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Kirche in WDR 3 | 15.01.2024 | 07:50 Uhr

Krieg in Nahost

Guten Morgen aus dem Heiligen Land!

Ja, ich lebe und arbeite in Israel, genauer gesagt, am See Gennesaret, wo ich das Pilgerhaus Tabgha des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande leite. Eigentlich wollte ich Ihnen in dieser Woche einfach von faszinierenden biblischen Orten hier im Land erzählen, wie auch schon in früheren Jahren.

Doch dann kam der 7. Oktober. Der Tag des Massakers von Hamas-Terroristen an zahlreichen Unschudigen – Jüdinnen und Juden, aber auch Arabern und Gastarbeitern aus Thailand und anderswo. Unfassbare Grausamkeiten, auch an Frauen und Kindern, wurden nach und nach bekannt. Und noch heute werden Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Man mag sich ihr Schicksal, das ihrer Familien gar nicht vorstellen. Und kurz darauf begann der Krieg Israels gegen die Hamas im Gazastreifen. Auch der brachte Leid über unzählige Menschen.

Und ich fragte mich: Was kann ich da sagen? Kann man überhaupt noch etwas sagen? Muss man nicht eigentlich verstummen angesichts des Horrors? Bert Brecht fiel mir ein, der in seinem Gedicht „An die Nachgeborenen“ schreibt:

Sprecher:

„Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten! ...

Was sind das für Zeiten, wo

Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist

Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“[1]

Aber dann dachte ich: Muss ich es nicht wenigstens versuchen? Ist das nicht überhaupt eine Aufgabe der Kirchen, auch dann noch Worte zu finden, wenn die normalen versagen? Vor allem, wenn man in diesem Land lebt, in der Nähe von Menschen, die auch im Miteinander oft sprachlos sind.

Ich will es versuchen. – Und weiß nicht, ob es gelingt. Denn ich bin kein Dichter, der auch Worte findet für eigentlich Unsagbares. Und so will ich heute noch einmal Bert Brecht sprechen lassen:

Sprecher:

„Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich satt zu essen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt,
Bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten ...
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten! ...

Ihr aber, wenn es soweit sein wird,
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist,
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.“[2]

Ja. Und möge Gott unsrer gedenken mit Nachsicht. Und die Menschen stärken, die schon jetzt weise sind und weise handeln. Die ohne Gewalt auskommen. Böses mit Gutem vergelten. Als Menschen dem Menschen ein Helfer sind – egal woher er oder sie kommt. Auch und gerade hier. Wenn es einen Hinweis darauf gibt, dass Gott uns nicht verlassen hat, dann sind es genau solche weisen Menschen.

Aus Israel grüßt Sie Georg Röwekamp

[1] Aus: Bertolt Brecht, Werke. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe 12, Gedichte 2. Band, Frankfurt/M. 1988, S. 85-87.

[2] Aus: Bertolt Brecht, Werke. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe 12, Gedichte 2. Band, Frankfurt/M. 1988, S. 85-87.

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