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Kirche in WDR 3 | 23.04.2024 | 07:50 Uhr

Provokation und Phänomen

Als ich mich daran gesetzt habe, Ihnen in dieser Woche von Anna Katharina Emmerick zu erzählen, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich überbringen kann, was mich an ihr fasziniert. Zu katholisch? – fragte ich mich. Zu fromm? Zu irrational?

Eine Frau, geboren vor 250 Jahren in einfachsten Verhältnissen im tiefsten Münsterland; in den wirren Zeiten der französischen Revolution tritt sie ins Kloster ein – gegen alle Widerstände; fast lebenslang ist sie von körperlichen Gebrechen gezeichnet. Dann hatte sie mystischen Visionen, für die sie auf der ganzen Welt berühmt wurde: Das alles klingt so aus der Zeit gefallen. So fremd in unseren Ohren. Und doch sind wir in diesem Befremden schon sehr nah an dem Befremden, das die selige Mystikerin schon zu Lebzeiten provoziert hat. Und zugleich lag genau darin auch die Bewunderung, die ihr zu Teil wurde – auch von intellektuellen Kreisen.

Als sie vor 200 Jahren stirbt, ist sie beides: eine Provokation und ein Phänomen ihrer Zeit. Es war eine Zeit, in der der Glaube an die Vernunft und die Aufklärung zunächst zu revolutionären Umbrüchen geführt hatte und dann in den napoleonischen Kriegen zu großen Ernüchterungen. Es war eine Zeit, in der mit der Epoche der Romantik der Blick auf das Innenleben wieder stärker wurde als der auf die äußeren Umstände von Politik und Gesellschaft.

Und was für ein Innenleben sich da in der Person von Anna Katharina Emmerick offenbarte! Das war so wider dem aufgeklärten Zeitgeist, in der man sich Wunder der Wissenschaft versprach, Wunder der Technik – aber weniger Wunder des Glaubens. Ihre Visionen provozierten heftigsten Widerspruch, nicht zuletzt ihre Stigmata, also die Wundmale Jesu, die sie trug – und die sogar amtsärztlich untersucht wurden. Zugleich lebte sie ihr Leben mit einer entwaffnenden Sanftmut, Kindermützen nähend, dass immer wieder Geistesgrößen ihr Glauben schenkten und ihr Krankenbett aufsuchten. Der bekannte Dichter Clemens Brentano wich ganze sechs Jahre nicht von ihrer Seite, und zeichnete ihre Visionen auf. 16.000 Seiten umfasst sein fünfbändiges Werk „Die Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerich“ – im 19. Jahrhundert wurden sie mehr gedruckt als Goethe und Schiller[1].

Als ich zu Beginn meines Klosterlebens zum ersten Mal etwas von Anna Katharina Emmerick hörte, fand ich sie recht eigenartig. Sie schien mir damals eine typische Fromme der Vergangenheit zu sein. In ihrer sanften, weichen Art hatte sie mir nicht viel zu sagen. Meinte ich! Und als ich mich Jahre später mehr mit ihr beschäftigte, musste ich mein Urteil völlig revidieren: sie war keineswegs eine „typische Fromme“, was auch immer ich damals darunter verstand. Vielleicht war sie sanft, aber keineswegs weich. Sie war bescheiden, aber entschieden. Sie hatte ein klares Profil, in dem sich ein starker Geist zeigte.

Mehr als die von Brentano aufgezeichneten Visionen, mehr als die spektakulären Wundmale Jesu, mehr als all die fromme Überhöhung hat mich ihre widerständige Zielstrebigkeit berührt, mit der sie der Spur ihres Glaubens gefolgt ist. Davon möchte ich Ihnen in dieser Woche erzählen.

Es gibt Menschen, die viel davon reden, was sie alles tun und erleben möchten. Doch wenn ich etwas „nur“ möchte, werde ich es vermutlich bis an mein Lebensende als Wunsch vor mir herschieben. Wer aber etwas wirklich will, wird Wege finden, es in die Tat umzusetzen und es zu erreichen. Ich würde mich freuen, wenn Sie dies als Bestärkung hören, Ihren Wünschen treu zu bleiben. Aus Münster grüßt Sie Sr. Ancilla Röttger vom Klarissenkonvent am Dom.



[1] https://www.anna-katharina-emmerick.net/index.php/ihr-leben-und-wirken/ausstrahlung

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