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Choralandacht | 15.07.2023 | 07:50 Uhr

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"Auf, Seele, Gott zu loben" eg 690

Musik 1: Choral, Strophe 1

Titel: Auf, Seele, Gott zu loben; Text: Martha Mu?ller-Zitzke; Melodie: Johann Steurlein; Chor: Solistenensemble; Leitung: Gerhard Schnitter; Album: Lobe den Herren; Verlag: Hänssler Verlag; Label: Hänssler; LC-Nr. 07224


Sprecherin (overvoice):

1. Auf Seele, Gott zu loben, gar herrlich steht sein Haus!

Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus.

Er fährt auf Wolkenwagen, und Flammen sind sein Kleid.

Windfittiche ihn tragen, zu Diensten ihm bereit.


Autorin: Zu Hause in meiner Wohnung liegen viele Teppiche und ich laufe am liebsten barfuss darüber. Mit sanftem Schritt. Es fühlt sich warm und weich an.

So wie die Stars in Hollywood oder bei den Filmfestspielen in Cannes. Wenn sie sanft und abgefedert den roten Teppich betreten, der für sie ausgerollt wird. Das Ritual ist uralt und findet sich schon in der Antike. Der Weg zum Thron wurde mit einem Teppich ausgelegt.

Das Beste ist gerade gut genug für einen König oder eine Königin.

Oder eben eine Schauspielerin oder einen Staatsgast.

Ein roter Teppich signalisiert, egal ob in Cannes oder am Flughafen: hier kommt jemand mit einem besonderen Amt oder einer Aufgabe. Verbunden mit Bewunderung und Anerkennung. Ein Zeichen der Wertschätzung und Gastfreundschaft. Ich freue mich, dass du kommst. Schön, dass du da bist!


Musik 2: instrumental

Titel: Auf, Seele, Gott zu loben; Text: Martha Mu?ller-Zitzke; Melodie: Johann Steurlein; Chor: Schwäbischer Posaunendienst; Leitung: Erhard Frieß; Album: Mit Herzen, Mund und Händen; Verlag: imatel Mediengesellschaft, Gesangbuchverlag Stuttgart u.a.; Label: imatel; LC-Nr. 03078


Autorin: „Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus,“ heißt es in der ersten Strophe des Chorals. Nicht der rote Teppich für die Stars auf dem Boden ist hier gemeint, sondern im Himmel. Gott spannt einen Teppich aus.

Das Lied ist eine Vertonung von Psalm 104. Psalmen, das sind Lieder aus alter biblischer Zeit.

In ihnen drücken Menschen aus, was sie im Leben bewegt, wofür sie danken und worüber fröhlich sind, worum sie sich sorgen und wovor sie sich fürchten. Psalm 104 besingt unsere Welt und ihre Natur: vielfältig und einzigartig. Die Erde, den Himmel, Berge, Täler, Flu?sse und Meer, Pflanzen und Tiere. Der Beter des Psalms dankt Gott für seine Schöpfung und ihre unermessliche Schönheit.


Sprecher:Lobe den Herrn, meine Seele. Mein Gott, wie groß bist du!

In Pracht und Schönheit bist du gekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel.

Du spannst den Himmel aus wie ein Zeltdach (…) Du machst die Wolken zu deinem Wagen. Flügel des Windes tragen dich überall hin. (Psalm 104, 1-3)


Musik 1: Choral, Strophe 2 und 3


Sprecherin (overvoice)

2. Gott hat das Licht entzündet, er schuf des Himmels Heer.

Das Erdreich ward gegründet, gesondert Erd und Meer.

Die kühlen Brunnen quellen im jauchzend grünen Grund,

Die klaren Wasser schnellen aus Schlucht und Bergesgrund.

3. Vom Tau die Gräser blinken, im Wald die Quelle quillt,

Daraus die Tiere trinken, die Vögel und das Wild.

Die Vögel in den Zweigen lobsingen ihm in Ruh,

und alle Bäume neigen ihm ihre Früchte zu.


Autorin:
Die fröhliche, fast tänzerische Melodie unterstreicht das Lob und die Freude an der Schöpfung und ihrer bunten Vielfalt und macht Lust, mit einzustimmen.

Aber ich gestehe, so sehr mich die Melodie zum Mitsingen und -swingen ansteckt, so sehr bleibt mir zugleich das Lob meiner Seele in der Kehle stecken. Angesichts der Klimakrise,

der Zerstörung der Natur, dem Anstieg der Meeresspiegel und heftigen Stürmen und Dürren.


Musik 2: Instrumental


Autorin: Die letzten Takte und Akkorde der Posaunenklänge hören sich wie eine Aufforderung an. Das darf und kann nicht so weitergehen mit dem Klimawandel.

Der darf auch nicht unter den Teppich gekehrt werden. Nicht im persönlichen Leben und erst recht nicht politisch. Das Leben, Gottes Schöpfung ist einfach viel zu wunderbar,

um weiter zerstört zu werden.

Und interessanterweise sind es oft schwere Krisenzeiten, die fröhliche Lieder hervorbringen.

So entstanden diese Verse kurz nach dem 2. Weltkrieg. In den Städten und Dörfern waren die Ruinen, das Kriegsgeschrei und Hunger noch überall präsent. Inmitten dieser Wirren schreibt Martha Mu?ller-Zitzke im Jahr 1947 diese Verse.


Musik 1: Choral, Strophe 4


Sprecherin (overvoice):

4. Gott lässet Saaten werden zur Nahrung Mensch und Vieh;
Er bringet aus der Erde das Brot und sättigt sie
Er sparet nicht an Güte, die Herzen zu erfreun.
Er schenkt die Zeit der Blüte, gibt Früchte, Öl und Wein.


Autorin: Ein schrecklicher Fliegerangriff bedrohte 1943 den Besuch der Mutter von Martha Müller Zitzke. Ihr Sohn schrieb damals:


Sprecher: "Wir erlebten das entsetzliche Schauspiel aus fünfzig Kilometern Entfernung mit. Wir hörten das Brummen der vielen Maschinen, sahen den blutroten Himmel über der brennenden Stadt und wussten, dass unsere Mutter in diesem Inferno war. Wie haben wir zu Gott geschrien und doch kaum zu hoffen gewagt, unsere Mutter wiederzusehen!

Doch mitten in der Trümmerwüste war das Haus, wo Mutter war, stehen geblieben.

Welch eine Bewahrung!"


Autorin: "Welch eine Bewahrung!" Im Staunen über diese unermessliche Güte Gottes dichtet Martha Müller-Zitzke das Lied. Und sie ermuntert, dankbar auf das zu sehen, was Gott gegeben und geschenkt hat. Mit Wolken, Winden, Licht und Sonne. Nahrung für Mensch und Vieh,

mit Güte und Segen für alle Welt.


Sprecher:
Schickst du deinen Lebensatem aus, dann wird wieder neues Leben geboren.

So machst du das Gesicht der Erde neu. Die Herrlichkeit des Herrn bleibe für immer.

Der Herr freue sich über seine Geschöpfe. Ich will den Herrn loben mein Leben lang!

Meinem Gott will ich singen, solange ich bin! (aus Ps 104, 30 - 34)


Autorin:
So heißt es weiter in Psalm 104. Versöhnliche Worte am Ende. Der Teppich im Himmel bleibt ausgespannt. Und Gott macht das Gesicht der Erde neu. Ich darf mich niederlassen, willkommen fühlen, wertgeschätzt und gastfreundlich aufgenommen.

Ja, ich darf staunen und danken, loben und demütig sein im Angesicht der Wunder der Natur. Trotz Leid und Krisen auch im eigenen Leben.

Gott hat alles geschaffen, Gott wacht über Meer und Land, ruft das Lied am Schluss mir zu: Es macht mir bewusst, bevor ich selbst irgendetwas tun kann oder getan habe, ist da schon die Weite und Vielfalt der Schöpfung, in die ich hineinversetzt bin. Bevor ich selbst ins Handeln komme, existiere ich schon in einem größeren Kosmos, in den ich eingebettet bin. Ein schöner Gedanke! Er inspiriert mich zu einem fröhlichen Dank für alles, was mich umgibt. Und fordert mich auf, diese Welt zu schützen und zu bewahren. So kann ich am Ende fröhlich einstimmen.


Musik 1: Choral, Str. 6 und 7


Sprecher*in (overvoice)

6. Den Menschen heißt am Morgen er an das Tagewerk gehen,

lässt ihn in Plag und Sorgen das Werk der Allmacht sehn.

Er ist der treue Hu?ter, wacht u?ber Meer und Land,

Die Erd ist voll der Gu?ter und Gaben seiner Hand.


7. Lass dir das Lied gefallen. Mein Herz in Freuden steht.

Dein Loblied soll erschallen, solange mein Odem geht.

Du tilgst des Su?nders Fehde und bist mit Gnade nah.

Lob Gott, o meine Seele, sing ihm Halleluja.



Quellen:

Beate und Winrich Scheffbuch, Weil mich festhält deine starke Hand, Frauen singen von Jesus, 2. Auflage 2010, S. 14-16



Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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