich für uns selbst.


Musik: Choral, instrumental


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