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Kirche in WDR 4 | 17.02.2015 | 08:55 Uhr

Mir fehlt etwas! (Lukas 5, 33-35)

Autor: Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer;

manchmal werde ich morgens wach und ich weiß schon gleich, noch bevor ich den ersten Schritt aus dem Bett gemacht habe – mir fehlt was. Ich krame dann in den noch verschlafenen Gedanken, was es sein könnte, aber nicht immer fällt es mir sofort ein. Doch dann, sobald ich etwas wacher geworden bin, kommt die Erinnerung zurück. Mir fehlt etwas Wichtiges, ein Mensch, der nicht mehr da ist. Ich hab´ am Abend zuvor auch nichts mehr gegessen, wie ich es sonst noch kurz vor dem ins Bettgehen mache – es schmeckt mir einfach nicht das Leben, wenn mir etwas Wichtiges fehlt.

Ähnlich, wie in dieser alltäglichen Erfahrung, so ist es auch in den Erfahrungen mit Gott – wenn der fehlt, dann schmeckt mir das ganze Leben nicht mehr.

Es geschieht Unrecht in meinem Leben, da passieren Dinge, die ich einfach nicht mit Gott überein bekomme. Ich habe das Gefühl: Gott hat mich verlassen. Aber auch wenn das Leben so vor sich hin plätschert, wenn nichts besonders Schlimmes geschieht, auch dann, oder besser gesagt: manchmal gerade dann, haben Menschen, die sich nach Gott sehnen, das Gefühl: Der hat sich aus meinem Leben verabschiedet. Morgen beginnt in den christlichen Kirchen die Fastenzeit. Im Fasten, im bewussten Verzichten auf Essen und Trinken kommt genau diese Erfahrung zum Ausdruck: Mir schmeckt das Leben nicht mehr, denn du fehlst, Gott – ob du dich vielleicht noch einmal neu und unerwartet zeigst? Meine Leere füllst?

Zurzeit Jesu war es in Israel die größte Beleidigung des Glaubens, dass die Römer das Land besetzt hatten. (1) Denn so wurde das Land, das Gott seinem Volk Israel versprochen hatte, von Ungläubigen beherrscht. Hatte Gott sich von ihnen verabschiedet – so fragten sich die gläubigen Israeliten; für viele Menschen ein gewichtiger Grund damals, zu fasten.

Sprecherin: Einige Pharisäer und Schriftgelehrte sprachen zu Jesus: Die Jünger des Johannes fasten oft und beten viel, ebenso wie unsere Jünger; aber deine Jünger essen und trinken. Jesus sprach aber zu ihnen: Ihr könnt die Hochzeitsgäste nicht fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist. Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, in jenen Tagen. (Lukas 5,33-35)

Autor: Jesus vergleicht die Zeit, in der er mit seinen Leuten zusammen ist, mit einer Hochzeit. Unmöglich bei einer Hochzeit zu sagen: Mir schmeckt das Essen nicht. Unmöglich also für die Jünger Jesu, sich an der Fastenaktion ihrer Umgebung zu beteiligen – als ob ihnen etwas fehlen würde, wenn Jesus in ihrer Mitte ist. Im Gegenteil, wenn Jesus mitten unter ihnen ist, dann ist Gott selbst in ihrer Mitte, dann ist alles da, was sie brauchen. So haben es die Jünger Jesu erfahren. So glauben es die Jünger Jesu bis heute. Was soll ihnen da noch fehlen? Aber Jesus weiß auch: Es wird die Zeit kommen, in der die Menschen, die sich zu ihm halten, diese Erfahrung machen müssen: Du fehlst! Spätestens wenn Jesus von den Römern hingerichtet wird, dann werden seine Jünger darunter leiden, dass er fehlt. Dann wird auch ihnen das Leben nicht mehr schmecken. Sie werden fasten.

Aber auch diese Zeit wird vorüber gehen. Jesus wird dann wieder in ihrer Mitte sein. Der Auferstandene, der von den Toten auferstandene Jesus wird da sein, wo sich zwei oder drei in seinem Namen versammeln. Das ist das Versprechen, das Jesus seinen Jüngern gegeben hat. Und er hält sein Versprechen – und das Leben schmeckt wieder.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.

(1) vgl. Mitri Raheb, Glaube unter imperialer Macht, Gütersloh 2014, S. 123 ff; hier beschreibt der arabisch-lutherische Pfarrer Mitri Raheb aus Bethlehem die Strategien, die Palästinenser immer wieder gegen die Besatzungsmächte ihres Landes angewandt haben.

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