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Kirche in WDR 4 | 08.08.2015 | 08:55 Uhr

Nicht in Stein gemeißelt

Guten Morgen! Kürzlich im Abendgottesdienst im Berliner Dom: Während der Dom- und Staatschor wunderbar singt, wandert mein Blick hinauf zur Kuppel der größten evangelischen Kirche in Deutschland. Der achtseitige Kirchraum ist von Pfeilern aus Sandstein gerahmt, auf denen die Figuren der großen Reformatoren abgebildet sind. Neben Luther und Melanchthon wurden hier auch Zwingli und Calvin verewigt. Damit wird einmal mehr deutlich: Auch wenn Martin Luther derzeit in aller Munde ist, war er es eben nicht allein, der die Reformation vorangetrieben hat. Auch Johannes Calvin hat viele evangelische Kirchen geprägt, besonders in Europa. Und was er verkündigt hat, das kann auch heute noch weiterhelfen angesichts der großen gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen.

Johannes Calvin sprach zum Beispiel häufig von der „Ehre Gottes“. Dem Reformator aus Genf ging es nämlich vor allem um eins: dass Gott die Ehre gegeben wird, die ihm als dem Schöpfer und Versöhner der Welt zusteht. Diese Grundlage all ihres Tuns sollen Christen und Kirchen zu allen Zeiten nicht vergessen. So bleiben sie immer am Kern des Glaubens.

Aber wie ehrt man Gott denn richtig? In seinem Genfer Katechismus von 1545 gibt Johannes Calvin eine schlichte Antwort: „Wenn wir all unser Vertrauen auf ihn setzen.“

Gott wird demnach durch Menschen geehrt, die ihm vertrauen und die auch andere zum Vertrauen ermutigen. Der Glaube ist das Entscheidende - so lautete ja die Erkenntnis aller Reformatoren im 16. Jahrhundert. Und – und das ist für Calvin ganz wichtig - zum Glauben gehört es dazu, Gott „mit seinem ganzen Leben zu dienen.“

Glaube ist demnach keine Privatsache. Auch wenn es heute immer lauter gefordert wird, dass der Glaube aus dem öffentlichen Leben verbannt werden soll. Aber der Glaube kann sich nur so äußern, dass Gott eben in allen Bereichen des Lebens geehrt wird. Im Privaten und im Öffentlichen, in der Wirtschaft und in der Politik sollen Christen nach seinem Willen leben. Und sie sollen protestieren, wo das Leben missachtet wird. In diesem Sinne lassen sich Glaube und Politik gar nicht trennen. „Liebe Gott und deinen Nächsten, wie dich selbst“ - dieses Gebot gilt eben nicht nur am Sonntagmorgen, sondern gerade auch in unserem Alltag, in dem die Liebe so sehr nötig ist.

Johannes Calvin nahm zu seiner Zeit wahr, was heute genauso gilt: Menschen laufen so manches Mal ins Unglück, wenn sie sich nicht an Gott halten, sondern ihr Heil woanders suchen. Womöglich sogar nur bei sich selbst, was ein Trend ist. Gottes Stimme aber ist geradezu ein Einspruch gegen jede Selbstgerechtigkeit und jeden Hochmut. Er wirbt darum: Verlasst euch auf mich. Auch wenn es euch schwerfällt. Auch wenn ihr denkt: Ja wo ist Gott denn? Hat er uns nicht verlassen? Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat es einmal so beschrieben: „Es gibt kein Stück Welt und sei es noch so verloren, noch so gottlos, das nicht in Jesus Christus von Gott angenommen und mit Gott versöhnt wäre.“ (1)

Johannes Calvin lehrt, dass Gott auf unterschiedliche Weise geehrt werden kann. Aber es ist nicht beliebig. Sondern Gott will so geehrt werden, dass es den Menschen zum Leben hilft. Diese Lehre ist nicht in Stein gemeißelt, wie das Standbild des Reformators im Berliner Dom, sondern sie wird immer wieder neu buchstabiert und in die Zeit gesprochen.

Ich wünsche Ihnen heute ganz viel Vertrauen. In sich selbst; in ihre Mitmenschen - und vor allem in Gott. Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

(1)Dietrich Bonhoeffer, Ethik, DBW Band 6, Gütersloher Verlagshaus; Auflage: 2. überarbeitete Auflage 1998 (1. Oktober 1992), S. 52f.

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