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Kirche in WDR 3 | 10.05.2024 | 07:50 Uhr

Das laute Schweigen

Guten Morgen!

Es war am Aschermittwoch, dem 26. Februar 2020 – Beginn der Fastenzeit. Ich hatte einen Gottesdienst, bei dem ich den Teilnehmern das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnete, begleitet mit den Worten: „Bedenke, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ Wie wahr! Zu dem Zeitpunkt war wohl niemand von uns klar, wie sehr diese Worte in unser aller Leben hineinwirken würden: Diese unbekannte Krankheit würde jeden von uns treffen, unser Leben beeinträchtigen, unser Miteinander verändern. Kurz darauf waren wir jedenfalls alle im Lockdown; viele von uns später auch in Quarantäne; einige kämpfen noch heute mit Long-Covid. Und manch einer von denen, die damals beim Gottesdienst vor mir standen, trauert heute um den Verlust eines lieben Menschen.

Der Vorwurf an die Kirchen damals traf zu und geht bis heute unter die Haut: „Wo wart ihr, als wir euch brauchten?“ Viele fühlten sich alleingelassen in der Zeit des großen Lockdowns, unvermittelt auf sich selbst zurückgeworfen. Menschen in den Altenheimen, eingeschlossen in ihren Zimmern. Sterbende auf den Intensivstationen, ohne geistlichen Beistand und die Nähe ihrer Angehörigen. Beerdigungen im allerkleinsten Kreis ...

Ja, die Erwartungen an die Kirchen und die Christen waren und sind hoch. Denn es ist doch gerade der Glaube an den barmherzigen Gott, der uns Menschen nahe ist, der Hoffnung und Zuversicht geben will. Und ja, ich kenne unendlich viele bewegende Momente, wo Menschen sich umeinander gekümmert, in der Not zusammengehalten haben und oft auch zu heroischen Taten fähig waren. Ich denke mit Hochachtung an Don Giuseppe, einen 72jährigen Priester aus Lovere, in Bergamo, Italien, wo das Virus verheerende Ausbreitung erfahren hat. Don Giuseppe überlies einem Mitpatienten sein eigenes Beatmungsgerät und starb selbst wenige Tage später an den Folgen der Krankheit.

Natürlich setzte die Notlage auch in den Kirchen jede Menge an Fantasie und Kreativität frei, ob Freiluftmessen, Online-Gottesdienste, digitale Bibelgespräche, die Seelsorge im Social Media-Format. Doch die Anfrage bleibt: Haben wir als Kirche genug getan? Hätten die Gottesdienstverbote nicht mehr Kräfte freisetzen können für neue Ideen, um gezielter und persönlicher auf Menschen zuzugehen? Fernsehgottesdienste, YouTube-Andachten – gut, dass es sie gab. Aber reichte all das, um die Menschen in ihrer persönlichen wie kollektiven Not nicht allein zu lassen? Diese Fragen bewegen mich nicht nur bis heute.

„Das laute Schweigen“, war seinerzeit eine Titelzeile in einer großen deutschen Tageszeitung. Der Vorwurf richtete sich an eine Kirche, die an die Sterblichkeit und Vergänglichkeit gemahne wie sonst keine andere Institution, und gerade in dem größten Massensterben befalle die Kirche das große Schweigen. Mich hat der Vorwurf noch einmal nachdenklich gemacht: Vielleicht kommen alle Worte aber genau an dem Punkt größter Not an ein Ende. Statt reden geht es da vielleicht schlicht um die reine Präsenz: das gemeinsame Aushalten, Durchtragen, Beieinandersein.

Mir geht ein Bild nicht mehr aus dem Kopf: der Papst steht allein vor dem menschenleeren Petersplatz. Gleichsam eine prophetische Zeichenhandlung, als er der Stadt und dem Erdkreis, „Urbi et Orbi“, ja, der ganzen Welt den Segen erteilte. – Für mich das laute Schweigen eines Gottes, der auch in der dunkelsten Krise und in der tiefsten Not uns Menschen nahe ist.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!



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