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Kirche in WDR 3 | 23.11.2023 | 07:50 Uhr

Wider die Undifferenziertheit

Seit gut 2 Jahren lebt mein Vater bei uns im Haus.

Mit seinen 88 Jahren geht es ihm gut bei uns und er hat sich nach dem Tod seiner geliebten Frau noch einmal völlig neu erfunden.

Gerne gehe ich abends mal bei ihm vorbei.

Ein Bier steht immer kalt und wir zwei quatschen miteinander.

Wenn ich zu ihm komme, dann hat er meistens die Nachrichten laufen.

Die Tageschau ist schon vorbei, also schaut er Heute-Journal oder Tagesthemen.

Wenn ich dann komme, macht er sie meistens aus und sagt: gibt eh nichts Neues! Und die ganzen schlimmen Nachrichten; eigentlich kann ich es nicht mehr hören.

Ja, ich kann meinen Vater gut verstehen.

Die ganzen schlechten Nachrichten über Krieg, Umweltkatastrophen und darüber, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt.

Das ist ja ein Wirrwarr von Meinungen und Ansichten.

Wie soll ich mir da überhaupt ein Bild von machen? Und wie dann darüber sprechen mit jemanden, der oder die das ganz anders sieht?

Zunehmend fällt mir auf, wie schwierig das Gespräch ist, wenn zwei völlig anderer Meinung sind.

Wieso gelingt es uns hier immer weniger dabei kontrovers, aber fair zubleiben - sachlich miteinander zu debattieren und unterschiedliche Meinungen zu vertreten?

Ich meine, ein grundlegendes Problem dabei ist, dass wir kaum noch wirklich einander zuhören.

Wenn der andere etwas sagt, lege ich mir schon meine Argumente zurecht, um klar zu machen, dass es völliger Quatsch ist, was er da von sich gibt.

Dabei gilt doch immer noch der alte Grundsatz: Audiatur et altera pars! - Auch die andere Partei soll gehört werden. Ein Satz der aus dem Griechischen und römischen Rechtswesen stammt.

Er macht deutlich, dass es ohne ein wirkliches Zuhören nicht funktioniert. Ich muss bereit sein, mir vom Anderen etwas sagen zu lassen. Und dann kann es ja sogar passieren, dass ich ihm in einem Punkt zustimmen muss. Auch wenn es schwerfällt.

Das ist Toleranz.

Das ist die eine Seite: Zuhörbereitschaft.

Die andere Seite aber ist: Es gibt Grenzen, wo es kaum möglich ist, Verständnis oder gar Toleranz zu zeigen. Zum Beispiel:

Wenn auf deutschen Straßen das Abschlachten und Entführen unschuldiger Zivilsten in Israel mit Applaus und dem Verteilen von Süßigkeiten gefeiert werden.

Wenn israelische Flaggen, die aus Gründen der Solidarität gehisst sind, beschädigt, entfernt und verbrannt werden.

Ja, auch gegen eine undifferenzierte Anti-Palästinenser-Haltung muss die Stimme erhoben werden.

Und noch was: Der Grundsatz, auch die andere Seite zu hören, endet für mich auch da, wo populistische Phrasendrescher Ängste schüren wollen. Ängste vor den Menschen, die bei uns Schutz suchen.

Nein, es ist nicht einfach, in dem Wirrwarr von Ansichten sich überhaupt ein Bild zu machen. Sich eine eigene Meinung zu bilden. Und die dann auch vertreten zu können.

Mir scheint: Je unsicherer Menschen in ihrer Position sind, umso mehr verschließen sie die Ohren vor der Gegenposition.

Zuhörbereitschaft, Audiatur et altera pars, geht nur mit einer begründbaren Sicherheit in der eigenen Position.

Wegsehen, weghören – das kann gerade nicht die Lösung sein.

Klar: Meinem Vater kann ich mit seinen 88 Jahren keinen Vorwurf machen, wenn er sagt, ich kann es nicht mehr hören. Lass mich in Ruhe!

Aber wir, liebe HörerInnen, Sie und ich müssen das für uns anders sehen.

Wir müssen versuchen, uns ein Bild zu machen.

Wir können dabei gar nicht anders, als auch die andere Seite erst einmal zu hören.

Immer wieder uns zu bemühen, unsere Meinung zu schärfen.

Und die Grenzen auszuloten: kann ich verständnisvoll oder tolerant sein?

Oder muss ich meine Stimme dagegen erheben und sagen: So nicht!


Peter Krawczack aus Düsseldorf bittet Sie, wach und engagiert zu bleiben.





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