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Kirche in WDR 4 | 13.04.2015 | 08:55 Uhr

Menschenkenntnis

Guten Morgen! Sind Sie ein guter Menschenkenner, eine gute Menschenkennerin? Sagt Ihnen Ihr Gefühl, Ihre Erfahrung, Ihr Gespür, was hinter dem sichtbaren Erscheinungsbild eines Menschen steckt? Können Sie vom Äußeren auf das Innere schließen? Oder lassen Sie sich von Äußerlichkeiten blenden?

Um solche Fragen ging es auch schon im alten Israel. Das Land braucht einen neuen König. Das hat Gott entschieden, denn der bisherige, König Saul, ist seiner Aufgabe nicht gewachsen. Da schickt Gott seinen Propheten Samuel los. Er soll einen Mann zum König salben. Einen, den Gott selbst für sein Volk Israel erwählt hat. Samuel kennt den Namen des Auserwählten noch nicht. Er weiß nur: Einer der Söhne des Isai in Bethlehem soll es sein. Und nun beginnt die Parade der stattlichen jungen Männer. Gleich beim ersten ist der Prophet so beeindruckt, dass er glaubt: Der muss es sein. Groß ist er und stark. Und die Macht eines Königs äußert sich ja auch in körperlicher Größe und Stärke. So war das jedenfalls bei Saul. Und so muss es auch bei seinem Nachfolger sein, denkt der Prophet Samuel.

Aber Gott hält dagegen und sagt: „Nein. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; ich aber sehe das Herz an.“ In der Bibel heißt es weiter: „So ließ Isai seine sieben Söhne an Samuel vorübergehen. Aber Samuel sprach zu Isai: Der Herr hat keinen von ihnen erwählt.“

Alle nacheinander, so attraktiv sie auch wirken, sind es nicht. Am Ende stellt sich heraus: Gott hat anders entschieden. Er wählt den Jüngsten aus, den Kleinsten: David. Er muss erst noch vom Schafehüten geholt werden. Er wurde offenbar noch nicht so ganz für voll genommen. Kein Mensch hat damit gerechnet.

Wie man sich doch täuschen kann... Menschliche Überraschungen gibt es immer wieder. Im Guten wie im Schlechten. „Das hätte ich dem aber nicht zugetraut...“ Das kann anerkennend klingen oder auch bitter enttäuscht. Wie man sich doch täuschen kann...

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an. Klar und eindeutig ist das: hier der Mensch – dort Gott. Der Gegensatz könnte nicht größer sein. Ich weiß, wo ich stehe. Und ich bin froh, dass ich den prüfenden Blick auf das Herz und in das Herz Gott überlassen darf.

Als Mensch sehe ich, was vor Augen ist. Ich kann gar nichts anderes sehen. Und so ist es gut. Schließlich gilt auch umgekehrt: Ich kann anderen zeigen, was sie von mir sehen sollen. Und ich kann verstecken, was sie nicht sehen sollen. Jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung. Ich darf mich zurückhalten. Und ich darf mich beim Einstellungsgespräch von der vorteilhaftesten Seite zeigen.

Natürlich schätzen Menschen einander ab. Das ist alles so eingerichtet, damit sie lebenstüchtig sind und klarkommen, Gefahren und Chancen schnell einschätzen können. So erkennt der Mensch, was vielversprechend ist – zumindest äußerlich betrachtet. Aber: Wie schnell ist man beschädigt oder unten durch, fällt plötzlich wie eine heiße Kartoffel, wenn die glänzenden Äußerlichkeiten wegfallen: die richtige Kleidung, das gut gefüllte Bankkonto, der tadellose Ruf, der Erfolg.

Anders bei Gott. Gott sieht das Herz an. Gott sieht auf meinen Grund. Auf dem Grund seiner selbst ist jeder Mensch bedürftig und sehnsüchtig nach Liebe. Das schreibt sich natürlich niemand auf die Stirn.

Gott sieht mein Herz an. Er hat mich ja erfunden. Gott kennt mich, das zählt. Er lässt mich nicht fallen wie eine heiße Kartoffel. Er kennt mich als sein geliebtes Kind.

Dass Sie das heute spüren, wünscht Ihnen Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.

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