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Kirche in WDR 4 | 02.09.2015 | 08:55 Uhr

Gottestöne

Guten Morgen!

Chloe ist sehr plötzlich gestorben.

Viel zu früh. Schockierend.

Ich kannte sie gut. Wir haben uns nicht oft gesehen, aber sie war mir nah.

Bei ihrer Trauerfeier gab es diesen Moment. Der Gottesdienst begann mit einem sehr bekannten Kirchenlied.

Es war Chloes Lieblingslied.

Ich habe dieses Lied schon oft gesungen, aber nie so.

Es ist eigentlich kein Lobgesang, aber in dem Moment war es einer.

Ein Lobgesang auf Gott für dieses Leben der einzigartigen Chloe mit all seinem Höhen und Tiefen.

Die meisten in der Kirche kannte ich nicht, aber dieses gemeinsame Lied hat mich mit ihnen verbunden. Wegen Chloe, aber auch wegen der Hoffnung, dass Gott Wort hält; dass dieser Abschied nicht für immer ist.

Es war kein Lobgesang wie bei einer Hochzeit oder einer Geburt. Es war ein Lobgesang, mit dem wir uns vergewissern wollten, dass Gott wirklich da ist. Erst sangen wir ganz zart und dann immer kräftiger.

Während wir sangen, hat Gott sich zwischen uns gesetzt.

Für mich hat es sich angefühlt, als könnten wir Gott mit diesem Lied einstimmig von Chloe erzählen, obwohl jeder von uns ein ganz eigenes Verhältnis zu ihr und auch zu Gott hatte. Manch einer sicher auch ein nicht ganz einfaches.

Und Gott hörte zu. Ganz genau. Strophe für Strophe.

Es war, als hätte Gott sich mit unserem Gesang verbunden, um uns zwischen den Tönen zuzuraunen: „Verlasst euch darauf, ich bin da.“

Seit diesem Moment in der Trauerkapelle lese ich Psalm 22 neu. Da fühlt auch jemand eine Lücke im Leben:

Sprecher: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?! Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest Du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.“

(Psalm 22,2)

In seiner Verzweiflung kommt der Beter auf eine rettende Idee: singen hilft! Am besten Gesänge, die schon viele vor ihm gesungen haben. Und so singt er:

Sprecher: „Gott, Du aber bist heilig, der Du thronst über den Lobgesängen Israels.“

(Psalm 22,4)

Anders als bei Chloes Beerdigung mischt sich Gott hier nicht unter den Lobgesang oder setzt sich zwischen die Lobsingenden.

Für den Psalmbeter thront Gott auf den Lobgesängen. Oder andersherum: Die Lobgesänge der Menschen erheben Gott auf seinem Thron.

Eine merkwürdige Vorstellung: Menschen können Gott emporheben, indem sie singen. Solange sie ihm lobsingen, fällt sein Thron nicht.

Gesang ist flüchtig. Er lässt sich nicht konservieren. Wenn der letzte Ton verklungen ist, ist die Musik gespielt. Aber wenn Menschen Gott lobsingen, dann kann man etwas von seiner Wirkweise spüren.

Sprecher: „Du aber bist heilig, der Du thronst über den Lobgesängen Israels.“

Gott regiert auf einem Thron, den die Menschen mit ihrem Lobgesang tragen.

Der Mensch kann etwas tun, auch wenn alles verloren scheint, denkt sich der Beter vielleicht.

Es gibt eine Chance, Gott im Lobgesang zu treffen. Ihm im Singen nahe zu sein.

Dort hat der Psalmbeter den Heiligen Gott schon gesehen. Im Lobgesang Israels.

Damit Gottes Thron nicht wackelt, braucht es Menschen, die ihm lobsingen; die seine Taten sehen und aus seinem Handeln leben; Menschen, die nicht aufhören, ihm zu lobsingen. Denn wenn die Lieder verstummen, die von Gott und seinen großen Taten erzählen, wird er vergessen.

Bei der Trauerfeier von Chloe habe ich gespürt, welche Kraft im gemeinsamen Lobgesang steckt.

Prüfen Sie selbst, ob es stimmt!

Ihre Judith Uhrmeister aus Düsseldorf.

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