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evangelisch

Kirche in WDR 4 | 09.07.2014 | 08:55 Uhr

Widerstand gegen die Olympiade des Schreckens (Joh 5,1-6)

Autor: Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer.

Kennen Sie das? Manchmal möchten Sie eine Sache mit einem anderen Menschen besprechen – eine Sache, die Sie belastet. Aber anstatt richtig zuzuhören und nachzufragen, erzählt Ihr Gegenüber dann von sich eine Geschichte, die noch viel dramatischer zu sein scheint. Und dann passiert es immer wieder: Ein Dritter hat das Gespräch mitbekommen und setzt noch eins drauf: Er hat eine noch schrecklichere Episode parat, die die anderen Geschichten in den Schatten stellt. Eine Olympiade der Schrecken. Warum passiert es immer wieder, dass Leute auf eine Schreckensmeldung nur so reagieren können, dass sie eine noch schrecklichere Geschichte erzählen? Manchmal denke ich: Vielleicht wollen sie die Not der anderen dadurch nicht an sich heran kommen lassen, dann lieber noch schnell selbst eine Geschichte erzählen. Wie kann ich angemessen damit umgehen, wenn mir jemand davon erzählt, was ihn oder was sie belastet? Vielleicht so:

Sprecherin: Am Schaftor in Jerusalem befindet sich ein Teich mit fünf offenen Hallen. Auf hebräisch wird er Betesda genannt. Zur Zeit Jesu lag hier ständig eine große Anzahl von Kranken in den Hallen und wartete darauf, in dem berühmten Heilwasser geheilt zu werden Blinde, Gelähmte und Menschen mit erstorbenen Gliedern. Unter ihnen war auch ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war.

Jesus sah ihn dort liegen. Er erkannte, dass der Mann schon lange unter seiner Krankheit litt, und fragte ihn: »Willst du gesund werden?« Der Kranke antwortete: »Herr, ich habe keinen, der mir in den Teich hilft, wenn das Wasser sich bewegt. Wenn ich es allein versuche, ist immer schon jemand vor mir da.« Jesus sagte zu ihm: »Steh auf, nimm deine Matte und geh!« Im selben Augenblick wurde der Mann gesund. Er nahm seine Matte und konnte wieder gehen. Der Tag, an dem dies geschah, war ein Sabbat.

(Johannes 5,1-9)

Autor: Die Geschichte beginnt wie in einer Nachrichtensendung: Ort: Betesda in Jerusalem. Situation: Die verschiedenen Krankheiten werden genau aufgelistet. Und dann wird ein Schicksal herausgegriffen, das den Charakter dieses Ortes aufzeigen kann: unter dem Mantel barmherziger Hilfe versteckte Grausamkeit. Ein Kampf um die beste Medizin. Die Nahaufnahme geht auf einen Mann, der seit 38 Jahren auf Heilung wartet. Er hat aber nur eine Chance: Er muss der Erste im Wasser sein, sobald sich das berühmte Heilwasser bewegt – aber seine Krankheit macht ihm das unmöglich – seit 38 Jahren.

Auf diesen Mann steuert Jesus zu. Er kann ihm helfen. Nicht so, wie es die Bäderordnung am Teich Betesda vorsieht. Er tut es auf seine Weise. Jesus unterbricht die Kette der Schreckensmeldungen. Er heilt nicht alle, er sorgt nicht dafür, dass aus dem Ort der heimlichen Grausamkeiten das Paradies wird. Das nicht – aber er sorgt für eine Unterbrechung. Er spricht den Kranken an, hört ihm zu und wendet seinen Blick. Dass Jesus dies an einem Sabbat, am heiligen Ruhetag, tut, ist ein Zeichen. Das Heilen am Sabbat ist zwar verboten, aber Jesus zeigt damit: Es ist wichtig auszusteigen aus der Olympiade der Schrecken, die uns im Alltag antreibt.

Wichtig sind: Heilsame Unterbrechungen; Zeit, nachzufragen und zuzuhören, nicht immer noch eins drauf zu setzen. Der eine Kranke, die eine mit ihren Problemen hier und jetzt - die sind wichtig. Statt aufgeregtem Geschwätz ein Ruheplatz, um wieder neue Kraft zu schöpfen – um die Verrücktheiten des Tages, die Ungerechtigkeiten im Leben bestehen zu können – für mich sind diese heilsamen Unterbrechungen Grüße von Jesus höchst persönlich. Die wünsche ich Ihnen auch, liebe Hörerin, lieber Hörer – Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.

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