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Kirche in WDR 4 | 22.09.2015 | 08:55 Uhr

Von summender Stille

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

In der Burchardi-Kirche in Halberstadt hören Sie zur Zeit einen leisen Orgelklang.

Er besteht aus fünf Tönen und dauert an. Er dauert und dauert und Sie beginnen ungeduldig, auf eine Veränderung des Akkords zu warten. Doch der Fünfklang bleibt, füllt unablässig den Raum.

Auf einen neuen Klang müssten Sie bis zum 20. Oktober 2020 warten.

Dann werden die Töne mechanisch im Orgelwerk in neue Töne überführt.

Dann sind Tausende Besucher aus aller Welt zugegen, im Gebäudeinneren

und auf dem Vorplatz.

Dann erfüllt brausender Applaus die sonst so stille, ehemalige Klosterkirche.

Mit dieser eigenwilligen Komposition des amerikanischen Musikers John Cage

lädt die Burchardi-Kirche seit über 10 Jahren in ein Experiment ein.

Dort wird ein Musikstück aufgeführt, das 639 Jahre lang dauert.

Das ist doch verrückt, werden Sie denken.

Ja, das ist es auch. Diese Aufführung verrückt unsere Gewohnheiten,

Töne mehr oder weniger rasch hintereinander zu hören.

Diese Komposition hingegen lädt dazu ein, aus aller Schnelligkeit und allem

Perfektionismus auszusteigen.

John Cage gab seinem Werk die Tempovorschrift „As slow and soft as possible“,

so langsam und sanft wie möglich. Damit strahlt diese Komposition Ruhe und Friedlichkeit aus. Unaufgeregtheit und Gelassenheit.

Das war John Cage wichtig. Er wollte mitten in unserer geräuschvollen, zielgerichteten Zeit ein Gegenprogramm anbieten.

John Cages Idee entspringt seinem Humor, seiner Kreativität, aber auch seinem Gottesbezug. Cage war nicht nur Klangforscher, sondern verstand sich auch als suchenden Pilger, der sich mit Fragen aller Religionen auseinandersetzte.

Im Erleben vom einfachen Klang, von summender Stille entdeckte er eine Möglichkeit, das menschliche Herz für Gott zu öffnen.

Wenn ich an Jesus denke, so war auch für ihn damals das Verweilen in Stille,

in Unaufgeregtheit und Friedlichkeit kostbar.

Immer wieder wird in den Evangelien berichtet, dass sich Jesus alleine zurückzog: frühmorgens, tagsüber oder ganze Nächte hindurch.

Aus vielstimmigen Menschenansammlungen heraus zog es ihn in die Eintönigkeit

der Wüste, in die Berge, in Gärten.

Manchmal musste er sich diese Freiräume regelrecht erkämpfen. Dann

hatten sich Menschen an seine Fersen geheftet und folgten ihm überall hin.

Oder seine Jünger drängten ihn, sofort diesen oder jenen Menschen aufzusuchen.

Jesus wusste jedoch von der Notwendigkeit, sich in die Stille zurückzuziehen.

An diesen ruhigen Orten konnte er bei sich sein.

Es waren für ihn Plätze der Sammlung und des Gebets.

Dort konnte er sein Herz für Gott öffnen und von Gott her Kraft tanken, um

sich wieder Menschen zuzuwenden.

Die Burchardi-Kirche hat feste Öffnungszeiten. Oft holen sich aber auch Besucher den Schlüssel. Sie wollen im leeren Kirchenraum verweilen,umhüllt vom leisen Orgelklang. Einfach so – vielleicht mit geöffnetem Herzen für Gott.

Aus Coesfeld wünscht Ihnen einen guten Tag Petra Fietzek.

Copyright Vorschaubild: BurchardiChurchOrganForOrgan2ASLSP wikipedia

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