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Kirche in WDR 3 | 11.01.2024 | 07:50 Uhr

Sich ein Denkmal setzen

Guten Morgen.

„Also ehrlich, wo kämen wir hin, wenn jeder sich ein Denkmal setzen wollte?“. fragt Christiane empört. Sie ist die ältere von beiden. 62. Die Jüngere, Carla, ist 30. Und sie hat ein Problem: Sie weiß nicht, was sie gut kann, ja, möglicherweise sogar besser kann als andere. Und wie sie damit dann glänzen kann. Ein Buch schreiben vielleicht, das ganz oft gekauft wird und vielen Leuten hilft. Schauspielern und eine glänzende Theaterkarriere machen. Oder forschen und ein wichtiges Medikament erfinden. Oder was?

Carla hat eine Lehre gemacht. Und arbeitet im Büro. Zwei Sätze, alles gesagt. „Langweilig“, denkt Carla. „Ich muss doch irgendwie mehr aus meinem Leben machen.“
Christiane sieht das anders. Ihr geht das auf die Nerven, das alle nur noch berühmt, reich und angesehen werden wollen. „Wo kämen wir hin, wenn jeder sich ein Denkmal setzen wollte.“

„Denk mal nach“, sagt Christiane zu ihrer jungen Freundin. „Was genau steckt denn dahinter, dass du irgendwie interessanter sein willst? Für wen? Für Dich? Für die Freundinnen oder die Feindinnen? Und wieso weißt du nicht, was du kannst? Wollen wir mal anfangen? Du kannst – atmen, laufen, sehen, sprechen, hören, denken – alles Geschenk. Und was hast du als Kind gelernt, erzähl mal?“ „Knöpfe annähen, Ballett, mein Bett überziehen, Kuchen backen, Kirschen entsteinen, das Bad putzen, die Wanderkarte lesen, Fotos auf dem Handy bearbeiten...“ „Aha“, sagt Christiane. „So, und dann stell dir jetzt mal vor, du erzählst das alles weiter – bis heute, was du alles in deinem Leben gelernt hast und nun kannst. Du kannst unendlich viel.“

Jetzt die nächste Frage: „Was macht dich froh. Zufrieden. Vielleicht sogar glücklich. Eher aber froh – von Herzen. So im Innern.“

„Wenn ich meine Katze streichle. Wenn ich meinen Freund küsse. Wenn ich mit dem Büroteam einen Geburtstag feiere. Wenn meine Chefin sich über eine gute Leistung von mir freut. Wenn ich um den schönen See hier joggen kann. Wenn Paul mir eine leckere Pizza gebacken hat. Wenn ich mir auf dem Fußballplatz die Seele aus dem Leib schreie…“


„Ok, und was meinst du – warum sind andere froh, wenn sie dich treffen?“

„Weil ich sie zum Lachen bringe. Weil ich den Tisch besonders schön decke. Weil ich einen kühlen Kopf bewahre, wenn wir in schwierige Situationen kommen. Weil ich anpacke statt zu labern. Und weil ich meine Arbeit gerne und sorgfältig mache.“

„So“, sagt Christiane Und jetzt noch mal: „Wozu sich ein Denkmal setzen? Ein hartes, steinernes Etwas, mit viel Mühe erkauft, ohne Leben und Wert… Erfolg kann glücklich machen, ja. Aber nicht, weil du dir ein Denkmal setzt oder besonders toll in den Augen der anderen bist. Sondern genau deshalb, weil du bist wie du bist.


Klar ist es toll, wenn jemand was Besonderes tut oder kann. Aber das an sich ist ja nicht das Ziel. Sondern du bist besonders, weil ein Kind gesund wird, weil es dein Medikament bekommt. Weil jemand weint, wenn er dein Gedicht liest, endlich weint, obwohl die Tränen so lange versteinert waren. Weil jemand tanzt, weil deine Musik so schön ist.

Carla, Du musst nichts tun, außer weiter neugierig aufs Leben unterwegs zu sein. Gott will keine Pokale und kein Denkmal – er ist glücklich und zufrieden, wenn wir tun, was wir können und sind. Und so füreinander ein Segen sind.“


Es grüßt Sie, Petra Schulze aus Düsseldorf.

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