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Kirche in WDR 3 | 05.12.2023 | 07:50 Uhr

Jesus weint

Es ist Januar. Der Regen prasst gegen die dicken Mauern. Wind heult durch die kahlen Bäume. Die Welt um uns herum droht gerade unterzugehen. Und wir? Wir sitzen gut eingepackt in Decken auf Stühlen. Eine Handvoll Jugendlicher, eine Ehrenamtliche, eine Kollegin und ich. Gut geschützt in der Jugendburg in Gemen.

Als Mitarbeiter in der Seelsorge bin ich immer wieder unterwegs. Diesmal ist‘s die Firmfahrt. Da geht’s um den Glauben. Firmung, das heißt einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. ‚Ja‘ oder eben auch ‚Nein‘ zu sagen, zum Glauben der katholischen Kirche, zur eigenen Vorstellung von Gott.

Und das ist heutzutage gar nicht so einfach. Das Ringen um Reformen geschieht ja an allen Ecken und Enden – in Deutschland und in Rom. Die Kirche läuft gerade Marathon. Nur das Ziel ist noch nicht so klar. Und natürlich ist da auch noch der Missbrauch. Das ist auch eine Realität von Kirche. Leider. Natürlich kriegen das auch junge Menschen mit …

Und genau deshalb sind die Jungen in der Kirche auch so rebellisch … Oder? Schön wär’s. Ich höre seit mehr als 20 Jahren dieselben Phrasen. Gehört, archiviert und auf Endlosschleife gestellt. Wie eine Leier. Immer und immer wieder Worte ohne Erfahrung. Das gibt’s im Religionsunterricht, das gibt’s aber auch in Kirchengemeinden.

Damit meine ich Sätze wie: Gott ist die Liebe. Gott ist wie ein Freund. Gott ist für mich gestorben.

Ganz ehrlich? Ich kann diese frommen Phrasen nur nicht mehr hören – auch nicht von Firmlingen. Aber verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch. Ich will die Sätze gar nicht bestreiten. Inhaltlich würde ich sogar mitgehen. Das ist nicht mein Problem.

Mein Problem ist das Nachgeplappere. Ich hab‘ keinen Bock auf einen Gott aus der Mottenkiste. Wo ist Gott ein Freund? Wo die Liebe? Für was in meinem Leben ist Gott gestorben?

Mein Stichwort heißt: Ehrlichkeit. Was gesagt wird, soll auch so gemeint sein. Auch, wenn’s um Gott geht … Wie wär’s also mit eigener Erfahrung?

Und so sitzen wir bei der Firmvorbereitung auf der Jugendburg Gemen im Stuhlkreis. Es stürmt noch immer. Und die Jugendlichen bekommen eine Aufgabe; eine Frage. Und die Frage lautet: Wer ist Gott für dich?

Stifte werden verteilt. Zettel liegen bereit.

Und jetzt ist da ein Junge mit Trisomie 21. Der hat sichtlich Probleme zu schreiben. Ich gehe hin und versuche zu helfen. Wir kommen ins Gespräch. Und ich erwarte dieselben Phrasen wie immer.

Dann sagt der Junge plötzlich: „Jesus weint.“. Nicht mehr und nicht weniger. Und mich trifft dieses „Jesus weint“ von dem Jungen mit Trisomie 21 aus meiner Firmgruppe.

Da ist einer, der erlebt jeden Tag Hürden. Der ist in allem begrenzt. Und ausgerechnet dieser Junge kommt nicht mit einer Phrase daher.

Gott weint. Das sitzt.

Noch ehrlicher geht’s gar nicht. Seitdem hinterfrage ich meine Worte über Gott viel stärker. Wer auf diese Frage eine ehrliche Antwort finden kann, der kommt einen großen Schritt weiter mit seinem Glauben: Wer ist eigentlich Gott für mich?
Ich bin gespannt auf Ihre Antwort!


Ich grüße Sie aus Herten. Ihr Stephan Orth.


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