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Kirche in WDR 3 | 27.03.2024 | 07:50 Uhr

In die Stille kommen

„Pst!“ Eigentlich ist klar, was gemeint ist, auch wenn man es nicht direkt ausspricht: „Ruhe bitte!“ „Pst!“ will Aufmerksamkeit und das meint in der Regel Stille. Manche fühlen sich dabei ertappt oder sind genervt, weil sie nicht still sein wollen. Und so kann es passieren, dass ein „Pst!“ genau das Gegenteil auslöst, von dem was es will: Die Leute werden lauter und widersprechen. Manchmal braucht es aber gar kein lautmalerisches „Pst!“ um die Menschen zur Ruhe zu bringen.

Vor ein paar Wochen habe ich in der Philharmonie in Essen eine Stille erlebt, in der jede Menge Lautmalerei zu hören war, nur kein „Pst“. Vielmehr haben acht Sängerinnen und Sänger eines Vocalensembles a capella also nur mit ihren Stimmen den Raum gefüllt. Die Faszination dieser Stimmen und Klänge war enorm. Eigentlich hörte ich erst wirklich die Klangfülle als die acht immer leiser sangen Der leiseste Klang ihrer Stimmen drang durch den Raum. Und der Saal der Philharmonie war mucksmäuschenstill. Solche Stille habe ich noch nie erlebt. Selbst das letzte Hüsteln verschwand irgendwann.

Diese Stille war energievoll. Sie war zu spüren. Denn das Publikum lauschte gebannt den Stimmen der Sängerinnen und Sänger. Diese Stille war weniger die Abwesenheit von Tönen, sondern vielmehr das Warten, auf die nächsten Töne, auf den Klang der Stimmen. Eine echte Spannung war im Saal zu spüren. Und die entlud sich nach jedem Stück: Dann brandete der Applaus auf und jedes Mal wurde er lauter und lauter. Ein echter Kontrast nach der Stille! Mir kam es so vor, als ob die Kraft der Stimmen widerklang in der Energie des Applauses. So war es ein Geben und Nehmen. Eine gefüllte Stille und eine Stille, die erfüllt. Mich faszinierte dieser Zwischenraum zwischen Stille und Begeisterung. Da schwebte etwas besonders im Raum, das mehr war als nur das eine oder das andere. Da ereignet sich etwas sowohl im Klang der Stimmen, wie auch im Schweigen. Es lag etwas in der Luft. Es schwebte unsichtbar im Raum. Vielleicht war es genau dieser spannungsvolle Wechsel: Auf der einen Seite der Klang der Stimmen und auf der anderen Seite die Stille, um zu lauschen. Dann wieder das Schweigen der Stimmen und das laut begeisterte Klingen der klatschenden Hände, verbunden mit Bravorufen aus dem Publikum. Und dann wieder umgekehrt. Das ganze Konzert war wie ein Schwebezustand zwischen Klang und Stille – und es verlangte nicht nur von den acht Sängerinnen und Sängern etwas ab, sondern auch vom Publikum. Denn zur Stille gehören immer auch das Schweigen und die Mühe, sich ruhig zu verhalten.

Mir hat dieses Konzert unendlich gutgetan, paradoxerweise wegen der bewussten Erfahrung von Stille. Sie zwang mich förmlich zum Schweigen. Und das Schweigen hat mir geholfen zu lauschen, hinzuhören auf den Klang der im Raum ist. Und im Raum war eben sowohl die Stille zu hören, wie auch die Töne des Vokalensembles. Eigentlich ein Zirkelschluss: Stille führt zum Schweigen, Schweigen hilft zu lauschen, und beim Lauschen erfahre ich neben dem Klang auch die Stille. In all dem erahne ich etwas von Unendlichkeit.

Jetzt muss man nicht erst ins Konzert gehen, um die Bedeutung von Klang und Stille zu erfahren. Das kann auch anders gehen. So gehen Christinnen und Christen zum Beispiel jetzt nun auf die sogenannten stillen Tage zu. Das sind die Tage des Leidens und Sterbens Jesu. Für mich ist das wie eine Einladung zum Lauschen; nachzuspüren, was alles an Energie und Botschaft in der Stille zu entdecken ist. Dafür muss man noch nicht einmal Christ sein. Auch brauch man dazu kein lautmalerisches „Pst“. Es reicht ein paar Augenblicke irgendwo in die Stille hineinzulauschen. Und vielleiht entdecken Sie, wieviel Energie in der Stille liegen kann.

Einen ruhigen Tag wünscht Stefan Wiesel aus Essen.





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