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Choralandacht | 04.11.2023 | 07:50 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

Nun lässest du, o Herr (eg 695)

Musik:
Choralvorspiel
Nun lässest du, o Herr (eg 695); Text: Georg Thurmair; Melodie: Loys Bourgeois; Satz: Samuel Mareschal; Interpret: Kantorei der Christuskirche Detmold; Leitung: Burkhard Geweke; Herausgeber: LIPPISCHE BIBELGESELLSCHAFT e.V.; Label: GENUIN recording group, Leipzig; LC: unbekannt.


Autor:Ich besuche einen älteren Mann nachträglich zu seinem Geburtstag. Wir kommen ins Gespräch über die Freuden und Lasten des Altwerdens. Irgendwann sagt mein Gegenüber: „Es ist gut gewesen. Mein Herrgott könnte mich jetzt auch zu sich holen.“ Hin und wieder sind mir solche oder ähnliche Sätze begegnet bei Menschen in der Kirchengemeinde, wo ich als Pfarrer tätig war. Mich hat das immer angerührt. In diesen Begegnungen spüre ich etwas von dem, was man „alt und lebenssatt“ nennt.


Auch der heutige Choral strahlt das aus. Es sind die Worte eines Menschen, der vertrauensvoll loslassen kann. Sein Leben ist erfüllt.


Musik: Choral 1. Strophe


Overvoice-Sprecherin:Nun lässest du, o Herr, mich aus der Welt Beschwer in deinen Frieden gehen, lässt hier und allerort, getreu nach deinem Wort, Barmherzigkeit geschehen.


Autor:Diesem Choral liegt die Nachdichtung eines biblischen Liedes zugrunde, der Lobgesang des Simeon. Der Evangelist Lukas hat rund um die Geburtsgeschichte Jesu gleich mehrere solcher Lieder überliefert.


Über Simeon selbst wissen wir nicht viel. Er gilt als ein frommer Jude. Der Heilige Geist hat ihm zugesagt, er wird erst sterben, wenn er den Messias mit eigenen Augen gesehen hat. Er soll den noch erleben, den Gott als Retter in diese Welt schicken wird. Der die Menschen erlösen und die Welt auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit bringen wird.


Simeon wartet sein Leben lang auf diesen Moment. Als Maria und Josef das kleine Kind Jesus in den Tempel bringen, weiß er, dass sein Warten ein Ende hat. In diesem kleinen Kind erkennt Simeon den Retter der Welt. Er erlebt, Gott meint es gut mit ihm, seinem Volk Israel und der ganzen Welt. Worauf er gehofft und gewartet hat, hat sich erfüllt. Nun kann er in Frieden sterben.


Simeon nimmt Jesus in seine Arme. Er ist stolz wie ein Großvater, der sein Enkelkind das erste Mal sieht und auf den Arm nimmt. Voller Dankbarkeit das Lied, sein Gebet, das er an Gott richtet:

Sprecher:„Nun lässt du deinen Diener gehen, Herr, in Frieden, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor den Augen aller Völker bereitet hast, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.“ (1)

Musik: Choral 1. Strophe


Autor:
„Nun lässest du, o Herr, mich aus der Welt Beschwer in deinen Frieden gehen.“ Ich bleibe an den Worten von der „Welt Beschwer“ hängen. Sie stammen nicht aus der biblischen Vorlage. Der Dichter des Liedes, Georg Thurmair, hat sie hinzugefügt. Er ist tatsächlich in beschwerlicher Zeit großgeworden. Als junger Mann erlebt er die Zeit des Nationalsozialismus. Als gläubiger Katholik verfasst er kritische Lieder und Texte gegen das NS-Regime. Das bringt ihm ein Verhör durch die Gestapo ein. Trotzdem schreibt er unter Pseudonymen weiter. Er muss als Soldat in den Krieg und kehrt erst nach seiner Kriegsgefangenschaft zurück. Diese Zeiten haben den Liederdichter, Schriftsteller und Journalisten Georg Thurmair geprägt. So sagt er von sich selbst, er sei „ein alter Haudegen gegen politische und kirchliche Missstände, gegen Krieg, soziale Ungerechtigkeit und alle sonstigen menschenunwürdigen Dinge“ (2).


Musik: Choral 2. und 3. Strophe


Overvoice-Sprecherin:
Denn meine Augen sahn, was deine Huld getan, das Heil uns zu bereiten. Vor aller Angesicht kam nun das wahre Licht, die Völker zu geleiten,
ein Licht, das aller Nacht Erleuchtung hat gebracht, dich, Höchster zu erkennen, des große Wundertat dein Volk gewürdigt hat, dich seinen Herrn zu nennen.


Autor:
Simeon hält Jesus auf dem Arm. Simeon vertraut sein ganzes Leben auf Gott. Er hängt seinen Glauben nicht an den Nagel, weil Gott vielleicht seine Verheißung nicht schnell genug erfüllt. Als der versprochene Augenblick eintritt, erkennt er ihn. In diesem kleinen hilflosen Säugling, der sich äußerlich in keiner Weise von anderen kleinen Kindern unterscheidet, erkennt er den Heiland der Welt.


Dieses Kind in Simeons Arm erzählt davon, dass diese Welt nicht bleiben soll, wie sie ist. Die Hoffnung, die Simeon getragen hat, soll diese Welt verwandeln. Das kleine Kind wird einmal den Menschen den Weg zeigen, der zu Frieden und Gerechtigkeit führt. Er wird vorleben, wie Zusammenleben gelingen kann. Er wird sich derer annehmen, die von anderen übersehen werden. Er wird den Menschen sagen, dass, wer Gott finden will, an den Armen nicht vorbeikommt. Er wird den Menschen die Hoffnung einpflanzen, dass der Tod nicht einfach das Ende ist.


Nachdem Simeon das erfahren hat, kann er loslassen, kann sich in Gottes Barmherzigkeit und seinen Frieden fallen lassen. Die Bibel erzählt nicht von Simeons Tod. Aber sein beharrliches Vertrauen und sein Jubel werden erzählt und bleiben uns erhalten. Georg Thurmaier hat sich von dieser Hoffnung anstecken lassen. Sie hat ihm Halt gegeben in dem, was sein Leben beschwert hat. Und sie hat ihm die Kraft gegeben, mutig zu handeln.

Im Monat November spüren wir manchmal besonders, was schwer auf unserem Leben liegt. Die letzten Blätter wehen von den Bäumen. Die dunklen Stunden überwiegen. Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag liegen in dieser Zeit. Ich nehme Simeon und sein Lied mit in diesen Monat ­– und das, was Georg Thurmair daraus gemacht hat. Ich hoffe die beiden werden auch mich anstecken mit ihrer Zuversicht und der Hoffnung, die sie getragen haben.


Musik: Choralvorspiel


Quellen:

(1) Lukas 2,29-32 Zürcher Bibel

(2) https://www.traunsteiner-tagblatt.de/das-traunsteiner-tagblatt/chiemgau-blaetter/chiemgau-blaetter-2022_ausgabe,-zwei-erfolgreiche-dichter-von-kirchenliedern-_chid,1090.html



Redaktion:Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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