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Kirche in WDR 3 | 09.12.2023 | 07:50 Uhr

Bobo

Neulich konnte ich nicht schlafen. Und wenn ich nicht schlafen kann, kommen mir die verrücktesten Gedanken. Vielleicht liegt das an der Nacht. Weil da einfach nichts ist … Das ist mir in den letzten Monaten immer wieder passiert. Die erste schlaflose Nacht stand im Zeichen eines Geräuschs. Immer und immer wieder dieses komische Fiepen. Dann die Idee: App runterladen und Ton aufnehmen. Und siehe da: Eindeutig ein „Ku-Witt“. Irgendwo hockt ein Waldkauz-Weibchen und wundert sich über diesen komischen Vogel auf dem Balkon …

In der letzten schlaflosen Nacht war es kein Geräusch. Dieses Mal war es ein Name. Bobo. Und ich denk mir: Spinnst du? Reicht der Ausflug ins Reich der Ornithologen nicht? Jetzt also erste Schritte als Etymologe – als Archäologe von Wörtern? Mein Wort heißt Bobo. Und erstmal hab‘ ich keinen Plan.

Wie komm ich darauf? Dann denke ich an die Simpsons. Da gab’s mal ne Folge mit Bobo. Das war der verschollene Teddy-Bär des Kraftwerkbesitzers. Aber irgendwie ist’s das nicht. Da ist noch nicht dieses ‚Aha-Gefühl‘.

Irgendwann kommen mir Farben in den Sinn. Rot und Blau. Und dann ist da ein Eis im Hörnchen. Das macht doch überhaupt keinen Sinn … Aber irgendwie fühle ich mich wieder als wäre ich 4 Jahre alt. Und ich sehe Tante Doris vor mir. Und die Bäume auf unserer Straße. Die roten Pflastersteine. Dann die Idee: Da war doch so ein Buch …

Google kann bestimmt helfen. Der Doktor Watson des 21. Jahrhunderts. Schon tippe ich in mein Handy: ‚Bobo Buch‘. Und dann sehe ich eine Zeichnung von Markus Osterwalder. Bobo Siebenschläfer. Das ist es!

Ich fühle mich wie Archimedes von Syrakus. Ich rufe zwar nicht ‚Heureka‘. Und doch habe ich etwas entdeckt. Genauer: Wiederentdeckt.

Und dann finde ich genau das Buch, aus dem meine Erinnerungen sind. Ich bestelle es und drei Tage später liegt es in meinen Händen.

Ich öffne das kleine Ding und tauche ab in meine Kindheit. Da ist der alte VW-Käfer der Familie Siebenschläfer. Ich sehe Bobo und Oma Siebenschläfer auf dem Bauernhof. Und natürlich ist da auch die Szene in dem Freibad. Bobo mit dem Eis in der Hand und rotem Rettungsring.

Vielleicht hört sich das für Sie absurd an. Aber für mich war das ein heiliger Moment. Mit jedem neuen Bild an das ich mich erinnere, knüpfe ich an meine eigene Geschichte an. Und ich merke: Das hast du schonmal gesehen. Natürlich erinnere ich mich nicht an jedes Bild. Aber mit vielen Bildern verbinde ich etwas. Mal ist es ein Gesichtsausdruck meiner Mutter. Mal ist es ein Geruch oder die Erinnerung auf dem Schoß meines Vaters gesessen zu haben.

Und das ist einfach wundervoll. Es ist einfach so passiert. Völlig aus dem nichts. Bobo Siebschläfer. Erinnerungen, können das Vergangene lebendig machen. Und das ist irgendwie heilig. Ich wünsche Ihnen ganz viele solcher Momente.


Ich grüße Sie aus Herten. Ihr Stephan Orth.



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