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Kirche in WDR 3 | 07.12.2023 | 07:50 Uhr

Eine Zumutung

Gott ist eine Zumutung.

Hört sich erstmal hart an? Vielleicht. Aber genau das war mein Gedanke. Ich bin bei einem guten Bekannten. Da sitze ich nicht zum ersten Mal. Wir reden über Gott und die Welt. Das machen wir schon seit Jahren. Niemand sollte mit seinen Gedanken allein sein.

Nur ist mein Gegenüber ein Priester. Und das Ganze nennt sich ‚geistliche Begleitung‘. Keine Sorge … Das hört sich dramatischer an als es ist. Dieser Priester und ich, wir reden regelmäßig über das Leben. Und ich kann zurückschauen auf das, was war. In den letzten Wochen. In meinem Leben. Und immer die Frage: Was hat mit Gott zu tun?

Geistliche Begleitung. Das nehmen viele Leute wahr. Ich find‘ das gut. Da ist ein geschützter Raum für meine Gedanken. Es ist klar: Was erzählt wird, bleibt erstmal im Raum. Und ich bekomme eine andere Perspektive geschenkt. Unbefangen. Und meistens ganz anders.

Ganz anders ist auch die Holzfigur auf der anderen Seite des Raumes.

Aber es ist nicht irgendeine Holzfigur. Da steht Maria. Die Mutter Gottes. Nein, eigentlich sitzt sie. Mit nem Schleier. Gold und Blau. Und die hab ich neulich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen. Vielleicht hatte ich die auch einfach ignoriert.

Denn Heiligenfiguren? Muss das sein? Die sind oft so kitschig. Irgendwas zwischen Gartenzwergen und Actionfiguren. Und ich frag mich: Brauch‘ ich das wirklich? Superhelden der Kirche? Es gibt doch auch Batman, Spiderman oder Wonderwoman.

Unsere Wonderwoman ist jedenfalls nicht allein. Die guckt nicht in die Leere. Der Blick starrt auf ihren Sohn. Und der liegt da nicht als kleines Kind, sondern als toter Mittdreißiger. Ohne Körperspannung. Fast nackt. Voller Wunden.

Und dann mein Gedanke: Gott ist eine Zumutung.

Eine Zumutung, die Maria auf den Beinen liegt. Die richtig belastet. Gott bindet sich wie ein Stein an uns. Zumindest denk ich das manchmal.

Keine schöne Vorstellung. Das gebe ich zu. Aber Christen sind mir viel zu oft Weltmeister im Verniedlichen. Von der Babypuppe Jesus zum wundersamen Geist der Auferstehung: viel zu viel Lametta. Und die schweren Seiten der Geschichte? Die Schmerzen? Das Leid?

Die Zumutung für die Freundinnen und Freunde? Für seine Mutter, seinen Vater?

Das wollte ich auch lange nicht sehen. Für mich war Jesus lange das göttliche Kind
im Stall. Der coole Freund. Immer auf Achse. Und irgendwie ganz besonders. Deshalb konnte ich auch nichts mit Maria anfangen. Die war irgendwie für die Geburt da. Und dann hat sie keine Rolle mehr gespielt.

Aber jetzt sitze ich da, bei dem Gespräch mit meinem geistlichen Begleiter. Ich gucke auf die Holzfigur. Und eigentlich ist diese Frau wie ich. Auch ihr mutet sich Gott zu. Der legt sich ihr förmlich vor die Füße. Der ist ganz da. Ungeschminkt.

Kennen Sie Navid Kermani? Der ist Philosoph. Und der ist Muslim. Trotzdem hat er sich mit dem Christentum beschäftigt. Dabei sind viele tolle Texte entstanden. In einem geht’s um Maria. Es geht ums Ertragen von Leid.

Und am Ende des Textes der zentrale Gedanke: Gott hängt am Kreuz. Ja. Aber er schaut nicht nur in den Himmel, zum Vater. Er schaut auch nach unten. Zu seiner Mutter. Der Frau, die alles mitansehen musste. Zu uns.

Das kann ‘ne Zumutung sein. Aber es ist ehrlich. Und Gott bleibt auf Augenhöhe …


Ich grüße Sie aus Herten. Ihr Stephan Orth.

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