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Kirche in WDR 4 | 03.07.2015 | 08:55 Uhr

Sternennächte

Guten Morgen!

Unsere Gruppe hatte noch lange am Lagerfeuer gesessen. Eine Woche waren wir zusammen im Sinai unterwegs. Wandernd und auf den Rücken von Dromedaren hatten wir die Felsenwüste durchstreift. Und dann kam der letzte Abend am Lagerfeuer. Der Beduine hatte zu den Klängen seines Saiteninstrumentes Lieder gesungen, die in unseren Ohren fremd klangen: Aber von Liebe und Sehnsucht, erklärte er lächelnd.

Als das Feuer niedergebrannt war, kroch ich in meinen Schlafsack und versuchte die vielen Eindrücke eines Tages in der Wüste zu ordnen. Aber dazu kam ich nicht. Denn unendlich weit über mir spielte sich Ungeheuerliches ab: Ein Funkeln und Leuchten, ein Glitzern und Brennen von Tausenden und Abertausenden von Feuern, die in rätselhaften Welten brannten. Ich entdeckte immer neue Sternbilder. Ich ahnte, welche Bewegungen sich da abspielten, welche Ordnungen am Himmel herrschten, und doch sah alles in meinen Augen sehr chaotisch und zufällig aus.

Und plötzlich kam mir ein biblischer Satz in Erinnerung: „Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst…“ (Gen 15, 5). Wer konnte dieses Sternenchaos zählen? Nie ist mir dieses biblische Wort in seiner Wucht so auf die Seele gefallen, wie in dieser Nacht. Es dauerte lange, ehe ich mich aus der Faszination des himmlischen Feuers löste und endlich einschlief. Wenn ich mich heute nach der Wüste sehne, dann sind es vor allem die unglaublichen Sternennächte, an die ich denke.

Folgende Verse habe ich mir damals notiert:

Sprecherin:

Die Sterne hängen tief

im Geäst der Akazien

beleuchten unseren Schlaf

erst der Mond

der helle Verfolger

fegt ihren Glanz

aus unseren Augen

Die blauschwarzen Schatten

der Berge fallen über uns her

wie Diebe. In unseren Träumen

verspricht uns der Stammvater

eine Leiter zwischen Himmel

und Erde

Wichtige biblische Ereignisse aus der Urgeschichte Israels oder der Jesusgeschichte geschehen im Schutz der Dunkelheit: Abram hat die entscheidenden Offenbarungen nachts, Jakob träumt von einer Himmelsleiter nachts und ringt später, bis zum Morgengrauen, mit einem Fluss-Geist,. der ihn schließlich auf die Hüfte schlägt, aber auch segnet. Und schließlich benutzt Israel die Nacht, um aus der ägyptischen Sklaverei zu fliehen.

Auch im Neuen Testament hat die Nacht eine besondere Bedeutung. Die Nacht von Bethlehem, die Nacht am Ölberg. die Nacht der Auferstehung…Leider verdunkeln unsere künstlichen Stadtlichter die Erfahrung einer leuchtenden Sternennacht.

Wir modernen Stadtmenschen müssen heute schon weit fahren, um dem elektrischen Geleuchte zu entgehen. Und für die unendliche Schönheit einer Welt zu danken, von der nicht nur biblische Dichtung ihr Lied singt.

Die Nächte in der Wüste haben mich erneut das große Staunen gelehrt. Und ich fühlte mich den muslimischen Nomaden verbunden, die angesichts des großen Wunders der Schöpfung in die Knie gingen und die Größe Alla’s priesen - nachts und tags. Und neu wurde mir bewusst, welcher Reichtum in einem äußerlich entbehrungsreichen Leben stecken kann, das unsere Beduinen-begleiter lebten.

Dass Sie, liebe ZuhörerInnen das Staunen vor dem Geheimnis dieser Schöpfung nicht verlieren – bei Nacht und bei Tag – das wünscht ihnen Pfarrer Wilhelm Bruners aus Mönchengladbach.

Copyright Vorschaubild: Sternenhimmel Patrick Wiesler CCBY 2.0 flickr

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