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Kirche in WDR 3 | 09.04.2024 | 07:50 Uhr

Rabeneltern

Einen schönen Dienstagmorgen! Kennen Sie den Begriff „Rabeneltern“? Richtig! Im Sprachgebrauch wird er als Schimpfwort für scheinbar schlechte Väter oder Mütter verwendet, wenn diese sich nicht ausreichend oder nicht richtig um den Nachwuchs kümmern. Sie wissen schon: „Schau dir den Rabenvater an! Das arme Kind hat noch nicht mal ein ordentliches Pausenbrot dabei.“ Oder: „Diese Rabenmutter lässt ihr Kind bei der Kälte ohne Jacke zur Schule gehen!“ Wo kommt der Ausdruck „Rabeneltern“ eigentlich her? Es hat wohl mit dem schlechten Image der Vögel zu tun. Die sind mit ihrem schwarzen Gefieder und ihren rauen Krähzstimmen für viele nicht grade Sympathieträger. Außerdem verlassen die Rabenkinder sehr früh das Nest. Noch bevor sie richtig fliegen können. Dann sitzen sie schonmal auf einer Wiese und es sieht so aus, als wären sie von ihren Eltern verstoßen und aus dem Nest geschmissen worden. Tatsächlich ist es aber ganz anders. Wenn Raben in ihrer Nähe leben, dann achten sie mal darauf, denn jetzt ist es langsam wieder so weit.

Bei mir rund um das Haus leben einige Raben. Einer von ihnen – und das ist kein Witz und nicht gelogen – klopft morgens mit seinem Schnabel bei uns an eine Fensterscheibe und krächzt. Wir kennen uns also schon quasi persönlich. Seit einigen Wochen habe ich beobachtet, wie in einem Baum bei mir im Garten ungefähr auf Höhe der Turmuhr der benachbarten St. Nikolaus-Kirche ein Vogelnest entsteht. Und richtig geraten: Es ist mein schwarz gefiederter Freund mit seiner Gattin, die dort bauen und schätzungsweise bald Eltern werden. Rabeneltern. Und was ihn dann erwarten, dass will ich erzählen, weil ich es direkt vor meinem Fenster schon mit angesehen habe und es mich nachdenklich gemacht hat: Über Wochen hüpften drei laut krächzende kleine Rabenkinder über den Rasen neben meinem Haus und scheuchten ihre Eltern immer und immer wieder. Nichts reichte, nie war es genug. Ich habe wirklich noch nie so geduldige und aufopferungsvolle Eltern gesehen. Raben-liebevoll: Das Attribut würde eigentlich besser passen. Und seit jenem Sommer, in dem ich das jeden Tag von meinem Schreibtisch aus beobachtet habe, denke ich darüber nach, wie ich meine Urteile fälle – nicht nur über Raben, sondern über meine Mitmenschen. Wie schnell bin ich dabei, mir eine Meinung zu bilden: Wie sieht der denn aus? Was redet die für dummes Zeug? Wie kann man nur so Denken, Fühlen, Handeln wie dieser Mensch da? Mit welchen Vorurteilen gehe ich durch den Tag? Und wen lasse ich links liegen, weil mir das, was ich über ihn oder sie gehört habe, nicht gefällt? Meine Rabenfamilie hat mich gelehrt, genauer hinzuschauen; mein Urteil nicht vom Hörensagen her zu fällen. Das big picture zu betrachten und nicht nur die kleine Ecke, die mir grade ins Auge fällt. Der Vater im Supermarkt, dem vor der Kasse die Nerven durchgehen, ist kein „Rabenvater“. Vielleicht hat er schon zwei Stunden mit einer Engelsgeduld die Launen seines Kindes begleitet. Die Mutter, die ihr Kind mit zwei unterschiedlichen Kniestrümpfen in die Kita gehen lässt, ist keine Rabenmutter. Vielleicht hat sie damit den sehnlichsten Wunsch ihres Kindes erfüllt. Wenn ich das ganze Bild betrachte, das mir beim kurzen, schnellen hingucken verborgen bleibt, dann ist die Wirklichkeit oft ganz anders.

Die Rabeneltern halten nun wirklich zu unrecht für ein Schimpfwort her. Und ganz sicher tue ich vielen Menschen Unrecht, die ich in Gedanken mit einem Schimpfwort niedermache oder mit einem Vorurteil aus meinem Leben ausgrenze.

Ich bin Martin Kürble und wünsche ihnen aus Düsseldorf heute einen raben-liebevollen Tag mit dem Blick für das ganze Bild. Bleiben Sie behütet.



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