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Kirche in WDR 4 | 29.01.2015 | 08:55 Uhr

Hören

In Essen gibt es eine Skulptur, die heißt „Der Hörende“. Sie hat große Augen, einen nach innen gewandten Blick und die Hände hinter die Ohren gelegt, um die Ohrmuschel zu vergrößern. Die Bedeutung: ganz klar: Dieser Mensch ist ganz Ohr. Der konzentriert sich richtig.

Guten Morgen!

Hören – das doch ganz einfach sie hören mich jetzt ja auch gerade, genauer: Meine Stimme. Aber hören und hören, das sind zwei verschiedene Dinge. Ich kann hören und überhöre doch etwas, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt bin. Und ich kann genau zuhören und verfolge das Gesprochene. Ich weiß: Bewusstes, konzentriertes Hören kann ganz schön anstrengend sein und ist natürlich auch nicht in jeder Lebenssituation möglich. Es ab und zu einmal einzuüben, kann aber sehr wohltuend und heilsam sein.

In der Schule, in der ich tätig bin, habe ich mit meinen Schülern einmal ein Experiment gestartet: Alle sollten versuchen, eine Minute lang ganz still zu werden und nur auf die Geräusche zu hören, die sie dann in dieser Stille vernehmen. Eine Minute kann ganz schön lang sein, wenn jeder still sein muss. Aber die Erfahrung, was jeder da so hört, die war beeindruckend:

Das Ticken der Uhr, das Zwitschern der Vögel draußen, einen tropfenden Wasserhahn. Das hört sich vielleicht ganz banal an, aber ich glaube, dass das, was die Schüler erlebt haben, auch für jeden Menschen eine lohnende Erfahrung darstellt. Denn bestimmte Geräusche des Alltags nehmen wir gar nicht mehr bewusst wahr, bzw. wir blenden sie aus. Kein Wunder bei dem Geräuschpegel, der uns täglich umgibt. Wer hat da noch Sinn für das richtige Hören?, so frage ich mich. Und es ist auch ein Problem: Ich kann meine Ohren nicht verschließen wie die Augen. Aber ich kann mich konzentrieren, um genauer hinzuhören auf das, was eine andere Person mir wirklich mitteilen will, so dass ich zwischen den Zeilen etwas heraushöre. Die bewusste Art des Hörens hat nichts Passives und Konsumierendes an sich, sie ist – im Gegenteil – ausgesprochen aktiv. Das heißt: Ich bin konzentriert auf den anderen Menschen, der mir etwas sagen möchte oder ich konzentriere mich bewusst auf die Geräusch um mich herum, die ich sonst nicht wahrnehme. Bewusstes Hören verlangt Konzentration Der Lohn für diese Anstrengung ist eine tiefere Wirklichkeitswahrnehmung, das habe ich jedenfalls immer wieder erfahren. Mir ist aber auch wichtig, dass es neben dem äußeren Hören auch ein inneres Hören gibt: Denn es gibt auch Stimmen in mir: meine Gedanken, mein Gewissen, meine Sehnsucht. Gläubige Menschen wagen diese Stimme beim rechten inneren Hören auch Gott zu nennen. Sie reihen sich damit ein in die Glaubenserfahrung vieler großer Propheten, die beim bewussten, konzentrierten Hören in sich hinein die Stimme Gottes vernommen haben. Zum Beispiel der junge Samuel – im ersten Buch Samuel in der Bibel wird über ihn berichtet. Samuel erwacht mehrfach im Schlaf. Unsicher geht er jedes Mal zu seinem Priester Eli und fragt den, was dieser denn von ihm wolle. Eli hat Samuel nicht gerufen, nach mehreren Anfragen in der Nacht ist er schließlich auch genervt. Als Samuel aber keine Ruhe gibt, erkennt der ältere Priester, dass Gott den jungen Samuel ruft. Klug und lebenserfahren gibt Eli Samuel daraufhin den Ratschlag: „Wenn er dich wieder ruft, dann antworte: Rede Herr, denn dein Diener hört“ (1 Sam 3, 9b). Nach dieser Ermutigung kann Samuel ganz Ohr sein und auf das hören, was Gott ihm sagen möchte.

Mir macht diese Geschichte des jungen Samuel Mut: Auch die ganz Großen in der Bibel brauchten Anlaufzeiten, um die Stimme Gottes in ihrem Leben zu vernehmen. Warum soll es uns modernen Menschen da heute anders gehen? Wichtig ist es, das richtige Hinhören nicht aufzugeben.

Ich wünsche Ihnen heute einen Moment, in dem Sie sich trauen, ganz Ohr zu sein. Aus Duisburg grüßt Sie Meike Wagener-Esser.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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