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Kirche in WDR 3 | 11.12.2023 | 07:50 Uhr

Seele

Guten Morgen!

Ein Tag im November vor einigen Wochen. Das Telefon klingelt. Der Anrufer erzählt mir, dass seine Frau im Sterben liegt und es zu Ende geht. Ich kenne die Familie aus meiner Gemeinde. Er bittet mich direkt vorbeizukommen, für seine Frau zu beten und sie zu segnen. Ich mache mich sofort auf den Weg.


Solche Begegnungen sind selten geworden, auch im Alltag eines Pfarrers. Der Tod und das Sterben haben nicht mehr viel Platz im Alltag der Menschen. Menschen sterben häufig im Krankenhaus, im Pflegeheim oder auf der Palliativstation. Oft allein.

Von meinen Großeltern weiß ich noch aus Erzählungen, dass das früher anders war. Liegt ein Familienmitglied im Sterben, versammelt sich damals die ganze Familie. Fast immer wird auch der Pfarrer dazu gerufen. Und nicht selten bleibt der Verstorbene auch nach dem Tod noch einige Stunden im Haus, und die Familie ist bei ihm. Heute kommt meist schnell ein Bestatter, nimmt den Toten mit und die - im wahrsten Sinne - Hinterbliebenen bleiben allein zurück.


Der Tod hat keinen Platz mehr in unserem Alltag. Und doch merke ich auch immer wieder, wie feinfühlig und bedacht viele Menschen mit dem Sterben umgehen. So habe ich es bei einem Gespräch im Spätsommer erlebt. Ich treffe mich mit einem Mann, dessen Mutter vor drei Tagen gestorben ist. Seine Frau ist auch dabei, und wir besprechen den Ablauf der Beerdigung. Die beiden erzählen mir, wie die Mutter gestorben ist. Im Seniorenheim. Die beiden waren bei ihr, zusammen mit einer Pflegerin. Als die Mutter gestorben ist, hat die Pflegerin das Fenster aufgemacht. „Damit die Seele ihren Weg findet“, hat sie gesagt. Nun fragt mich der Sohn: „Seele? Was ist das eigentlich?“


Ganz am Anfang der Geschichte der Welt, als Gott die Welt erschafft, werden auch wir, die Menschen, geschaffen. Davon erzählen die ersten Geschichten der Bibel. Nachdem Gott den ersten Menschen aus Erde geformt hat, heißt es da: Und Gott „blies ihm den Lebensatem in die Nase, und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (Die Bibel, 1. Buch Mose 2,7b)

Der Lebensatem Gottes macht uns Menschen erst lebendig. Wir bestehen also solange wir leben aus Körper und Seele.

Da die Seele, der Lebensatem, von Gott kommt, ist sie unsterblich. Nach dem Tod kehrt sie zurück zu Gott, der sie uns geschenkt hat. Die Bibel kennt viele Bilder für den Ort, an den die Seelen gehen: Himmel, Paradies, himmlisches Jerusalem zum Beispiel.

Letztlich bleibt es eine Frage des Glaubens. Aber wenn ich einen verstorbenen Menschen sehe, den ich auch im Leben gekannt habe, dann ist das nicht mehr derselbe Mensch. Der sichtbare verstorbene Körper ist nicht das Gleiche, wie der Mensch, den ich kannte. Er fehlt etwas. Das, was das Leben ausgemacht hat, ist nicht mehr da. Die Bibel nennt es den Lebensatem, den Geist oder die Seele. Vielleicht ist es das, was manchen Angst einflößt, wenn sie einen Toten sehen. Dabei ist es gut, das wie unsere Vorfahren in Ruhe wahrzunehmen: Der alte Mensch ist vergangen. Sein Körper, ein Teil von ihm, liegt hier. Aber etwas fehlt. Vielleicht ist es die unsterbliche Seele, die sich auf die Reise gemacht hat. Vielleicht durch ein geöffnetes Fenster.


Ihr Pfarrer Oliver Mahn aus Köln.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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