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Kirche in WDR 3 | 15.05.2024 | 07:50 Uhr

abschiedlich leben lernen

Guten Morgen.


Aus dem Krankenhaus schreibt sie mir eine Email: „Ich bin bereit. Ich hatte ein gutes Leben. Wenn der Herrgott mich will, werde ich mich ihm voller Freude in die Arme werfen.“ Sie ist über 80 und schwer krank. Dass der Weg bis zum Ende lang und beschwerlich wird, ahnt sie da noch nicht.


Trauerwege mitten im Leben. Die Psychotherapeutin Verena Kast hat dafür den Begriff „abschiedlich leben lernen“ geprägt.


Sprecher: „Der Mensch ist so vergänglich wie das Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Feld. Wenn der Wind über sie hinwegfegt, ist sie dahin. Wo sie gestanden hat, bleibt keine Spur von ihr. Doch die Güte Gottes bleibt bestehen, von Anfang an bis in alle Zukunft. Sie bleibt bei denen, die zu ihm gehören, und seine Gerechtigkeit bei den Kindern und Enkeln.“ (Psalm 103,15ff, BasisBibel)


Ein Text aus der Bibel. Ich finde den wunderschön. Er liest sich so einfach. Aber sich verabschieden vom Leben, von den Lieben – die Zukunft bei Gott im Blick –, das finde ich nicht leicht, sondern das finde ich ganz schön schwer. Und der letzte Abschied, der tut oft richtig weh.


Abschiedlich leben. Das bedeutet: loslassen, was mir mal sehr wichtig war. Mein erstes Ballkleid oder Liebesbriefe. Die Stadt, in der ich so gerne gelebt habe, die Freundinnen und Freunde, die mein Leben begleiten. Immer verabschiede ich mich im Leben. Der für mich schwerste Abschied ist der Tod.


Manchmal kommt der Tod von heute auf Morgen. Ohne Vorwarnung. Und manchmal dauert das Sterben quälend lange.


„Bitte kommen Sie ins Krankenhaus, wenn Sie sich verabschieden wollen. Ihrem Vater geht es gar nicht gut.“ Ein Satz, den ich verinnerlicht habe. Denn ich habe ihn oft gehört. Habe berührende letzte Momente erlebt. Und dann ein wieder-Auferstehen. Ein wieder-Dahinsinken. Und wieder Auferstehen. Zwischen Krankenhaus und den eigenen vier Wänden.


Viele können von diesen Abschieden erzählen. Susanne Kellermann – die Ehefrau von dem nach langer Krankheit verstorbenen Schauspieler Fritz Wepper – sagte vor seinem Tod: „Ich weiß nicht, wie oft ich mich in den vergangenen Jahren schon von Fritz verabschiedet habe. Auch das Hoffen und Bangen kostet sehr viel Kraft. …

Wenn dann Entwarnung kommt, fa?llt die Spannung ab und man ist so erscho?pft, dass man in der Sekunde einfach einschlafen ko?nnte. Man kann sich auch darauf nicht vorbereiten. Es trifft einen jedes Mal wieder mit voller Breitseite."(1)


So ist das. Was mir beim immer wieder Abschiednehmen geholfen hat, war der eine, wesentliche Moment. In dem hab‘ ich den endgültigen Abschied vorweggenommen. Ein wenig wie eine Übung. Ich hab‘ mir - allein am Bett im Krankenhaus - ganz bewusst Zeit genommen für ein paar wenige, wesentliche Worte. Für einen Blick, einen Händedruck, – wo alles drin war.
Auf dem Weg vom Krankenhaus zum Bahnhof - auf dem Rückweg vom vielleicht-vielleicht-auch-nicht-Sterben, hab‘ ich gemurmelt: „Meinen Abschied hatte ich heute, egal wie viele noch kommen.“ Konnte ich wissen, was noch alles kommt?


Was mich tröstet ist Gottes Versprechen auf eine Zukunft, in der wir uns wiedersehen. Diese Zukunft nennt man auch Ewigkeit. In ihr – das glaube ich – sind wir alle aufgehoben vor unserer Geburt, auf unserem Lebensweg und nach unserem Tod.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5:

Ihre Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin in Düsseldorf.



(1) https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_100308168/fritz-wepper-seine-frau-nahm-mehrfach-abschied-von-ihm.html (letzter Abruf am 06.05.2024)



Redaktion: Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel und Pfarrerin Inga Waschke




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