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Kirche in WDR 3 | 26.04.2024 | 07:50 Uhr

Freiheit im Leid

Zerbrechlich und souverän – diese beiden Worte fassen das Leben der seligen Anna Katharina Emmerick zusammen. Sie sind das Motto dieses Jubiläumsjahres: Die Münsterländer Mystikerin wurde vor 250 Jahren geboren und starb 50 Jahre später. Auch wenn ihr Körper zerbrechlich war zeigt sich bei ihr eine große Stärke an Geist und Seele. Diese lässt sie selbst im Leid souverän sein.

Als das Kloster, in dem sie zehn Jahre gelebt hatte, 1811 aufgelöst wurde, findet sie schwer krank eine Unterkunft als Haushälterin. Doch bald kann sie auch den Beruf nicht mehr ausüben, da sie durch ihre Erkrankung bis zum Tod bettlägerig bleibt. Schon seit sie klein war, hat sie das Kreuz und der leidende Jesus fasziniert. Irgendwie hat sie sich tief verbunden gefühlt. Ihre körperlichen und seelischen Schmerzen erträgt sie in bewusst vereint mit dem gekreuzigten Herrn. Und dann erfährt sie etwas, das auch für mich erst einmal fremd geklungen hat: Anna Katharina Emmerick lässt sich so sehr auf das Leiden Jesu ein, dass sich an ihrem Körper die Wundmale Jesu zeigen. Sie erzählt selbst, dass sie vom siebzehnten bis zum zwanzigsten Lebensjahr eine Glaubenskrise durchmachte. Das Ende dieser Krise hat offensichtlich mit einer tiefen geistlichen Erfahrung in der Betrachtung des leidenden Christus zu tun. Nach dieser Krise wird das Kreuz für sie zur Offenbarung des unendlich liebenden Gottes. Sie weiß, dass Gott sie liebt und sie gibt diese Liebe an andere Menschen weiter, indem sie sich um sie kümmert.

Anna Katharina war schon sechs Jahre bettlägerig und oft am Rande des Todes, als sie tatsächlich für die preußische Regierung ein Stein des Anstoßes wird. Die Regierung glaubt, die katholische Kirche wolle durch die Wundmale der Mystikerin wieder etwas Einfluss zurückgewinnen. Also plant man von Regierungsseite aus eine Untersuchung, die gegen alle Menschenwürde ist. Ihr Arzt widerspricht einem Transport der Sterbenskranken, während der Theologe Bernhard Overberg, der ihr sonst so wohlgesonnen ist, meint, sie müsse das Risiko, beim Transport zu sterben, als Unterwerfung unter den Willen Gottes annehmen. Doch da widerspricht sie ganz entschieden und sagt, dass sie das nicht als Willen Gottes verstehen könne. Schließlich wird sie 1819 bei Nacht und Nebel aus ihrem Haus geholt und drei Wochen lang Tag und Nacht beobachtet, jede Kleinigkeit wird aufgezeichnet und sie kann sich nicht wehren. Ziel dieser Untersuchung war nicht die Frage nach der Wahrheit, sondern der Versuch, Anna Katharina als Betrügerin zu entlarven. Am Ende schreit der Landrat sie voll Wut an, sie solle endlich zugeben, dass alles Betrug sei. Er bietet ihr sogar Geld für ein Geständnis. Da unterbricht Anna Katharina ihn einfach. Sie sagt ihm ins Gesicht, er suche ja gar nicht die Wahrheit, daher habe sie ihm auch nichts mehr zu sagen. Und legt noch ordentlich nach, indem sie ihm vorwirft, die Steuergelder der Armen für solche unsinnigen Untersuchungen zu verschwenden, anstatt mit dem Geld die Lebensbedingungen so vieler Menschen zu verbessern. Anna Katharina bleibt auch nach dieser Tortur ungebrochen.

Bei aller körperlichen Schwäche und Verwundbarkeit steht Anna Katharina Emmerick zu ihrem Leben – auch wenn sie im Bett liegt. Sie lässt sich nicht beirren, nicht von dem Gottesbild ihrer Zeit, das auch ihre Eltern ihr vermittelt haben – dem strengen, strafenden Gott; nicht von den gewalttätigen Angriffen ihrer Verleumder oder dem verächtlichen Blick Höhergestellter; nicht von der eigenen existentiellen Armut, in der sie selbst ihr Leben nicht mehr gestalten kann. In ihrer tiefen Verbundenheit mit dem leidenden und gekreuzigten Herrn Jesus Christus wird ihr Kraft geschenkt, ihr eigenes und das Leid so vieler Menschen, die sich ihr anvertrauen, in einer unvorstellbaren Solidarität mitzutragen.

Ich bewundere diese Kraft, die Anna Katharina Emmerick aus dem Glauben gezogen hat. Ich hab sie oft nicht. Es bleibt für mich die Frage was könnte ich – vielleicht auch schweigend – an Not in meiner nächsten Umgebung mittragen? Einen offenen Blick für die Not anderer wünscht Ihnen heute Sr. Ancilla Röttger.



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